Zweite Diskussionsrunde

Schwarzenbek: Bürgermeister-Kandidaten mit mehr Schwung

Norbert Lütjens (50, parteilos), Moderator Marc Ziertmann (Geschäftsführer des Städtebundes Schleswig-Holstein) und Matthias Schirmacher (56, Grüne, v.l.) bei der zweiten Vorstellungsrunde in Schröders Hotel.

Norbert Lütjens (50, parteilos), Moderator Marc Ziertmann (Geschäftsführer des Städtebundes Schleswig-Holstein) und Matthias Schirmacher (56, Grüne, v.l.) bei der zweiten Vorstellungsrunde in Schröders Hotel.

Foto: Marcus Jürgensen

Die Bürgermeister-Kandidaten haben sich Kritik an langweiliger erster Vorstellungsrunde zu Herzen genommen. Sie wirkten agiler.

Schwarzenbek. Waren des bei der ersten Vorstellungsrunde der Bürgermeister-Kandidaten Matthias Schirmacher (56, Grüne) und Norbert Lütjens (parteilos, 50) noch 50 Zuschauer im Saal von Schröders Hotel, waren es am Montagabend nur knapp 30. Und auch online verfolgten in der Spitze nur 126 Zuschauer die per Livestream übertragenen Diskussion. Weil Zuschauer aber möglicherweise nicht die kompletten drei Stunden zusahen, sondern viele ein- und wieder ausschalteten, könnten es im Internet insgesamt deutlich mehr gewesen sein.

Schwarzenbek: Bürgermeisterkandidaten mit neuem Schwung

Die Kritik am ersten „Duell“ hatten sich beide offenbar zu Herzen benommen. Sie wirkten agiler, setzten kleine Spitzen gegen den Mitbewerber und wurden bei ihren Zielen ein Stück weit konkreter. Schirmacher kritisierte in der Vorstellungsrunde Stadtverwaltung und Kommunalpolitik, die die Digitalisierung in Rathaus und Schulen verspiele und setzte eine erste Spitze gegen Lütjens, der neben seinem Job als Stadtjugendpfleger noch ein Verwaltungsstudium absolviert hat und jetzt als stellvertretender Fachbereichsleiter im Rathaus tätig ist: „Ich bin kein Verwaltungsfachmann, sehe das aber als Vorteil, um Strukturen innerhalb der Verwaltung aufbrechen zu können.“

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Lütjens wiederum verzichtete spontan auf seine vorbereitete Vorstellungsrede, sprach frei über seine Motive für die Kandidatur: „Ich bin jetzt zwölf Jahre hier, fühle mich hier Zuhause.“ Neben seiner Arbeit als Stadtjugendpfleger habe er Fachtagungen und den Messeauftritt der Stadt organisiert, maßgeblich beim Stadtvergnügen geholfen: „Das alles macht man, wenn man Lust auf diese Stadt hat.“

Schirmacher möchte das Grundstück behalten

Während sich die Bewerber beim Thema Kita-Plätze – Schirmacher: „Wir haben uns in den letzten Jahren stark verbessert“ – noch einig waren, gab es beim Thema Finanzen Unterschiede:. „Unser Problem ist, dass wir auch in fünf Jahren Konsolidierung nichts gerissen haben“, so Schirmacher. Jetzt könne man nur auf Fördermittel von Bund und Land warten, bis die Krise vorüber sei. Auch Lütjens geht davon aus, dass die Coronakrise vorüber gehen wird, will aber jetzt bereits für die Zeit danach investieren: „Wir müssen heute die Pflöcke einschlagen.“

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Unterschiede auch zum Thema alte Realschule: Schirmacher möchte, wie von den Grünen vor fünf Jahren vorgeschlagen, zwar das Grundstück behalten. Er macht sich jedoch dafür stark, das Gebäude abzureißen und damit Platz zu schaffen für Wohnungen und öffentlich nutzbare Räume.

„Sahnestück“ oder reif für den Abbruchhammer

Für Lütjens ist es hingegen ein „Sahnestück, mit unglaublichem Potenzial“. Nach Gesprächen mit zwei Architekten sei er sicher, dass eine Sanierung, für die es auch Fördergeld gebe, Sinn mache. Dort könnten Räume für Stadtbücherei, VHS und andere Vereine geschaffen werden. Auf die Schlussfrage von Moderator Marc Ziertmann: „Ich will Bürgermeister werden weil ...“ antwortete Lütjens: „Ich an diese Stadt glaube und ihr Potenzial heben möchte.“ Antwort Schirmacher: „Weil ich etwas verändern und meine Sicht von Außen in die Verwaltung hinein tragen will.“