Schwarzenbek

Seit sieben Jahren Kampf gegen Bahnlärm

Ein Regionalexpress beim Beschleunigen nach dem Halt im Schwarzenbeker Bahnhof: Der 153 Meter lange Zug ist auf der Strecke bis zu 133 Kilometer schnell und bis zu 96 dB(A) laut. Im Schnitt erreicht der Zug Lärmwerte von 85 bis 86 dB (A) und ist damit etwa genauso laut wie ein Güterzug, aber lauter als ein deutlicher schnellerer ICE.

Ein Regionalexpress beim Beschleunigen nach dem Halt im Schwarzenbeker Bahnhof: Der 153 Meter lange Zug ist auf der Strecke bis zu 133 Kilometer schnell und bis zu 96 dB(A) laut. Im Schnitt erreicht der Zug Lärmwerte von 85 bis 86 dB (A) und ist damit etwa genauso laut wie ein Güterzug, aber lauter als ein deutlicher schnellerer ICE.

Foto: Marcus Jürgensen

Gerda und Horst Matzat hatten eine Bürgerinitiative gegründet. Jetzt gibt es zumindest Zuschüsse für passiven Lärmschutz.

Schwarzenbek. Sie waren beide schon weit über 70 Jahre alt, als Gerda und Horst Matzat zu Aktivisten wurden: Mit Nachbarn gründeten sie die Bürgerinitiative gegen Bahnlärm in Schwarzenbek. Das ist sieben Jahre her und jetzt liegt das Ergebnis vor ihnen: Ein von der Bahn AG beauftragtes Ingenieurbüro bietet dem Rentnerpaar die Aufnahme ins „Sonderprogramm zur Minderung der Verkehrslärmbelastung an besonders lärmbelasteten Schienenwegen“ an.

Das gibt es immerhin schon seit 1997 und die Matzats würden bis zu 75 Prozent der „nachgewiesenen, förderungsfähigen Kosten“ einer Lärmschutzmaßnahme vom Bund erhalten. „Das ist nur ein Teilerfolg. Wir haben immer für einen Lärmschutzwall gekämpft, nun erhalten wir immerhin einen passiven Lärmschutz“, sagt die 83-Jährige.

„Damals waren das ja nur Tucker-Züge“

1974 hatte das Ehepaar das Haus bezogen und erst da bemerkt, dass nebenan eine Bahnstrecke

vorbeiführt, auf der jedoch nur wenige Züge unterwegs waren. „Damals waren das ja Tucker-Züge“, erinnert sich auch Waltraut Mertz, die an der Grabauer Straße direkt an den Bahnstrecke wohnt. Doch nach der Grenzöffnung des Jahres 1989 kamen nicht nur mehr Personenzüge, sondern auch die berüchtigte „Taigatrommel“ – eine extrem laute dieselelektrische Lok sowjetischer Bauart. Es folgte der Ausbau der Strecke für ICs und nach dem Scheitern der Transrapid-Pläne in den 1990er-Jahren, die Magnetschwebebahn sollte Hamburg und Berlin verbinden, der Ausbau zur ICE-Strecke. Der Lärmschutz blieb dabei weitgehend auf der Strecke: Nur an wenige Stellen im Stadtgebiet wurden damals Lärmschutzwände errichtet.

Als vor zehn Jahren überall im Land Lärmaktionspläne aufgestellt wurden, eskalierte der Protest auch in der Europastadt: Im Jahr 2013 saßen auf dem Sofa der Matzats die vier Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis – Norbert Brackmann (CDU), Nina Scheer (SPD), Konstantin von Notz (Grüne) und Christel Happach-Kasan (FDP) – und stellten die Aufnahme der Stadt ins Lärmsanierungsprogramm in Aussicht. Die vier Top-Politiker eingeladen hatte der damalige Bürgervorsteher Konrad Freiberg (SPD), der aus seiner Zeit als GdP-Bundesvorsitzender gute Kontaktet hatte. „Der hat sich für uns eingesetzt, auch unsere erste Plakataktion finanziert“, sagt Gerda Matzat.

Lob gibt es auch für Brackmann, der die BI-Teilnehmer regelmäßig nach Berlin eingeladen hatte und auch durchsetzen konnte, dass eine von bundesweit 19 Lärmmessstationen des Eisenbahn-Bundesamtes im vergangenen Jahr in Schwarzenbek eingerichtet wurde. Bisher wurde der Lärm, den Züge verursachen, immer nur theoretisch errechnet.

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Lärmmessstation prüft, ob Züge leiser werden

Mit den Lärmmessstationen (www.laerm-monitoring.de) soll der tatsächliche Lärm festgestellt und überprüft werden, ob er sich durch den Einsatz neuer Bremsen an Güterwagen reduziert. Das wird vor allem im kommenden Jahr spannend, denn dann sind Güterwagen mit den alten Grauguss-Bremsbacken, die den Radreifen aufrauen und so für ein „Rumpelgeräusch“ sorgen, deutschlandweit verboten.

Vom passiven Lärmschutz profitieren nicht nur die Matzats, die sich überall im Stadtgebiet Lärmschutzwände gewünscht hätten. Wo es die nicht gibt, können Hausbesitzer nun Zuschüsse zum passiven Lärmschutz erhalten, lärmgedämmte Fenster und Türen einbauen lassen. „Da muss ja erst mal wieder ein Gutachter vorbeikommen. Das dauert bestimmt auch noch mal ein paar Jahre“, hat Gerda Matzat mittlerweile gelernt.