TSV Schwarzenbek

Corona bringt mehr Menschen aufs Fahrrad

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Stefan Huhndorf
Peter Kyrieleis (69) aus Schwarzenbek ist Radwanderer aus Leidenschaft. Mittlerweile ist auch er auf ein E-Bike umgestiegen.

Peter Kyrieleis (69) aus Schwarzenbek ist Radwanderer aus Leidenschaft. Mittlerweile ist auch er auf ein E-Bike umgestiegen.

Foto: Stefan Huhndorf

Peter Kyrieleis leitet die Radsportabteilung des Schwarzenbeker Sportvereins. Er erklärt, wie das Freizeitvergnügen sicher wird.

Schwarzenbek.  Peter Kyrieleis (69) hat schon viele Tausend Kilometer in die Pedale getreten und weiß ganz genau, wie das Radfahren zum gesunden und sicheren Freizeitvergnügen in tristen Corona-Zeiten wird. Immer mehr Deutsche entdecken das Fahrrad in Zeiten der Kontaktbeschränkungen und mangels innerdeutscher Reise- und Ausflugsmöglichkeiten. Die Branche meldete im vergangenen Jahr fünf Millionen verkaufte Räder. Dabei wird der Verkauf von E-Bikes immer wichtiger und lukrativer für die Unternehmen: Mit 1,95 Millionen verkauften E-Bikes legte der Absatz batteriegetriebener Fahrräder im vergangenen Jahr um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Viel mehr Freizeitradler unterwegs als vor Corona

Diesen Trend hat auch Peter Kyrieleis, Leiter der Radsportabteilung des TSV Schwarzenbek, registriert. „Wir merken bei unseren privaten Touren und auch den regelmäßigen Ausfahrten mit dem Verein, dass viel mehr Freizeitradler auf den ausgeschilderten Radwegen und in der Feldmark unterwegs sind“, so Kyrieleis. Darunter auch viele Anfänger, die mit batteriebetriebenen Pedelecs fahren. „Man weiß da oft nicht, ob der Fahrer die Technik beherrscht oder die Technik den Fahrer. Deshalb haben wir vor zwei Jahren auch einen Pedelec-Kursus in Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht angeboten“, berichtet der 69-jährige Pensionär.

Damit der Ausflug mit der Familie nicht in einem Desaster endet, die wichtigste Regel vorab: Niemals ohne Helm fahren, selbst auf Kurzstrecken nicht. „Meine Frau ist neulich vor dem Start beim Aufsteigen umgekippt. Der Helm war kaputt, ihr ist nichts passiert. Ohne Kopfschutz hätte das böse enden können“, warnt Peter Kyrieleis.

Beim Radfahren werden automatisch größere Abstände gehalten

Generell ist die Gefahr, sich beim Radfahren mit dem Coronavirus zu infizieren, gering. „Das gefährliche sind die Pausen, wenn Abstände nicht eingehalten werden. Generell sollte aber ohnehin nur in Kleingruppen gefahren werden. Das machen wir seit Beginn der Pandemie auch so. Mehr als zehn Leute nehmen wir auf den geführten Touren nicht mit. Und in den Pausen wird Abstand gehalten. Da kreist dann auch nicht die Wasserflasche“, so der Schwarzenbeker. „Vor einer Krankheitsübertragung durch Aerosole muss sich beim Radfahren keiner Sorgen machen. Das hat eine Untersuchung des Bundes Deutscher Radfahrer ergeben. Beim Fahren werden automatisch größere Abstände gehalten“, so Kyrieleis.

Wer jetzt in das Hobby auf zwei Räder starten möchte, muss gegebenenfalls Wartezeiten in Kauf nehmen, da der Markt leer gefegt ist. „Welches Rad das richtige ist, hängt vom Verwendungszweck und der Häufigkeit der Nutzung ab. Gute Beratung ist wichtig, Qualität zahlt sich im Laufe der Jahre immer aus“, so der 69-Jährige. Je älter der Radler ist, desto mehr lohnt sich die Überlegung, ein Fahrrad mit Batterieunterstützung zu kaufen. „Damit sind auch für Menschen, die nicht mehr so fit sind, lange Touren möglich“, so Kyrieleis. Gute Bremsen sind ebenfalls wichtig. Auch der Sattel muss passen. „Der montierte Sattel ist nicht immer richtig. Da kann der Händler helfen. Häufig kann man Sättel auch zum Ausprobieren ausleihen“, sagt der TSV-Mann. Auch die Rahmenhöhe muss stimmen und selbstverständlich muss das Rad verkehrssicher sein.

Heute sind Kettenschaltungen weit verbreitet

Kyrieleis empfiehlt, vor jeder Tour Bremsen und Reifendruck zu prüfen. „Zu wenig Druck macht das Fahren deutlich schwerer“, sagt er. Ins Gepäck gehört ein Ersatzschlauch und etwas zu trinken. Schon kann’s losgehen.

„Ich fahr’ so gerne Rad...“ Das war das Leitmotiv, als eine Gruppe von Radwanderern um den damaligen Oststeinbeker Kämmerer Peter Kyrieleis die Radsportabteilung am 30. April 1989 aus der Taufe hob. Damals standen Hollandräder mit tiefem Einstieg hoch im Kurs. Üblich waren Nabenschaltungen mit drei Gängen. Das reichte aus, lediglich Rennräder hatten Kettenschaltung und deutlich mehr Übersetzungen. Heute sind Kettenschaltungen weit verbreitet, 27 Gänge sind mittlerweile praktisch Standard.

Hydraulische Bremsen und Federgabeln gehören bei hochwertigen Rädern ebenfalls mittlerweile zum Standard. Wer wegen der bei Rädern mit Kettenschaltungen entfallenden Rücktrittbremse noch auf eine Nabenschaltung setzt, ist heute auch mit sieben statt drei Gängen unterwegs.

Alle 50 Miglieder der TSV-Radwandersparte haben E-Bikes

Ebenfalls üblich sind bei ambitionierten Radwandern E-Bikes. Die 50 Mitglieder der TSV-Radwandersparte sind mittlerweile alle mit elektrischer Unterstützung unterwegs.“„Ich wollte mal mit dem Fahrrad von Schwarzenbek nach Geesthacht, weil ich eine Druckerpatrone benötigte. Als ich wieder zu Hause war, war die Patrone weg, ich hatte sie irgendwo verloren. Also bin ich noch mal aufs Rad gestiegen. Am Ende war ich 74 Kilometer unterwegs“, berichtet Jürgen Heitmann (76), Tourenleiter der Radsportler.

Die Radsportabteilung wird von Peter Kyrieleis seit 2017 geleitet. Er ist als Gründungsmitglied von Anfang an dabei und war auch die ersten 13 Jahre seit 1989 bereits „Chef“ der Radsportler.

( sh )