Schwarzenbek

Raucher sorgen für erhebliche Waldbrandgefahr

| Lesedauer: 5 Minuten
Stefan Huhndorf und Marcus Jürgensen
Jürgen Heitmann hat innerhalb einer Woche acht Beutel voller Müll im Wald gesammelt, dazu 360 Zigarettenkippen.

Jürgen Heitmann hat innerhalb einer Woche acht Beutel voller Müll im Wald gesammelt, dazu 360 Zigarettenkippen.

Foto: Jürgen Heitmann

Trockenheit sitzt tief im Boden, auch wenn es jetzt etwas geregnet hat. Trotzdem rauchen viele Menschen im Wald – eine große Gefahr.

Schwarzenbek. Trotz der aktuellen Regenschauer: Wochen voller Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad haben dem Boden stark zugesetzt, die Waldbrandgefahr ist hoch. Jemand, der sich wegen der Unvernunft der Spaziergänger Sorgen um die Wälder rund um Schwarzenbek macht, ist Jürgen Heitmann. Radfahren ist sein Lieblingshobby, Spazierengehen seine zweite Leidenschaft. Jeden Tag ist Heitmann seit Einführung der Kontaktverbote wegen des neuartigen Coronavirus mit seiner Ehefrau von seinem Haus an der Straße Im Winkel im nahe gelegenen Rülauer Wald zu Fuß unterwegs und legt dabei jeweils sechs Kilometer zurück. Kein Einzelfall: Viele Menschen haben sich aufgrund von geschlossenen Gaststätten, Einreiseverboten in die Nachbarbundesländer, eingestellten Sportangeboten und anderen Freizeitangebote auf Waldspaziergänge verlegt.

Innerhalb von zwei Tagen 360 Kippen gesammelt

Die Folgen sind sowohl ökologisch als auch von der Brandgefahr her gewaltig. „Wir finden große Mengen Müll, die wir in Beuteln mit nach Hause nehmen und entsorgen“, sagt Heitmann. Mittlerweile sind acht volle Müllsäcke dabei zusammengekommen. Viel bedenklicher sind aber die zahlreichen Zigarettenkippen, die das Ehepaar Heitmann aufgesammelt hat. „Auf Waldwegen und auch mitten im Wald haben wir am Mittwoch 197 Kippen gesammelt, am Dienstag waren es 163. Trotz des momentanen Regens ist es im Wald sehr trocken und die Brandgefahr ist hoch. Außerdem herrscht dort Rauchverbot“, sagt der Schwarzenbeker, der viele Jahre als Stadtverordneter für die Freie Wählergemeinschaft (FWS) in der Kommunalpolitik aktiv war.

Die Waldbrandgefahr wird auf Basis der Daten des Deutschen Wetterdienstes ermittelt und hat fünf Warnstufen: In Gefahrenstufe 1, die aktuell auch für das Kreisgebiet gilt, kann der Wald ohne Einschränkung betreten werden. Ab Gefahrenstufe 4 kann die Forstbehörde Parkplätze und touristische Einrichtungen im Wald sperren, Wege dürfen nicht verlassen werden. In Gefahrenstufe 5 wird der Wald gesperrt.

Boden bis 1,80 Meter Tiefe ausgetrocknet

Laut Messungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig ist in vielen Regionen Deutschlands der Boden bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter ausgetrocknet. Schuld daran tragen nicht nur der sonnige März und April, sondern vor allem die beiden trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019. Die Regenfälle zu Beginn des Jahres haben den Wäldern im Kreis Herzogtum Lauenburg gut getan, doch vor allem der April war zu sonnig und zu trocken – für Forst- wie für Landwirte.

Auf dem Dürremonitor der Forscher (www.ufz.de/duerremoni tor) ist dies besonders gut zu sehen: Während der Westen Deutschlands in Gelbtönen dargestellt ist („ungewöhnlich trocken“ bis „schwere Dürre“) schillern Teile von Bayern, Thüringen oder Sachsen in der Kategorie Gesamtboden (bis 1,80 Meter tief) in dunkelrot („außergewöhnliche Dürre“). Nur wenig besser sieht es beim Oberboden aus, der die ersten 25 Zentimeter erfasst. Das gilt auch für das Kreisgebiet: Hier sind weite Teile des Kreises als „moderate Dürre“ oder bereits „schwere Dürre“ markiert.

Waldbrandgefahr ist weiter hoch

„Für uns ist das tiefere Wasser entscheidend, für die Landwirte hingegen das oberflächennahe“, sagt Henner Niemann, Fachdienstleiter der Kreisforsten in Fredeburg. Die Regenschauer der vergangenen Tage seien da eher „homöopathischer Natur“, so der Forstwirt. Allerdings hat der Regen zumindest die Waldbrandgefahr etwas verringert: „Die vergangenen Wochen mit Wind, Sonne und Trockenheit haben die Oberböden ausgetrocknet und da liegt die Gefahr für Waldbrände“, so Niemann. Im Geesthachter Ortsteil Krümmel hatte es bereits Anfang der Woche einen Flächenbrand in einem Waldstück gegeben (wir berichteten), der sich dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehr nicht zum Waldbrand entwickelte.

„Dass Glasscherben, die wie ein Brennglas wirken, einen Waldbrand ausgelöst haben, konnte noch nie nachgewiesen werden“, sagt Niemann. Neben äußerst seltenen „natürlichen“ Ursachen wie Blitzschlag oder Funkenflug durch die Bremsen von Zügen an einer Bahnstrecke seien Waldbrände laut Niemann nahezu immer auf zwei Ursachen zurückzuführen: „Waldbrände entstehen durch Unachtsamkeit und Leichtfertigkeit oder durch aeutschlands größter kommunaler Waldbesitzer

In Deutschland ist mit 7ktives Feuer legen.“ Das Entzünden eines Feuers ist im Wald generell verboten: Dazu zählt auch das Anzünden einer Zigarette. Rauchen ist in ganz Deutschland im Sommer in den Wäldern verboten, aber auch Grillen oder ein Lagerfeuer entzünden. Aber auch außerhalb des Waldes gilt: Damit durch Funken kein Feuer ausgelöst werden kann, gilt ein Mindestabstand von 100 Metern zum Waldrand.

Der Kreis ist D78.000 Hektar der Freistaat Bayern der größte Waldeigentümer Deutschlands. Immer noch 69.000 Hektar besitzt die DBU Naturerbe GmbH als größter privater Waldeigner. Mit fast 10.000 Hektar ist der Kreis Herzogtum Lauenburg der größte Waldbesitzer unter den Kommunen Deutschlands. Zum Vergleich: Der Lübecker Stadtwald ist „nur“ 4600 Hektar groß. Die Kreisforsten sind seit dem 20. März 2000 nach den FSC-Kriterien (forest stewardship council) zertifiziert und werden unter ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaftet. Der Wirtschaftsplan für die Kreisforsten wird jeweils für zehn Jahre gefasst. Dieses Jahr steht im Kreistag die Entscheidung zur kommenden Dekade an.