Schützenfeste

Corona-Krise: Wie geht es weiter bei der Schützengilde?

| Lesedauer: 4 Minuten
Stefan Huhndorf
Ein Bild vom letzten Schützenfest der Gilde von Pfingsten 2019: Damals wurde Anja Eschke zur neuen Schützenkönigen in Schwarzenbek gekürt. Seitdem ist sie die Majestät der traditionsreichen Gilde und wird es auch bleiben, weil es wie 2020 auch in diesem Jahr kein Königsschießen gibt.

Ein Bild vom letzten Schützenfest der Gilde von Pfingsten 2019: Damals wurde Anja Eschke zur neuen Schützenkönigen in Schwarzenbek gekürt. Seitdem ist sie die Majestät der traditionsreichen Gilde und wird es auch bleiben, weil es wie 2020 auch in diesem Jahr kein Königsschießen gibt.

Foto: Gabriele Kasdorff / / Gabriele Kasdorff

Festzüge und Königsschießen in Schwarzenbek fallen auch in diesem Jahr aus. Traditionsgilde schafft moderne Schießanlage an.

Schwarzenbek. 1894 gründeten 15 Schwarzenbeker in Schröders Hotel die Schützengilde. Nach dem ersten König Heinrich Niebuhr (1895) wurde dann auch gleich 1896 Hotelier Hans Schröder das zweite Oberhaupt der Gilde. Seitdem hat der Verein, der 2019 mit dem 125-jährigen Jubiläum sein letztes großes Fest feierte, eine wechselhafte Geschichte hinter sich gebracht.

Die Zeit der großen Festumzüge durch die Stadt über die Pfingsttage und der Jahrmärkte auf dem Schützenplatz ist seit nunmehr über einem Jahr vorbei.

Wegen Corona: Schützen sagen auch 2021 Königsschießen ab

Zum zweiten Mal in Folge wird es in diesem Jahr kein Schützenfest geben – die Corona-Pandemie macht solche Veranstaltungen schlichtweg unmöglich. Auch der Königsball und das Vereinschießen – ein gesellschaftlicher Höhepunkt für Wirtschaft, Vereine und Politik zum Jahresbeginn – war abgesagt worden.

Der Schießbetrieb ruht mit kurzen Unterbrechungen im vergangenen Sommer seit dem ersten Lockdown Mitte März 2020.

Amtszeit wieder verlängert: Anja Eschke wird zur Rekordkönigin

Für die Schützen, deren Mitgliederzahl immer weiter abnimmt, ist das bitter, für Königin Anja Eschke ist es eine ungewöhnliche Erfahrung. Die heute 50-Jährige errang die Königswürde Pfingsten 2019.

„Es war ein schönes Königsjahr, gerade auch, weil wir das Jubiläum feierten, einen Festumzug und viele Gäste hatten. Auch meinen Königsball im Februar 2020 konnte ich noch feiern. Danach kam der Lockdown und es ging gar nichts mehr. Das war sehr schade, aber eigentlich war das Königsjahr mit dem Ball ja auch vorbei“, berichtet Anja Eschke, die seit 2019 auch Kreiskönigin ist. Doch dann kam alles anders.

„Hat es in unserer 127-jährigen Geschichte noch nicht gegeben“

Kein Schützenfest und kein Schießbetrieb bedeuteten auch kein Königsschießen. Damit hatte die Gilde 2020 kein neues Oberhaupt. Deshalb machte Anja Eschke weiter – auch wenn es wegen des Lockdowns keinerlei repräsentative Aufgaben mehr gar. Und da auch jetzt wieder alles ausfällt, verlängert die 50-Jährige ihre Amtszeit um ein drittes Königsjahr. „So etwas hat es in unserer 127-jährigen Geschichte noch nicht gegeben“, sagt der Vorsitzende Sven Dreyer.

Da es in den Vereinen des Kreises keine neuen Könige gab, konnten die Majestäten auch nicht untereinander ausschießen, wer der Treffsicherste im Herzogtum Lauenburg ist. Anja Eschke blieb weiter Kreiskönigin. Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern, weil der Schießbetrieb in den Vereinen auf unbestimmte Zeit ruht und viele Schützenfeste bereits abgesagt sind.

Mitgliederzahl nimmt um die Hälfte ab, 80 Interessierte noch dabei

Ein großes Problem ist der hohe Altersdurchschnitt der Schießsportler. „Unsere Mitglieder sind im Durchschnitt Ü60, viele sogar Ü70. Ich bin mit meinen 54 Jahren einer der Youngster“, sagt der Gilde-Vorsitzende. Wegen der Corona-Pandemie habe es zwar keine Austritte aus dem Verein gegeben, obwohl die Beiträge nicht gesenkt wurden.

„Wir haben Unterhaltskosten für unsere Anlagen. Wir brauchen das Geld. Wir haben allerdings die Pacht für die Gaststätte gesenkt, weil der Betreiber Daniel Schmidt sie nicht nutzen kann“, so Dreyer. Trotzdem verlassen immer wieder Mitglieder die Gilde aus Altersgründen. So sank die Mitgliederzahl seit dem Jahr 2000 von gut 160 um die Hälfte auf nunmehr rund 80.

Sommerbiathlon soll junge Mitglieder in den Verein locken

Ein neues Konzept, auf das Dreyer und seine Vorstandskollegen große Hoffnung setzen, ist ein Sommerbiathlon. Dabei wird mit einem Lichtpunktgewehr ohne Munition auf digitale Scheiben geschossen. Zwischen den Schüssen müssen die Teilnehmer laufen. „Das kommt bei Jugendlichen gut an. Das haben wir beim 125. Geburtstag gesehen, als wir so eine Anlage leihweise hier hatten“, sagt Schriftführerin Ines Timmermann.

Deshalb hat der Verein jetzt für 15.000 Euro eine Sommerbiathlonanlage gekauft, die vergangene Woche geliefert wurde. Sie soll für die Jugendarbeit und Veranstaltungen, eventuell sogar für Kindergeburtstage, genutzt werden.