Schwarzenbek

Schuhhaus Krützmann schließt – aber nicht komplett

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Marika Kuhlmann, Uwe Krützmann und Juniorchefin Sandra Schmidt-Kuhlmann (v.l.) begutachten eine „Chelsea-Stiefelette“, tragen aber selbst lieber Sandalette.

Marika Kuhlmann, Uwe Krützmann und Juniorchefin Sandra Schmidt-Kuhlmann (v.l.) begutachten eine „Chelsea-Stiefelette“, tragen aber selbst lieber Sandalette.

Foto: Marcus Jürgensen

Der Schwarzenbeker Familienbetrieb verlässt seinen alten Standort nach 138 Jahren. Neustart erfolgt mit weniger Ware im Nachbarhaus.

Schwarzenbek. Generationen von Schwarzenbekern haben ihre Schuhe bei der Familie Krützmann an der L auenburger Straße 13 gekauft. 1882 gründete der Schuhmachermeister Franz-Joachim Krützmann das seitdem familiengeführte Fachgeschäft. Im Sommer 2018 übernahm mit Sandra Schmidt-Kuhlmann die vierte Generation das Geschäft. Seit einigen Tagen ist eine Nachricht Stadtgespräch: „Räumungsverkauf – Wir schließen“ steht in großen Buchstaben rechts und links der Eingangstüren in den Schaufensterscheiben.

„Es stimmt. Wir machen an diesem Standort zu und wollen bis zum Frühjahr die komplette Ware mit 25 Prozent Rabatt verkaufen. Für mein Geschäft gibt es einen neuen Mieter aus dem Bereich Dienstleistung, der die Verkaufsfläche und die darüber liegende Wohnung übernehmen möchte“, sagte Seniorchef Uwe Krützmann. Das Haus ist seit Generationen im Familienbesitz.

Neustart des Schuhhauses Krützmann im Mai 2021

Allerdings ist ein Neustart im Mai 2021 in einem anderen – kleineren – Ladenlokal gleich nebenan geplant. Das Nachbarhaus Lauenburger Straße 13 gehört Krützmanns Ehefrau Marika Kuhlmann. Dort nutzt seit fünf Jahren der Makler Engel & Völkers die Ladenfläche im Erdgeschoss mit 180 Quadratmetern. Der Mietvertrag läuft zum 30. April 2021 aus und soll nicht verlängert werden. Das neue Schuhhaus Krützmann würde dann direkt neben dem Wettbewerber „Armbruster“ eröffnen, der sein Geschäft an der Lauenburger Straße 11 hat.

Aktuell hat Krützmann, der seine Stieftochter Sandra Schmidt-Kuhlmann im Sommer 2018 in die Geschäftsführung aufgenommen hat, 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, nach dem Umzug werden es 180 Quadratmeter sein. Kinderschuhe wird es dann nicht mehr geben.

Krützmann hat seit zwei Jahren auch einen Online-Handel

Gewandelt hat sich in den vergangenen Jahren bereits einiges. Krützmann hat vor zwei Jahren einen Teil des Geschäfts abgeteilt, um Lagerräume – auch für seinen Online-Handel zu schaffen. Seitdem ist weniger Ware im Laden, dafür gibt es mehr Beratung. Dieses Konzept soll nach der Neueröffnung weiter ausgebaut werden. Die beiden angestellten Verkäuferinnen gehen mit.

Uwe Krützmann hat das Geschäft vor 37 Jahren von seinem Vater Franz übernommen. Dieser hat sich sofort aus dem Geschäft zurückgezogen. „Ich hätte mir damals mehr Rat in der Übergangszeit gewünscht. Deshalb stehen wir meiner Stieftochter länger zur Seite“, sagt Krützmann, der mittlerweile 62 Jahre alt ist und noch einige Jahre im Geschäft – auch nach dem Neustart mit komplett neuem Sortiment mitarbeiten möchte.

Sogar Uwe Seeler war schon im Schuhgeschäft Krützmann

Aus der Innenstadt ist das Krützmann genau so wenig wie andere alteingesessene Geschäfte mehr wegzudenken. Das Schuhhaus ist wie der Herrenausstatter Thiedemann oder Petty Moden fest mit der Entwicklung der Lauenburger Straße als „Einkaufsmeile“ verbunden. Dafür bekam das Schuhgeschäft im Jahr 2005 den Wirtschaftspreis der WVS, deren Vorsitzender Krützmann auch mehrere Jahre war.

Im Keller des Schuhhauses erinnern noch drei alte Leisten an den Firmengründer, den Schuhmachermeister Franz-Joachim Krützmann. Daneben hängt ein Foto von HSV-Legende Uwe Seeler. Er kam in den 1970er-Jahren nach Schwarzenbek, um für Adidas zu werben. „Wir hatten uns damals aber schon für Puma entschieden“, erzählt Uwe Krützmann.