Herzogtum Lauenburg

In Gülzow fühlen sich Störche „pudelwohl“

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Marcus Jürgensen
Heinrich Thiede (79) vor seiner Wiese mit dem Storchennest. Auf der Tafel am Fußweg hat der 79-Jährige die Bruterfolge „seiner“ Störche aufgelistet. Erfolgreichstes Jahr war 2016: Da wuchsen gleich fünf Jungstörche im Nest auf.

Heinrich Thiede (79) vor seiner Wiese mit dem Storchennest. Auf der Tafel am Fußweg hat der 79-Jährige die Bruterfolge „seiner“ Störche aufgelistet. Erfolgreichstes Jahr war 2016: Da wuchsen gleich fünf Jungstörche im Nest auf.

Foto: Marcus Jürgensen

Seit 13 Jahren helfen Heinrich und Heike Thiede einem Storchenpaar ihre Jungen großzuziehen. Nun wurde das Nest erneuert.

Gülzow.  Ende August war es Zeit: Am 26. August machte sich das Storchenpaar, das seit Jahren auf einem Horst hinter dem Wohnhaus von Heike und Heinrich Thiede an der Dorfstraße in Gülzow brütet, auf den Weg nach Süden. Ihre beiden Jungstörche waren schon einige Wochen früher losgeflogen. Bis zu 200 Kilometer legen die Vögel pro Tag zurück und doch kann ihre Reise Wochen dauern, denn ihr Ziel ist Afrika. Die Westroute führt über Spanien und Gibraltar in den Süden, die Ostroute über die Türkei und den Bosporus. Doch mittlerweile entscheiden sich angesichts der milden Winter viele Störche auch dafür, gar nicht mehr bis nach Afrika zu fliegen und überwintern am Mittelmeer oder bleiben hier.

Thiedes Störche aber haben sich auf den Weg gemacht und das ist auch gut so. Denn sonst hätte der ehemalige Landwirt gemeinsam mit Finn Futschek, Adrian Rausch, Julius Krtschil und Jonas Reimers von der Gülzower Jugendfeuerwehr, Betreuer Christopher Fiß und Wehrführer Andreas Diersen, der mit seinem Radlader mithalf, das Nest nicht erneuern können.

Störche in Gülzow bekommen ein neues Nest

Im Jahr 2007 hatte Thiede zunächst ein Wagenrad auf den Stamm einer alten Eiche montiert und auf der Wiese gleich hinter seinem Haus aufgestellt. Familie Storch ließ nicht lange auf sich warten, doch mit dem Nachwuchs klappte es erstmals im Jahr 2010. Zwei Jungstörche wuchsen in rund acht Metern Höhe heran.

Zwei Jahre später waren es sogar drei, dann vier und 2016 sogar fünf Jungstörche, die auf dem Horst ausgebrütet wurden und überlebten. Nicht nur dank der Feuchtwiesen rund um den Gülzower Dorfteich, sondern auch weil die Thiedes mit Fischabfällen zufüttern. Das war 2014 besonders wichtig: Der Storchenvater war verschwunden, möglicherweise bei einem Unfall umgekommen. Allein hätte die Storchenmutter nicht genug Nahrung für ihren Nachwuchs heranschaffen können. „Je nach Alter vertilgt ein Jungstorch zwischen 750 und 1000 Gramm pro Tag“, so Thiede. Er half mit Fischköpfen, Bauchlappen und Schweineherzen aus.

Mit Hilfe der Jugendwehr einen neuen Mast aufgestellt

Auf die Störche, die bereits vor vier Jahren ein neues geflochtenes Nest statt des alten Wagenrades erhalten haben, wartet im kommenden Frühjahr eine weitere Neuerung. Thiede hat bei einem Korbmacher in Oldershausen nicht nur einen neuen Korb geordert, sondern auch mit Hilfe der Jugendwehr einen neuen Mast aufgestellt. „Das hat schon ein paar Gespräche gebraucht, bis es geklappt hat“, freut sich der Ex-Landwirt über die Spende der SH Netz AG.

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Die hat ihm zwei ausgemusterte Strommasten aus Stahlbeton zur Verfügung gestellt. „Die Masten waren insgesamt 14 Meter lang. Wir haben sie oben mit der Flex gekappt und eineinhalb Meter tief in einem Betonfundament im Boden versenkt. Jetzt schauen sie noch acht Meter aus dem Boden“, so Thiede.

Während vor vier Jahren das neue Nest per Radlader auf den Stamm gesetzt wurde, konnte es diesmal, versehen mit einer Metallhülse, bereits am Boden auf den Betonmast montiert werden. Der zweite Mast soll bei einem Verwandten am Gülzower Birkenweg aufgestellt werden. Damit stünden im Dorf dann insgesamt drei Horste zur Verfügung – auch an der Meiereistraße gibt es auf einer abgesägten Fichte ein Storchennest. Hier wurde in diesem Jahr ein Jungstorch aufgezogen.

Feuchtes Jahr 2016 war gut für die Störche

Auch in Wiershop, Juliusburg und Hamwarde wurden Störche flügge. Allerdings nicht so viele wie im regenreichen „Rekordjahr“ 2016. Für Thiede ist klar, dass die heißen vergangenen Sommer nicht nur den Wäldern, sondern auch den Störchen zugesetzt haben, die Feuchtwiesen für ihre Nahrungssuche brauchen. Deshalb will er auch im kommenden Jahr zufüttern. Er erwartet die Vögel im April zurück. „Im März werden wir das Nest noch mit Stroh, Heu und Hackschnitzeln auspolstern“, so Thiede. Wenn das Storchenpaar zurück ist, bauen auch die weiter an ihrem Nest. Folge: Es wächst jedes Jahr rund 20 Zentimeter in die Höhe.