Amtsrichterhaus

Läuft Kulturbetrieb in Schwarzenbek provisorisch weiter?

Amtsrichterhaus am Körnerplatz 10.

Amtsrichterhaus am Körnerplatz 10.

Foto: Marcus Jürgensen

Die Politik hofft auf eine Verlängerung der Kulturarbeit, um Zeit für mögliche neue Konzepte zu gewinnen.

Schwarzenbek. Nun ist es Fakt: Die Louisenhof gGmbH zieht sich aus der Kulturarbeit im Amtsrichterhaus zurück. Das ist das Ergebnis mehrerer Gespräche, die Politik und Verwaltung mit der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen geführt haben. Das Aus dieser seit 2014 bestehenden Zusammenarbeit hat sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet. Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig hatte jedoch die Hoffnung, dass es noch eine Lösung geben könnte.

Finanzielle Rahmenbedingungen haben sich geändert

„Die Finanzierung des Projektes hat sich aufgrund einer auslaufenden Förderung sowie gesetzlicher Veränderungen in der Finanzierungsstruktur der Arbeit mit behinderten Menschen wesentlich verändert“, schreibt die zuständige Fachbereichsleiterin Kathrin Kipke in der Vorlage für die nächste Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses. Vor diesem Hintergrund hätten die Vertragspartner Gespräche zur Evaluation der Kooperationsvereinbarung aufgenommen. Die im März verfügten und bis heute andauernden coronabedingten Einschränkungen hatten die wirtschaftliche Situation zusätzlich verschärft.

„Vor diesem Hintergrund wird sich die Louisenhof gGmbH zum 31. Dezember 2020 gänzlich aus der Arbeit im Amtsrichterhaus zurückziehen. Die Stadt Schwarzenbek bedauert dies sehr und möchte sich an dieser Stelle für die stets gute Zusammenarbeit bedanken“, so Kipke. Der Ausschussvorsitzende Rüdiger Jekubik (SPD) bekräftigte im Vorwege der Sitzung am kommenden Dienstag, 1. September
(19 Uhr, Festsaal im Rathaus, Ritter-Wulf-Platz 1) noch einmal, was auch die Verwaltungschefin bereits vor einiger Zeit gesagt hatte. „Das Amtsrichterhaus ist ein Haus der Kultur und soll es auch bleiben. Wir suchen nach einer Lösung“, so der Sozialdemokrat.

Das dürfte allerdings schwierig sein. Denn bereits bevor die Louisenhof gGmbH das Haus vor sechs Jahren übernahm, gab es eine längere Zwangspause: Stadt und der mittlerweile aufgelöste Freundeskreis Amtsrichterhaus hatten sich über die Besetzung der Leitungsstelle gestritten. Auch jetzt gehen die Politiker nicht von einer schnellen Lösung aus.

Politik will Übergangslösung bis April 2021

Deshalb beraten die Mitglieder des Ausschusses am Montag über eine Übergangslösung bis zumApril 2021. Die Idee: Die Louisenhof gGmbH könnte den Kulturbetrieb im Auftrag der Stadt bis zum kommenden Frühjahr mit einem abgespeckten Programm fortsetzen. Dazu sollten mindestens zwei Einzelveranstaltungen wie Konzerte oder Vorträge im Monat zählen. Außerdem monatlich vier bis fünf wiederkehrende Veranstaltungen wie das Frauenfrühstück. Ein Café-Betrieb und Ausstellungen mit längerer Laufzeit sowie regelmäßige Öffnungszeiten sind indes nicht vorgesehen.

Darüber hinaus soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge für eine Fortsetzung der Kulturarbeit im Amtsrichterhaus erarbeiten. Ob das auf dem hohen Niveau wie bisher möglich sein wird, muss sich zeigen. Denn die Louisenhof gGmbH hat durchschnittlich 110 Veranstaltungen im Jahr angeboten und damit etwa 10.000 Besucher ins Amtsrichterhaus gelockt.

Wohnung für Kunststudenten oder Bürgerhaus?

Erste Ideen gebe es bereits, so Rüdiger Jekubik. So habe Roman Larisch (CDU) angeregt, die Wohnung im Haus an einen Kunststudenten zu vermieten, der im Gegenzug
Veranstaltungen organisieren könnte. Solche Überlegungen gab es bereits in der Vergangenheit, sie waren aber als nicht praktikabel verworfen worden. Auch eine Nutzung von Stadt und Amt Schwarzenbek-Land als gemeinsames Standesamt oder als Homeworking-Space mit schnellen Internetanschlüssen könnte jetzt erneut diskutiert werden.

Eine weitere Alternative hatte Bürgervorsteher Matthias Schir­macher ins Spiel gebracht. Im Wahlkampf ums Bürgermeisteramt macht er sich für die Einrichtung eines Bürgerhauses stark, das „kurzfristig“ eingerichtet werden könnte – möglicherweise im Amtsrichterhaus.