Bürgermeisterwahl

Schwarzenbeker Schlagabtausch mit Samthandschuhen

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Marcus Jürgensen
Moderator Marc Ziermann (M.), Geschäftsführer des Städteverbandes Schleswig-Holstein, mit den beiden Bewerbern um das Bürgermeisteramt Matthias Schirmacher (Grüne, l.) und Norbert Lütjens (parteilos, r.) im Saal von Schröders Hotel.

Moderator Marc Ziermann (M.), Geschäftsführer des Städteverbandes Schleswig-Holstein, mit den beiden Bewerbern um das Bürgermeisteramt Matthias Schirmacher (Grüne, l.) und Norbert Lütjens (parteilos, r.) im Saal von Schröders Hotel.

Foto: Marcus Jürgensen

Keine Angriffe auf den Mitbewerber, aber auch wenig Konkretes brachte die erste Diskussionsrunde der Bürgermeisterkandidaten.

Schwarzenbek. Nein, es sei kein „Duell“ versicherten beide Kandidaten, eher eine Informationsveranstaltung. Und so lieferten sich die Bürgermeisterkandidaten Matthias Schirmacher (56), aktuell Bürgervorsteher, und Norbert Lütjens (50), Jugendpfleger und stellvertretender Fachbereitsleiter im Rathaus, am Mittwochabend in Schröders Hotel dann auch einen zahmen Austausch von Positionen und Vorstellungen für die Europastadt. Brenzlig wurde es für Kandidaten und Zuschauer nur ein Mal – als wegen der zahlreichen Scheinwerfer ein Kabel zu schmoren begann. Schnell wurde der Stecker gezogen und die Veranstaltung ging in gedämpfterem Licht weiter.

Live und Online: Diskussion wollen nur wenige Bürger sehen

Um möglichst vielen Bürgern die Gelegenheit zu geben, die Kandidaten kennenzulernen, hat die Stadtverwaltung zwei Diskussionsrunden mit Platz für jeweils 70 Gäste organisiert, die zudem als Livestream im Internet übertragen werden. Die zweite Veranstaltung folgt am Montag, 31. August, um 18 Uhr wieder in Schröders Hotel. Wer beide Kandidaten erleben will, muss entweder live vor Ort sein oder den Livestream schauen, denn eine Aufzeichnung gibt es nicht: In Abstimmung mit den beiden Kandidaten, die offenbar befürchten, dass ein möglicher Fauxpas oder Versprecher auf ewig im Internet zu sehen ist, wird der Stream nach dem Ende der Veranstaltung gelöscht.

Das Interesse war jedoch nicht groß: Im Saal verfolgten knapp 50 Gäste die Vorstellungsrunde, den Livestream sahen über die gesamten etwa 100 Minuten mehr als 120 Bürger – in der Spitze waren es 129 Zuschauer. Bei 12.700 Wahlberechtigten ab 16 Jahre ist dies gerade einmal 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei der letzten Bürgermeisterwahl mit vier Kandidaten kamen jeweils etwa 200 Besucher zu den insgesamt vier Diskussionsrunden.

Am Mittwochabend verpatzte Norbert Lütjens seinen Start: Per Handy sollte seine Präsentation auf die Bildschirme im Saal und ins Internet übertragen werden, doch die Technik streikte und Lütjens musste improvisieren. Matthias Schirmacher vertraute auf seine gedruckten Aufzeichnungen und wirkte zunächst souveräner. Das Problem: Beide Kandidaten vermieden es, auch wenn sie direkt von Moderator Marc Ziertmann oder den Bürgern angesprochen wurden, Ziele zu benennen oder den Mitbewerber allzu direkt anzugehen. Ihre unterschiedlichen Ansätze wurden deshalb nur sporadisch sichtbar: So sieht Versicherungskaufmann Schirmacher, der seit 30 Jahren Stadtverordneter ist, sich als künftiger Chef der Stadtverwaltung in der Rolle eines Motivators: „Wir haben ganz tolle Mitarbeiter.“

„Motivator“ oder Verwaltungsfachmann als Bürgermeister

Dem widerspricht Verwaltungswissenschaftler Lütjens nicht, doch für ihn muss der Chef mehr leisten: Man müsse als Bürgermeister vielleicht nicht wissen, wie ein Personalausweis ausgestellt wird, nimmt er eine Aussage Schirmachers auf: „Man muss aber die Prozesse dahinter verstehen.“ Ziel sei eine bürgerfreundliche Verwaltung ohne Wartezeiten. Die will Schirmacher auch – und zudem mehr Unterstützung für das Ehrenamt: So sollen Vereine künftig für Versammlungen und Treffen kurzfristig städtische Räume erhalten – in Schulen und Kitas. Dass die Stadt keine städtischen Kitas besitzt und dass dafür Nutzungsverträge notwendig sind, lässt Schirmacher ebenso unerwähnt wie Finanzierung, Zweck und Nutzung eines künftigen Bürgerhauses, das er als Bürgermeister realisieren möchte.

Wie sie denn ihre Vorstellungen gegenüber einer Stadtverordnetenversammlung, die letztlich entscheide, durchsetzen wollen, will Rainer Mucha von beiden wissen. Lütjens verweist darauf, dass obwohl er parteilos ist, seine Kandidatur von Politikern angeregt wurde: „Die Fraktionen haben gemerkt, dass sich etwas ändern muss. Schwieriger ist die finanzielle Situation.“ Schirmacher setzt hingegen auf mehr Druck durch die Bürger und dass er als Bürgermeister Themen anschieben könne.

Die „Herzensprojekte“ der beiden Kandidaten

Was denn ihr Herzensthema sei, will zum Schluss Florian Piper von beiden wissen? Für Schirmacher ist es die Umsetzung des Bürgerhauses. Lütjens tut sich schwerer mit einer Antwort: Alles sei wichtig, wofür er aber wirklich brenne, sei die Schulentwicklung.

Am Montag, 31. August, stehen ab 18 Uhr die Themen Finanzen und Soziales auf dem Programm. Einlass ist eine halbe Stunde vor Beginn. Ein Formular zur Datenerfassung, dass jeder Besucher ausfüllen muss, kann auf www.schwarzenbek.de heruntergeladen werden.