Kindertagesstätten im Netz

Mit dieser App ist es für Familien einfacher

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Marcus Jürgensen
Digitales Ein- und Auschecken in der Kita St. Elisabeth: Christina Bethien (l.) und Lina Nöhren mit dem fest installierten Tablet, auf dem die famly-App läuft.

Digitales Ein- und Auschecken in der Kita St. Elisabeth: Christina Bethien (l.) und Lina Nöhren mit dem fest installierten Tablet, auf dem die famly-App läuft.

Foto: Kita St. Elisabeth

Schon im vergangenen Jahr haben die kirchlichen Kitas in Schwarzenbek die „Famly-App“ aus Dänemark eingeführt.

Schwarzenbek. Am morgigen Mittwoch trifft sich Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder, um sich auf einen Kurs zur Öffnung der Kindertagesstätten zu einigen. Das Öffnungskonzept sieht vier Phasen vor: Notbetreuung, erweiterte Notbetreuung, improvisierter Regelbetrieb und schließlich der Regelbetrieb. Die neun Kitas der Europastadt sind derzeit in Phase zwei – der erweiterten Notbetreuung. Nur maximal fünf Kinder pro Gruppe werden von den Erzieherinnen und Erziehern betreut – ohne Kontakt zu anderen Kindern. Wann die nächste Stufe kommt, ist aktuell jedoch noch völlig offen.

Kita-App aus Dänemark im Einsatz

Wenn es so weit ist, erfahren dies die Eltern deren Kinder die beiden kirchlichen Kitas besuchen, möglicherweise am ehesten: Schon im vergangenen Jahr haben St. Elisabeth am Verbrüderungsring 41 und St. Franziskus am Ernst-Barlach-Platz 9 die Eltern-App „Famly“ eingeführt. Famly ist eine benutzerfreundliche Plattform für die Kita-Verwaltung, die ab 2013 in Kopenhagen von dänischen Programmierern im stetigen Kontakt mit Kitas und Horten entwickelt wurde. „Von Anfang an war es unser Ziel, die Arbeit von Kindergärten mit Famly zu vereinfachen. Deshalb arbeiten wir stets eng mit unseren Kunden zusammen, um sicherzustellen, dass Famly tatsächlich Zeit spart und einen nachhaltigen positiven Effekt hat“, sagt Famly-Geschäftsführer Anders Laustsen.

In Schleswig-Holstein nutzen bisher rund 30 Kitas, darunter die zwei Einrichtungen aus Schwarzenbek, die App und die damit verbundene Verwaltungssoftware . „Zum Glück haben wir die App schon im vergangenen Jahr eingeführt“, sagt Christina Bethien, Leiterin der Kita St. Elisabeth, an der im Normalbetrieb 190 Kinder betreut werden: „Jetzt hilft sie uns sehr bei der Kommunikation mit den Eltern.“

An- und Abmelden digital möglich

Im Normalfall informieren sich Eltern über geplante Ausflüge oder Schließzeiten über Aushänge in den Kitas. Doch derzeit sind die Kitas geschlossen, deshalb gehen diese und weitere Infos häufig zunächst an die Elternvertreter, die sie dann in privaten Facebook- oder Whats­app-Gruppen weiter verteilen. Dabei handelt es sich jedoch um „offene“ System, die Kitas aus Datenschutzgründen nicht nutzen dürfen. Das ist bei Famly anders: Um die App zu nutzen, müssen sich Eltern zunächst legitimieren, erhalten dann einen Link, der ihnen die Anmeldung ermöglicht. „Wir erreichen die Eltern, die in der Regel nur kurz zum Bringen oder Abholen ihrer Kinder in die Kita kommen, jetzt viel besser mit unseren Infos“, so Bethien.

Vorteil für Eltern: Sollte das Kind wegen einer Erkrankung die Kita nicht besuchen können, melden sie ihr Kind einfach per App ab, statt in der Telefonwarteschleife zu hängen. Oder sie informieren die Kita via App, sollten Verwandte oder Freunde als Abholer einspringen. Mitarbeiter können ebenso leicht auf den Zeitplan jedes Kindes zugreifen und wissen, wann und von welchem Elternteil das Kind abgeholt wird.

Über die App zur Malaktion aufgerufen

Auch die Entwicklung des Kindes wird über das Programm dokumentiert: Beobachtungen werden automatisch auf die individuelle Lernkurve jedes Kindes hochgeladen und zusammengeführt. Zu den internen Verwaltungsfunktionen gehören Anwesenheit und Verfügbarkeit der Mitarbeiter mit wöchentlichen und monatlichen Arbeitszeitberichten. Zudem besteht die Möglichkeit, Finanzberichte zu erstellen und Stapelrechnungen mit einem Klick zu versenden.

Doch über Famly werden nicht nur Informationen weitergegeben: „Ein kleiner Aufruf hat ausgereicht“, freut sich Petra Walker, stellvertretende Kita-Leiterin am Ernst-Barlach-Platz. Dort gibt es wie auch an der ASB-Kita Kichererbse (wir berichteten) jetzt eine Zaunwand, an die Kinderzeichnungen gehängt werden. Von den 120 Eltern nutzten 86 die App und sind so auch in Corona-Zeiten über alles informiert, was in der Kita passiert inklusive der Malaktion.

Spielen als Form kindlicher Kommunikation

„Den Kindern fehlen die sozialen Kontakte in der Kita“, sagt Celina Gerke, Fachkraft für sprachliche Bildung an der Kita und selbst Mutter zweier Töchter im Kita- und Grundschulalter: „Wir als Erwachsene greifen in diesen Zeiten sehr viel stärker auf das Handy zurück. Meine Kinder chatten aber nicht stundenlang mit ihren Freunden, ihre Kommunikation erfolgt über das gemeinsame Spielen.“ Die Malaktionen ist eine Möglichkeit der gemeinsamen Aktivität in Corona-Zeiten, denn die Kinder bringen nicht nur Bilder zur Kita, sondern schauen auch, was ihre bisherigen Spielkameraden so gemalt haben.

Über die Famly-App versorgt Gerke die Eltern auch mit Tipps zum gemeinsamen Spielen, bei denen die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. Neben Bastel- und Maltipps sind dies auch kleine Gedichte etwa zu Geräuschen im Sommer: „Tauben gurren und Katzen schnurren, Hummeln brummen und Bienen summen.“