Festivalsommer

Intendant verlegt Kultursommer am Kanal ins Internet

| Lesedauer: 6 Minuten
Marcus Jürgensen
Beim Kanuwandertheater paddeln die Zuschauer in Kanadiern an den Akteuren vorbei, die am Ufer des Schaalseekanals stehen. In diesem Jahr solle an gleich zwei Tagen gepaddelt werden – nun ist das Event auf den Herbst oder das kommende Jahr verschoben.

Beim Kanuwandertheater paddeln die Zuschauer in Kanadiern an den Akteuren vorbei, die am Ufer des Schaalseekanals stehen. In diesem Jahr solle an gleich zwei Tagen gepaddelt werden – nun ist das Event auf den Herbst oder das kommende Jahr verschoben.

Foto: Marcus Jürgensen

„Soundwalks“ mit speziell komponierter Musik, Podcast und eine Smartphone-App: Am 7. Juni startet der „Kultursommer in den Wolken“.

Schwarzenbek. „Beat’n’Dance ist überhaupt nicht tot – nur unterbrochen“, sagt Frank Düwel. Gemeinsam mit Stadtjugendpfleger Norbert Lütjens und vielen jungen Akteuren hat der Intendant des Kultursommers am Kanal bereits für die Musiktheater-Aufführung, die traditionell im Festsaal des Rathauses stattfindet, geprobt – bis Corona kam. „Die Darsteller proben im Homeoffice weiter. In dem Moment, in dem öffentliche Aufführungen wieder möglich sind, steigen wir in die gemeinsamen Proben wieder ein“, sagt Düwel. Eine abgespeckte Aufführung während des Kultursommers vom 7. Juni bis 6. Juli ist jedoch nicht möglich, dafür aber eventuell im Spätsommer.

Kultursommer mit realen und digitalen Angeboten

Auch der Kultursommer selbst wird nicht abgesagt, sondern umgewandelt: „Wegen der Coronakrise verwandeln wir unsere Homepage in eine digitale Veranstaltungsplattform. Unsere Programmplanung – der Reisebegleiter – mit circa 90 Veranstaltungen und seinen vielen Beteiligten war schon abgeschlossen, Konzerte- und Theateraufführungen wurden schon geprobt, Bilder waren gemalt, als deutlich wurde, dass wir in dieser Saison ein Programm so nicht werden realisieren können. Unser sommerliches Festival mit seinen vielfältigen Veranstaltungsformen lässt sich aber nicht in Gänze verschieben und eine Absage in einer Zeit, in der Kunst und Kultur wichtig sind, war für uns keine Option“, erklärt Düwel. Gemeinsam mit Kultursommer-Managerin Farina Klose hat er das Programm kurzfristig umgeplant: „Die Heimat des Kultursommers wird in diesem Jahr ,in den Wolken’ sein“. Mit dem Titel nimmt das Team Bezug auf die englische Bezeichnung „on Air“ (für „auf Sendung“), als auch für die Planung „auf Sicht“ in Zeiten des Coronavirus. Düwel: „Wir wollten nichts Negatives, sondern etwas Schönes als Titel.“

Damit wird „Europa – Bilder und Klänge“ – so das ursprüngliche Motto dieses Festivalsommers – sehr schnell in ein digitales Format umgewandelt. Auf der Internetseite www.Kultursommer-am-Kanal.de erwartet die Besucherinnen und Besucher während der Festivalzeit vom 7. Juni bis 6. Juli an jedem Tag ein Kulturereignis. Dazu gehören Auftritte vom Opern-Lieferservice „Operando“ oder von Märchenerzählerin Anna Malten.

