Schwarzenbek

Reisefernweh: Was kann dagegen helfen?

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Monika Retzlaff
Anja Jost berät Silke und Burghardt Leppin, die extra aus Lübz in  das Reisebüro gekommen sind.

Anja Jost berät Silke und Burghardt Leppin, die extra aus Lübz in das Reisebüro gekommen sind.

Foto: BGZ

Die Sehnsucht nach Reisen wächst bei vielen Bürgern. Dennoch werden nur wenige Urlaube gebucht. Und wenn, dann meist in Deutschland.

Schwarzenbek. „Einfach mal spontan nach Dänemark in ein Ferienhaus, das ist derzeit mein Traum.“ Der Wunsch des 31-jährigen Familienvaters Christoph Leppin ist bescheiden, doch sein Urlaub ist dennoch in weite Ferne gerückt. Mit Baby und Hund eine Reise antreten, dabei an Tests, Quarantäne, Hygieneauflagen und einen Reiseplan denken, der schnell wieder gekippt werden könnte – für ihn unmöglich. Dennoch führt sein Weg in das TUI- Reisecenter von Anja Jost an der Seestern-Pauly-Straße in Schwarzenbek. Dorthin begleitet er seine Eltern Silke und Burghardt Leppin, die extra aus Lübz gekommen sind.

Ehepaar Leppin: „Eine Reise nach Kuba, das ist unser Traumziel“

In der „Reiselounge“ erinnert vieles an einen schönen Urlaub. Plakate mit Palmen an weißen Stränden, zahlreiche Prospekte mit Angeboten für Aufenthalte in den schönsten Hotels, Kreuzfahrtschiffen und Clubs erinnern an einen unbeschwerten Urlaub. „Eine Reise nach Kuba, das ist unser Traumziel“, sagt Silke Leppin.

Doch die Familie ist nicht gekommen, um eine Reise dorthin zu buchen. Anja Jost, Geschäftsführerin der „Reiselounge Jost“, stillt das Fernweh ihrer Kunden mit kleinen Köstlichkeiten aus anderen Ländern. „Wir bringen die Welt der Gewürze und Delikatessen zu ihnen nach Hause“, steht auf dem Hinweisschild. Dips, Teesorten, Gin, Nudeln, Pesto und vieles mehr stehen im Regal. Mit dem Genuss der Leckereien tun die Leppins etwas gegen ihr Fernweh.

Viele stillen ihre Reisesehnsucht in den soziale Medien

Gegen Reisesehnsucht hilft auch, sich einfach mal „wegtragen lassen“, meint Andrea Anders-Koch, Geschäftsführerin der „Lesezeit“ in Schwarzenbek. Das müssten nicht immer Bildbände oder Reisereportagen sein. „Der Klavierstimmer seiner Majestät“ von Daniel Mason ist ein Abenteuerroman, der in das faszinierende, exotische Birma ins 19. Jahrhundert führt“, sagt die Buchfachfrau.

Wer keine Muße zum Lesen hat, holt sich Trost in Facebook-Gruppen, deren Mitglieder aus aller Herren Länder Fotos aus ihrer Heimat öffentlich teilen. Andere schwelgen in Erinnerungen an frühere Reisen. „Vor fünf Jahren war ich das erste Mal auf Langeoog. Das war Liebe auf den ersten Blick.

Derzeit werden nur wenige Reisen gebucht

Die Nordsee ist mein Sehnsuchtsort, ob in Deutschland oder Dänemark“, schwärmt Nadine Stolz. Eine anderer Sehnsuchtsort der Familie sind die Berge. Im Mai möchte die Familie daher gern zum Wandern in das Berchtesgadener Land fahren. „Ich bete jeden Tag, dass das möglich wird“, sagt Nadine Stolz.

Nur wenige Reisen werden derzeit gebucht. Es gibt Interesse an Urlaubsreisen im Herbst, zu Weihnachten und schon für den nächsten Sommer. „Die Hotels und Kreuzfahrtschiffe haben sehr gute Hygienekonzepte“, weiß Anja Jost. Wer Interesse hat, benötigt meist eine intensive Beratung und muss flexibel sein, denn schnell kann sich etwas verändern. Diese Situation weckt bei der Tourismuskauffrau Erinnerungen an andere Krisen, zum Beispiel an den Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull in Island vor elf Jahren. Wegen der enormen Aschewolke wurde der Flugverkehr in Europa für vier Wochen lahmgelegt. Reisende konnte nicht losfliegen oder saßen in Flughäfen fest.

Der Trend geht weiterhin zum Urlaub in Deutschland

„Unsere Branche ist krisenerprobt“, resümiert Rudolf Neumann, der sein Reisebüro seit 1990 in Schwarzenbek betreibt. Der Zweite Golfkrieg 1990, die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001, Insolvenzen verschiedener Reiseveranstalter und Flugunternehmen setzten der Tourismusbranche jeweils monatelang zu. „Doch so lange wie jetzt hat noch nie eine Krise gedauert“, sagt er. Das Bedürfnis zu reisen, ist bei vielen vorhanden, aber die Unsicherheit ist groß.

„Viele sehnen sich nach einem Tapetenwechsel und einer Auszeit, aber wollen erst buchen, wenn sie geimpft sind oder die Pandemie vorbei ist“, fast Rudolf Neumann zusammen. Er hofft, dass kurzfristige Buchungen für den Urlaub im Sommer oder Herbst kommen. Der Trend gehe zum Urlaub in Deutschland. Gefragt sind Aufenthalte in Ferienhäusern, auf Hausbooten sowie Flusskreuzfahrten.