Herzogtum Lauenburg

Neue Podcast-Reihe erzählt historische Stadtgeschichten

| Lesedauer: 5 Minuten
Historikerin Dr. Anke Mührenberg eröffnet am Montag die Podcast-Reihe der Kulturstiftung Herzogtum Lauenburg. Sie blickt auf den 14. Januar 1946 zurück – als der Neustart der Demokratie im Kreis im Hotelsaal begann.

Historikerin Dr. Anke Mührenberg eröffnet am Montag die Podcast-Reihe der Kulturstiftung Herzogtum Lauenburg. Sie blickt auf den 14. Januar 1946 zurück – als der Neustart der Demokratie im Kreis im Hotelsaal begann.

Foto: Stefan Huhndorf

Kulturstiftung startet am Montag ein Audioformat. Die erste Folge erzählt die Geburtsstunde der Kreispolitik in der Nachkriegszeit.

Schwarzenbek/Ratzeburg. Mit einem umfangreichen Programm wollte die Kulturstiftung Herzogtum Lauenburg eigentlich in das erste Halbjahr starten. Daraus wurde nichts. „Wir haben auf Risiko gespielt“, bekennt Stiftungssprecher Björn Martens. Die Pandemie hat den Kulturförderern einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Alle aktuell geplanten Veranstaltungen sind wegen des Lockdowns abgesagt. Trotzdem hat die Stiftung jetzt eine spannende Alternative geschaffen: Eine Reihe historischer Podcasts aus der Region, die an diesem Montag beginnt.

Insgesamt fünf Podcast-Folgen aus dem Lauenburgischen sind geplant

Folge eins beschäftigt sich mit einem spannenden Kapitel aus der Kreisgeschichte. Die frühere Schwarzenbeker Stadtarchivarin und neue Leiterin des Kreismuseums, Dr. Anke Mührenberg, wirft in der neuen Audioproduktion ein Schlaglicht auf den Aufbruch der Kreispolitiker in die Demokratie. Als sich die Politikerinnen und Politiker des Kreises am 14. Januar 1946 auf Einladung der britischen Militärregierung in Ratzeburg versammeln, ist Deutschland noch in vier Besatzungszonen aufgeteilt.

Weite Teile des Landes sind nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört, die Wirtschaft liegt danieder. So auch im Lauenburgischen. Wie kann, wie soll der Neuaufbau organisiert werden? Dieser Frage geht die promovierte Historikerin in ihrem Podcast-Beitrag nach.

Kreis Herzogtum Lauenburg war nach dem Krieg "links"

„Damals standen Themen wie Wiederaufbau und Versorgung der durch Flucht und Vertreibung stark angewachsenen Bevölkerung im Vordergrund“, sagt die Geschichtswissenschaftlerin. Die ersten Sitzungen fanden im ehemaligen Hotel Bismarck statt, heute Sitz einer Seniorenwohnanlage in Ratzeburger Zentrum. „Das Kreishaus war zu klein für Sitzungen“, so Anke Mührenberg.

Der Kreis war direkt nach dem Krieg übrigens „links“. Die SPD stellte mit 26 Politikern die stärkste Fraktion, die CDU hatte 21 Abgeordnete und die Kommunistische Partei sieben. Nachdem sich die Politiker konstituiert hatten, mahnte der britische Kreisgouverneur, Oberstleutnant Clarke, einem Wiedererstarken des Nationalsozialismus massiv entgegenzuwirken.

Alte Sitzungsprotokolle wurden digitalisiert

Auf die politische Nachkriegszeit wirft Anke Mührenberg in einem gut 15-minütigen Wortbeitrag ein Schlaglicht. Der Podcast ist ab Montag, 22. Februar, 12 Uhr, unterwww.kulturportal-herzogtum.de zu hören, bleibt dort auch in den folgenden Wochen jederzeit abrufbar.

Wer tiefer in dieses Thema einsteigen möchte, kann sich auch auf der Internetseite des Kreises unter www.kreis-rz.de informieren. Dort hat Anke Mührenberg kürzlich sämtliche digitalisierten Sitzungsprotokolle des Kreistages im Zeitraum von 1946 bis 1970 hochgeladen. Gerade die ganz alten Protokolle haben einen ganz besonderen Charme durch die vergilbten Papiere und die Schreibmaschinenschrift, in der die Protokollanten alles festhielten.

Die zweite Podcast-Folge erscheint am 2. März

Fortgesetzt wird die Podcast-Reihe am Dienstag, 2. März, mit einer Geschichte aus Geesthacht. Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg spricht über den Perleberger Vertrag – einem Friedensschluss zwischen Hamburg, Lübeck und dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg aus dem Jahr 1420.

Wie der irische Schriftsteller George Bernard Shaw zum Ehrenbürger der Stadt Mölln wurde, darüber hat der Historiker und Archivar Christian Lopau recherchiert. Die daraus resultierende Geschichte ist am Dienstag, 9. März, zu hören.

Planungen für „KulturSommer“am Kanal laufen – trotz Corona

Die Schwarzenbeker Hobbyhistorikerin Gisela Berger erzählt dann am Dienstag, 16. März, um 11 Uhr von der Stadtwerdung Schwarzenbeks im Jahr 1953 und den Besonderheiten der Kommune. Wie Helmut Knust ist auch sie im Heimatbund und Geschichtsverein aktiv.

Zum Abschluss widmet sich der Historiker Dr. Lukas Schaefer am Dienstag, 23. März, den „Kaufhäusern und Läden im Lauenburger Stadtbild“. Schaefer leitet unter anderem das Archiv der Stadt Lauenburg und ist zugleich Archivar der Stadt Schwarzenbek, der Gemeinde Wentorf und des Amtes Hohe Elbgeest. Er trat die Nachfolge von Anke Mührenberg an, die vor zwei Jahren ins Kreisarchiv wechselte.

"Mitarbeiter gehen sehr kreativ mit der Situation um"

Mit der Podcast-Reihe „Geschichte(n) aus den lauenburgischen Städten“ will die Kulturstiftung zumindest online ihr Angebot aufrechterhalten, wie Geschäftsführerin Andrea Funk betont. „Wir hoffen, dass sich die Lage im Sommer verbessert und wollen der Kulturszene im August erneut eine Open-Air-Bühne zur Verfügung ­stellen“, sagt sie.

Für Vizepräsident Wolfgang Engelmann sind es solche Projekte wie auch die diversen digitalen Veranstaltungsformate, mit denen sich die Stiftung in den vergangenen Monaten immer wieder als „Rettungsanker“ für Künstler und Kulturschaffende erwiesen habe. „Die Mitarbeiter gehen sehr kreativ mit der Situation um“, lobt Engelmann. „Diese Flexibilität werden wir auch in den kommenden Monaten benötigen“, betont er.

Wie 2020 setzt die Stiftung auch in diesem Jahr alles daran, dass der „KulturSommer“ am Kanal wieder stattfindet. Die Planungen laufen bereits. Ein Flyer mit den Veranstaltungen ist in Arbeit.

( sh )