Schwarzenbek

Familienzentrum startet wieder vor Ort und online durch

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Isabella Sauer und Marcus Jürgensen
Die Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte, Kerstin Dlugi, stellt die Arbeit unter Corona-Bedingungen vor und wie das Programm für das zweite Halbjahr aussieht.

Die Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte, Kerstin Dlugi, stellt die Arbeit unter Corona-Bedingungen vor und wie das Programm für das zweite Halbjahr aussieht.

Foto: Isabella Sauer

Die Jubiläumsfeiern in Schwarzenbek und Lauenburg werden verschoben. Das Halbjahresprogramm Winter/Herbst steht.

Schwarzenbek. Eigentlich sollte 2020 für die evangelischen Familienbildungsstätten (FBS) in Schwarzenbek und Lauenburg ein besonderes Jahr werden. Ein Jubiläumsjahr. Doch die Coronapandemie macht eine Feier zum 50. Geburtstag unmöglich. Hinzu kommt, dass der Bildungsstätte seit mehreren Wochen wichtige Einnahmen fehlen. Und trotzdem: Die Motivation weiterhin für die Bürger da zu sein, ist groß.

Da das Familienzentrum St. Elisabeth (Verbrüderungsring 41) noch geschlossen ist, findet das Gespräch mit FBS-Leiterin Kerstin Dlugi davor auf einer Bank statt. Mitgebracht hat sie eine Stellwand, auf der das Cover des neuen Halbjahresprogrammes zu sehen ist. „Wir waren in den letzten Wochen nicht untätig“, sagt sie und lacht. „Wir kommen später darauf zurück.“ Dann kehrt eine ernstere Miene in ihr Gesicht. Dlugi erzählt, dass die Familienbildungsstätte zu 65 Prozent durch Kursentgelte finanziert wird. „Und genau dieses Geld fehlt uns jetzt“, sagt sie.

Familienbildungsstätte beantragt Hilfe aus dem Rettungsschirm

Neben den Entgelten wird die Arbeit durch Zuschüsse von Land, Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Kreis finanziert. Davon werden die drei Mitarbeiterinnen, alle arbeiten in Teilzeit, und Kursleiter bezahlt sowie Kosten für Geräte, Flyer, Internet und Miete beglichen. „Für das zweite Halbjahr haben wir uns um Gelder aus einem Rettungsschirm des Landes bemüht und einen Antrag gestellt“, sagt Dlugi, die hofft, dass es bald wieder so etwas wie Normalität geben wird.

Mit den ersten Lockerungen im Mai hat die FBS Online-Kurse in Form einer Sprechstunde eingeführt, jetzt folgt der nächste Schritt: Ab nächster Woche werden die Delfi-Kurse für Kinder im ersten Lebensjahr wieder aufgenommen. Der Kursusraum am Verbrüderungsring ist 50 Quadratmeter groß und bot bisher Platz für acht Mütter/Väter und Babys sowie die Kursleiterin. Unter den derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen können nur noch vier Mütter mit ihren Babys teilnehmen. Dlugi: „Wir haben unsere Kursusangebote geteilt, bieten sie bis zu den Sommerferien als ,Probierangebot’ an.“

Zum „Probieren“ gehört auch, dass das gemeinsame Singen nicht mehr erlaubt ist. Stattdessen wird jetzt Musik vom Band gespielt und in einer auf Gebärdensprache basierenden Zeichensprache kommuniziert. „Wir wissen, dass Babys auf Gebärden und Gesten noch eher reagieren als auf Sprache“, so Dlugi.

Kursleiterinnen sehen Digitalisierung auch als Chance

Die Coronazeit haben die Kursleiterinnen genutzt, um sich nicht nur die Zeichensprache anzueignen, sondern sich auch für Video-Formate fit zu machen: So sollen die „fit-für-familie-Kurse“ für Eltern von Kleinkindern künftig online stattfinden. „Es wird eine feste, digitale Gruppe geben“, sagt Dlugi und weist auf einen besonderen Vorteil zum Vor-Ort-Kursus hin: Auf dem heimischen Sofa können künftig beide Elternteile am Videochat teilnehmen.

Nicht die einzige neue Idee: „Als wir die Einrichtung schließen mussten, mussten wir erst einmal überlegen, was wir jetzt machen können“, so Dlugi. Neben der digitalen Sprechstunde gibt es Videos auf Youtube für die Musikzwerge. Persönliche Kontakte sind auch bei „wellcome“, einem Projekt, bei dem Ehrenamtliche junge Familien in ihrem Alltag unterstützen, aktuell nicht möglich. „Die Ehrenamtlichen halten telefonisch und per Videoanruf Kontakt mit den Eltern“, sagt Dlugi, die seit 2011 die Einrichtung in Schwarzenbek und seit 2018 in Lauenburg leitet. Sportkurse im Freien wie Qi Gong sind bereits vor einer Woche wieder gestartet. Unter genauer Beachtung der Hygieneauflagen und nur mit bestehenden Kursteilnehmern. Jedes Angebot muss vom Kreisgesundheitsamt abgesegnet werden.

Trotz ausgefallener Kurse wurde in den vergangenen Wochen weitergearbeitet. So ist ein neues Halbjahresprogramm zusammengestellt worden, welches ab sofort nicht mehr als klassische Broschüre, sondern als Leporello zur Verfügung steht. Das ist ein faltbares Heft in Form eines langen Papierstreifens, der ziehharmonikaartig zusammengelegt ist. „Wir haben zudem das Layout an unsere Homepage angepasst. Nun ist alles frisch und modern.“

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Halbjahresprogramm als Leporello und im Internet

Inhaltlich wird das Programm etwas abgespeckter sein als sonst. Das heißt: Kurse, in denen es besonders viel Körperkontakt gibt, entfallen. Zum Beispiel auch der beliebte Kochkurs nach Ländern. „Wir bieten aber auf jeden Fall wieder viele Eltern-Kind-Kurse an und Weiterbildungen beispielsweise für Tagesmütter“, sagt Dlugi, die gestern noch das Kursusangebot auf der Internetseite www.fbs-schwarzenbek-lauenburg.de aktualisiert hat.

Dort wird noch auf das Jubiläum bei der Bildungsstätten hingewiesen: Lauenburg wird am 20. Juni 50 Jahre alt, die Schwarzenbeker Einrichtung am 13. September. „Für die Jubiläumsfeiern hatten wir die Einladungskarten schon fertig und ein buntes Programm für den Festakt zusammengestellt. Das fällt aufgrund von Corona ins Wasser“, so die Leiterin. Man habe sich entschieden, die Feierlichkeiten um ein Jahr zu verschieben. ​