Bahnhof Schwarzenbek

Mit dem Geländewagen ins Schottergleisbett

Der 61-jährige Fahrer des Ford Kuga hatte einen Zaun durchbrochen und war auf den Gleisen gelandet.

Der 61-jährige Fahrer des Ford Kuga hatte einen Zaun durchbrochen und war auf den Gleisen gelandet.

Foto: Christoph Leimig, / Christoph Leimig

Für zwei Stunden ruhte der Zugverkehr zwischen Büchen und Bergedorf. Fahrer droht eine erhebliche Rechnung in sechsstelliger Höhe.

Schwarzenbek. Mit Tempo 160 rauschen die Intercity-Express (ICE) der Deutschen Bahn normalerweise durch den Schwarzenbeker Bahnhof. Ihr Bremsweg liegt bei dieser Geschwindigkeit bei rund 1000 Meter. Doch zum Glück fahren die Schnellzüge auf den beiden mittleren Gleisen – und so weit kam der 61-Jährige aus dem Schwarzenbeker Umland, der am Montagabend mit seinem Ford Kuga am Park&Ride-Platz auf die Gleise geriet (wir berichteten), zum Glück nicht. Dem Fahrer droht dennoch eine erhebliche Rechnung in weit sechsstelliger Höhe.

Notfall-Leitstelle stellte Signale auf Stopp

Gegen 16.55 Uhr hatten Zeugen des Vorfalls den Notruf 110 gewählt: Der 61-Jährige wollte mit seinem SUV mit Automatikgetriebe offenbar über die Ladestraße an der Kreuzung Ernst-Schefe-Allee/Kerntangente auf den Pendlerparkplatz fahren. Statt nach links in Richtung Stellplätze abzubiegen, beschleunigte der Geländewagen: Er schoss über den Fußweg, durchbrach den Mattendrahtzaun und blieb erst im Gleisbett stecken.

Gegen 17.08 Uhr erreichte der Notruf die für Züge und Bahnanlagen zuständige Kieler Inspektion der Bundespolizei. „Wir haben dann sofort über die Notfall-Leitstelle der Bahn in Hannover eine Sperrung der Strecke veranlasst“, so Michael Hiebert, Pressesprecher der Bundespolizei. Auf der Strecke standen dann alle Signale auf Rot, zudem wurden die Zugführer über ein akustisches Signal in ihren Führerständen informiert. „Hätte ein Lokführer das Signal überhört, wäre der Zug automatisch beim Überfahren des ersten Hauptsignals abgebremst worden“, so Hiebert.

Lesen Sie auch:

Schwarzenbek: Verwirrter Mann (90) stirbt am Bahnhof

Auto blieb im Gleisbett des Regionalexpress stecken

Der Kuga blieb aber im Schotterbett des Regionalexpressgleises stecken. Hier halten die Züge, die aus Büchen kommend Richtung Hamburg fahren. Zu diesem Zeitpunkt war kein Regionalexpress am Bahnhof, doch selbst wenn, wäre die Kollision zwischen Auto und Lok wohl glimpflich ausgegangen, da der Zug nach seinem Halt zunächst wieder beschleunigen muss. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht.

Als Ersatz für die Regionalexpress wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Bergedorf und Büchen organisiert: 18.20 Uhr starteten erste Busse in Bergedorf. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Strecke für den Zugverkehr bereits mit Einschränkungen wieder freigegeben. Zwei ICE, einer hatte bei Aumühle, der andere direkt im Schwarzenbeker Bahnhof gestoppt, konnten die Unfallstelle dann in langsamer Fahrt passieren. Für Regionalzüge blieb der Bahnhof zunächst bis 19.15 Uhr gesperrt.

Ein Notfallmanager der Bahn, der zum Unfallort geeilt war, ließ den Strom abschalten, damit die Oberleitung geerdet werden konnte. Das war notwendig, weil der Kranausleger des Abschleppfahrzeugs beim Anheben des Kuga zu dicht an die Stromleitung kam und es ansonsten zu einem Lichtbogen hätte kommen können. Zunächst war offen, ob das Auto auch die Gleise beschädigt hat. Letztlich hatte der Wagen jedoch nur die Abdeckung einer Weichenheizung beschädigt.

Ausflug auf die Gleise kann sehr teuer werden

Beamte des Schwarzenbeker Polizeireviers hatten da den Fahrer bereits auf die Wache gebracht. Ein Atemalkoholtest hatte 0,57 Promille ergeben. Dem Mann wurde eine Blutprobe entnommen, sein Führerschein beschlagnahmt. Der „Ausflug“ auf die Gleise kann für den 61-Jährigen sehr teuer werden: Während die Polizei den Schaden an Zaun, Abdeckung der Weichenheizung und Auto auf etwa 10.000 Euro beziffert, könnte die Rechnung der Bahn auf Grund der Zugausfälle sehr viel höher ausfallen.

Insgesamt sind durch die Bergung des Ford Kuga von den Gleisen bei 19 Zügen Verspätungen von insgesamt 519 Minuten angefallen. Hinzu kommen die Kosten für den Schienenersatzverkehr mit Bussen sowie den Einsatz des Abschleppfahrzeugs. Die genaue Summe steht noch nicht fest: Sie dürfte aber im Bereich von mindestens einer halben Million Euro liegen.