Schwarzenbek

Norbert Lütjens: Rocker, Soldat – und jetzt Bürgermeister

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
„So aufgeräumt wird mein Schreibtisch nicht immer aussehen“, ist sich Norbert Lütjens sicher. Der 50-Jährige trat am Dienstag sein Bürgermeisteramt an. Die Krawatte blieb im Schrank.

„So aufgeräumt wird mein Schreibtisch nicht immer aussehen“, ist sich Norbert Lütjens sicher. Der 50-Jährige trat am Dienstag sein Bürgermeisteramt an. Die Krawatte blieb im Schrank.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Der neue Verwaltungschef will ein Bürgermeister zum Ansprechen sein. Wir besuchten ihn an seinem ersten Arbeitstag.

Schwarzenbek. Der beigefarbene Mercedes ist zweifellos des älteste Auto auf dem Parkplatz vor dem Schwarzenbeker Rathaus. „Ein W124, Baujahr 1991“, schwärmt Norbert Lütjens und streicht fast zärtlich über die Motorhaube. „Hier habe ich jede Schraube nachgezogen.“ Auch als Bürgermeister will er sich von dem Wagen nicht trennen. „Ich brauche keinen schnellen Dienstwagen“, sagt er. Die gemächliche Autofahrt zwischen seinem Wohnort Lüneburg und Schwarzenbek sei die Zeit, die er für sich allein habe. Und das will er als Bürgermeister beibehalten.

An seinem ersten Arbeitstag als Schwarzenbeker Verwaltungschef hat Norbert Lütjens Krawatte und Anzug im Schrank gelassen. „Natürlich gibt es Anlässe, bei denen das angebracht ist. Aber es sind Ausnahmen. Ich fühle mich in Jeans und Jackett am wohlsten“, sagt der 50-Jährige. Überhaupt: Hätte ihm vor 30 Jahren jemand erzählt, dass er mal auf dem Stuhl eines Bürgermeisters Platz nehmen wird, er hätte nur gelacht.

Norbert Lütjens: Erst Rocker "mit Flausen im Kopf", dann Soldat

„Ich war ein langhaariger Rocker mit Gitarre und Flausen im Kopf“, sagt er. Spät erst sei der Knoten geplatzt. Mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche hat er Elektroinstallateur gelernt, war später als Sanitäter zum Bund gegangen, hat dann sein Abi nachgeholt und eine Ausbildung im Sozialwesen absolviert. „Junge, wo ist der rote Faden?“, haben seine Eltern gefragt. Heute seien sie mächtig stolz.

Es war ausgerechnet ein Offizier der Bundeswehr, der den Freidenker in ihm geweckt hat. „Schau’ immer über den Tellerrand und hinterfrage festgefahrene Strukturen“, hatte der ihn ermutigt. „Wenn ich heute zurückdenke, gibt es in meinem Entwicklungsweg doch einen roten Faden“, sagt Lütjens. „Meine Stärke ist es, Menschen an einen Tisch zu bringen, egal, aus welchem sozialen Umfeld“, sagt er.

Den Draht zu den Bürgern nicht verlieren – auch per Facebook

Diese Begabung erleichterte ihm als Stadtjugendpfleger auch den Zugang zu Heranwachsenden, die nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Der neue Bürgermeister weiß, dass die Jugendlichen weiter quer über die Straße rufen werden: „Hey Norbert, was geht ab?“

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Überhaupt sei es ihm wichtig, den direkten Draht zu den Bürgern nicht zu verlieren. „Ich werde mein Facebook-Profil offen halten und auch andere Soziale Netzwerke bedienen“, hat er sich vorgenommen. Trotzdem ist er sich darüber im Klaren, dass dies ein Spagat ist. „Ich weiß, dass ich viele Erwartungen geweckt habe. Und nicht alle werde ich sofort erfüllen können“, räumt er ein. Aber dann komme es darauf an, offen zu erklären, warum manche Dinge im Moment nicht gehen.

Die Verwaltung als "moderner Dienstleister"

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpasst, sein Masterstudium im Bereich Verwaltung ist für ihn kein Widerspruch zu seinem Interesse für soziale Themen. Der Titel seiner Abschlussarbeit: „Die Entwicklung von der Erfüllungsbehörde zum modernen Dienstleister.“ Diesen Anspruch will er in der Schwarzenbeker Verwaltung zum Grundsatz machen.

„Ich habe ein tolles Team und ich bin ganz sicher, dass wir zusammen Bewährtes behalten, aber auch neue Wege gehen werden.“ Sein Grundsatz: „Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter und jedes Schreiben, das unser Haus verlässt, spiegelt die Qualität unserer Verwaltung wider.“

Bürgermeister nimmt sich vor: Die Arbeit bleibt im Rathaus

Norbert Lütjens ist sich bewusst, dass nicht alle Pläne im ersten Anlauf aufgehen werden. „Aufgeben ist aber nicht meine Sache. Manchmal muss man Plan B oder C in der Tasche haben“, so seine Erfahrung. Er ist sich sicher, dass gerade die nächsten Monate eine große Herausforderung werden. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind bereits absehbar. Seine Hoffnung: „Politik und Verwaltung werden in dieser Frage an einem Strang ziehen.“

Das Amt werde ihn fordern, mehr als ein Acht-Stunden-Job. „Meine Frau und ich sind ein Team. Schließlich wird künftig ein Großteil der Familienarbeit auf ihren Schultern liegen.“ Eine Sache hat er sich aber vorgenommen: Wenn der Arbeitstag vorbei ist, er in seinen alten Mercedes steigt – dann bleibt die Arbeit im Rathaus. Und wenn es nicht allzu spät wird, liest er seinen drei Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vor, wie bisher.