Platzmangel

Große Raumnot im Schwarzenbeker Rathaus

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Stefan Huhndorf
Bürgermeister Norbert Lütjens muss Lösungen für den Platzmangel im Rathaus finden.

Bürgermeister Norbert Lütjens muss Lösungen für den Platzmangel im Rathaus finden.

Foto: Elke Richel

Das Schwarzenbeker Rathaus ist 38 Jahre alt. Die Stadt ist seit dem Bau gewachsen, der Platz reicht für die Mitarbeiter nicht mehr aus.

Schwarzenbek.  Das Schwarzenbeker Rathaus am Ritter-Wulf-Platz wurde 1983 eröffnet. Damals hatte die Stadt deutlich weniger Einwohner und die Verwaltung auch weniger komplexe Aufgaben. Das Gebäude wurde für 70 Mitarbeiter gebaut, heute hat die Stadt 140 Beschäftigte, die allerdings nicht alle im Rathaus arbeiten. Trotzdem reicht der Platz hinten und vorne nicht, deshalb gibt es seit Jahren immer wieder neue Ideen, wie zusätzlicher Platz geschaffen werden kann.

Rathaus Schwarzenbek: 70 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice

Aktuell hat sich die Situation entspannt, weil 70 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. „Das funktioniert sehr gut. Wir haben rund 30 zusätzliche Laptops angeschafft, die aber noch nicht alle eingetroffen sind. Wir stellen in der Verwaltung von festen Arbeitsplatzrechnern auf Laptops und Dockingstations um, an die jeder seinen Rechner anschließen kann“, sagt Bürgermeister Norbert Lütjens. Mobiles Arbeiten sei eine von mehreren Optionen, um die Raumprobleme zu lösen. „Eine Dauerlösung ist das aber nicht. Es kommt vielleicht für ein knappes Dutzend Mitarbeiter in Frage, längerfristig zu Hause zu arbeiten“, so der neue Verwaltungschef.

Eine gewisse Entspannung hat es gebracht, vor einiger Zeit Räume von der Telekom an der Allensteiner Straße anzumieten. Dort sind 15 Rathausmitarbeiter aus den Bereichen IT und Liegenschaften untergebracht. Es ist allerdings politischer Wunsch, perspektivisch eine andere Lösung zu finden. „Wir sind aktuell dabei, zu ermitteln, wie groß der Raumbedarf ist. Eine langfristige Lösung würde der Umbau der ehemaligen Realschule bringen, in die neben der Bücherei auch Teile der Verwaltung einziehen könnten. Bis dahin wird es Übergangslösungen geben müssen“, vermutet der Bürgermeister.

Im Keller entstehen fünf neue Arbeitsplätze

In diesem Jahr wird zwar im Keller die ehemalige Gaststätte „Ratskeller“ umgebaut, damit dort fünf Arbeitsplätze entstehen können. Bislang werden im sogenannten Souterrain zwei große Räume und Nebenräume zeitweise als Büros genutzt. Dort bot in der Vergangenheit auch das Kümmerer-Netzwerk seine Sprechstunden an. Allerdings gibt es in diesem Bereich keine nutzbaren Sanitäranlagen. Die alte Abwasserhebeanlage ist nicht mehr funktionsfähig. Für eine dauerhafte Nutzung als Büro- oder Sitzungsräume ist diese aber erforderlich. Die Kosten liegen bei etwa 65.000 Euro.

Diverse Optionen für Erweiterung im Gespräch

Eine Option, die bereits mehrfach diskutiert und immer wieder verworfen wurde, ist die Nutzung des 500 Quadratmeter großen Dachbodens als Bürofläche. Probleme bereiten aber der Zugang und auch der zweite Rettungsweg. Der ist ohnehin für die oberen Stockwerke zu einem Problem geworden, wie eine Überprüfung durch Brandschützer ergab. Deshalb wird auch in diesem Jahr eine Fluchttreppe errichtet, die vor die Fassade auf den Ritter-Wulf-Platz im Bereich der „Klagemauer“ vor der Bücherei gestellt werden soll. Architekt Holger Junge stellte im Spätherbst 2020 einen Entwurf für eine Außentreppe vor. Die Treppe wird 260.000 Euro kosten.

Damit ist die Sicherheit von Mitarbeitern und Besuchern im Rathaus zwar gewährleistet, einen gravierenden Nachteil birgt das Projekt aber systembedingt in sich: Es verhindert eine Erweiterung des Rathauses in diesem Bereich. Und das ist erwiesenermaßen die einzige Option, an den bestehenden Baukörper des Verwaltungsgebäudes anzubauen. Ein Gedankenspiel war seitens Politik und Verwaltung vor einigen Jahren auch der Bau eines weiteren Gebäudetraktes auf dem Ritter-Wulf-Platz zwischen Spielhalle und dem bestehenden Rathaus. Das Hauptproblem – neben den Baukosten – war allerdings architektonischer Natur: Mit dem Bau des Rathause im Jahr 1983 ging auch die Gestaltung des Ritter-Wulf-Platzes einher. Dort steht ein Ensemble aus Metallmasten und Laternen, das zum architektonischen Entwurf für das Rathaus gehört. Folge: So einfach wegreißen lässt sich dieses „Kunstwerk“ also nicht.

Es wird also eine große Herausforderung für Politik und Verwaltung eine Lösung für die drängenden Raumprobleme zu finden.

Hohe Kosten für Instandhaltung des betagten Rathauses

In den vergangenen Jahren wurden Hunderttausende Euro in die Erneuerung von Dächern und der Fluchttreppe am Festsaal investiert. Von 2013 bis 2015 wurden das Dach erneuert und die Wärmedämmung optimiert. Im vergangenen Jahr war das Erdgeschoss dran. Die Stadtbücherei wurde komplett neu eingerichtet und umgebaut. Alleine für dieser Projekt, das im Februar 2020 abgeschlossen war, wurden 350.000 Euro fällig. Außerdem wurden sämtliche Toiletten im Haus erneuert.