„Es gibt eine große Sehnsucht nach Begegnung“

„Es gibt eine große Sehnsucht nach Begegnung. Aber die Aufgabe innerhalb dieses Festivals ist, dem Virus etwas entgegenzusetzen“, so Düwel. Neben den vielen Events, in denen sich die Künstler, Musiker und Schauspieler aus der Region „In den Wolken“ präsentieren, haben der Intendant und sein Veranstaltungsteam auch einige Open-Air-Veranstaltungen einfallen lassen. Dazu gehören die „Kunst am Wegesrand“ und die eigens für den Kultursommer kreierten „Soundwalks“: Bei diesen Formaten können die Leute einzeln unterwegs sein und über das Smartphone weitere Infos erhalten. „Die Aktionen sind damit sozusagen coronatauglich“, so Düwel. Darüber hinaus möchte der Intendant den Elbe-Lübeck-Kanal in den Fokus der digitalen Kunst- und Kulturwelt rücken. Dafür wünscht er sich Beiträge von Schleusenwärtern, Schiffern und Spaziergängern, die in Wort, Bild und Film ihre ganz eigene Geschichte von der alten Wasserstraße erzählen.

Podcasts und „Soundwalks“ für das Smartphone

Parallel dazu wurden Künstler angeschrieben und ebenfalls um Beteiligung in Form von Videos, Podcast, Tonaufnahmen, Texten und Bildern, Livestream oder Medienkunst gebeten: So können Erzählungen als Podcast online veröffentlicht werden, Figurentheater-Aufführungen als Video, aber auch als Collage aus allen Stilmitteln. Möglich sind auch virtuelle Kunstspaziergänge, bei denen Künstler und Sammler ihre Ateliers und Sammlungen vorstellen oder Besucher auf einen Rezitationsspaziergang mitnehmen. Ganz real ist dann wieder die „Kunst am Wegesrand“: Die Kunstwerke im öffentlichen Raum werden auf einer interaktiven Karte gezeigt und können unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln besucht werden.

Kunstwerke und Installationen können in einer Landschaft, in Gärten, der Fußgängerzone oder sogar in Schaufenstern gezeigt werden. Wichtig ist, dass über die Beschilderung Besucher die Möglichkeit für eine Rückmeldung haben. Bei den „Soundwalks“ kann es sich um festgelegte Spaziergänge handeln, für die Musiker ein Stück komponiert haben, das über das Smartphone während des Gehens abgespielt wird, aber auch um Livemusik aus der Ferne für die Passanten. Anregungen und Vorschläge können per E-Mail an kultursommer@norden-theater.de geschickt werden.

Kultursommer-Eröffnungsfeier in Büchen fällt aus

Klar ist, dass das für die Eröffnung geplante Fahrradstationstheater in Büchen entfällt. Dafür wird die Gemeinde am 7. Juni unter anderem im Online-Programm in den Fokus gerückt. Offen ist derzeit, wie es mit dem Kanu-Wander-Theater weitergeht. Auf dem Plan stünde die Aufführung von Shakespeares „Was ihr wollt“. Definitiv nicht zu halten sind die Termine für die Aufführungen (12. und 13. Juni). Düwel hält sowohl eine Verschiebung in den Herbst als auch ins nächste Jahr für möglich. Auch das Programm für den Nachwuchs kann nicht wie gewohnt stattfinden. Stattdessen bietet das Kultursommer-Team diverse virtuelle Mitmach-Workshops an.

Die Homepage wird für das digitale Festival umfangreich neu gestaltet. Darüber hinaus wird für den Kultursommer eine eigene, kostenlose App entwickelt, über die Festivalbesucher kurzfristig über Events informiert werden können. Rückendeckung für die Planungen des Intendanten kommt vom Vorstand der Stiftung Herzogtum Lauenburg. „Die von Frank Düwel an den Tag gelegte Flexibilität ist das Gebot der Stunde“, stellt Präsident Klaus Schlie klar. Hinter vielen Dingen stünden derzeit Fragezeichen, weshalb man nur auf Sicht fahren könne.

Vizepräsident Wolfgang Engelmann dankt vor allem der Kreissparkasse als Hauptsponsor, die auch in den Zeiten der Coronakrise ein zuverlässiger Partner des Festivals ist. Wer mehr über die laufenden Planungen erfahren will, findet auf www.Kulturportal-Herzogtum.de ein ausführliches Telefoninterview mit Intendant Düwel.