Coronavirus

Nachbarschaftshilfe in Schwarzenbek kommt gut an

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Frauke Maaß und Stefan Huhndorf
Pascal Brückner von den Schwarzenbek Wolves liefert in der Europastadt Einkäufe an Menschen in Corona-Quarantäne oder Senioren, die Kontakt nach außen scheuen.

Pascal Brückner von den Schwarzenbek Wolves liefert in der Europastadt Einkäufe an Menschen in Corona-Quarantäne oder Senioren, die Kontakt nach außen scheuen.

Foto: Wolves

In schwierigen Zeiten halten die Menschen in der Region zusammen. Es gibt verschiedene Hilfsangebote. Wir stellen sie vor.

Schwarzenbek.  Lebensmittel einkaufen, Hund ausführen, Medikamente besorgen – wer in der Coronakrise aufgrund von Quarantäne, seinem Alter oder anderen Erkrankungen nicht mehr auf die Straße gehen oder für sich sorgen kann, ist derzeit auf Hilfe angewiesen. Städte, Gemeinden und Kirchengemeinden sind häufig erste Anlaufstellen für diejenigen, die Hilfe benötigen.

In Schwarzenbek war Patrick Göring der erste, der zu einer Nachbarschaftshilfe aufgerufen hat. Mittlerweile haben auch andere Initiatoren wie der Bürgerverein oder die Footballer von den Schwarzenbeker Wolves nachgezogen, um Mitbürger in der Coronakrise zu unterstützen. Wie die Angebote angenommen werden, lässt sich schwer beziffern, weil der Kontakt mit Hilfsbedürftigen über persönliche Ansprache in der Nachbarschaft oder über das Internet stattfindet. Es gibt auch Briefwurfsendungen, auf die Hilfsbedürftige antworten können.

„Wir setzen immer auf gute Nachbarschaft“

„Ich selbst unterstütze fünf Personen in Schwarzenbek, indem ich für sie einkaufe“, so Göring. „Wir bieten die Hilfe über unsere Homepage an. Die Aktion läuft gut“, ergänzt Ute Stimper, Vorsitzende des Bürgervereins. „Die Aktion wird durchweg positiv, aber in Masse verhalten angenommen. Trotzdem freut es mich, dass wir Menschen in dieser schweren Zeit helfen können. Wir haben daher noch ausreichend freie Kapazitäten und sollte jemand auch über Football reden wollen, dann stehen wir auch dafür bereit“, sagt Kai Köpke, Vorsitzender der Schwarzenbek Wolves.

„Ich freue mich über die Welle der Hilfsbereitschaft und habe meinen Nachbarn ebenfalls meine Unterstützung angeboten. Schwarzenbek hält mal wieder zusammen“, so Bürgervorsteher Matthias Schirmacher.

Kuddewörde: Noch hat sich niemand beim Bürgermeister gemeldet

Wie sieht das in den Dörfern aus? In den kleinen Gemeinden des Amtes Schwarzenbek-Land bestimmt in erster Linie der persönliche Kontakt das dörfliche Leben. Ob Fahrgemeinschaften aufgrund mangelnder Busverbindungen oder andere Hilfen. „Wir setzen bei uns immer auf gute Nachbarschaft“, sagt Bürgermeister Wolfgang Krüger aus Fuhlenhagen. Insofern läuft auch jetzt in der Coronakrise alles so wie bisher weiter. Es hätten sich viele junge Leute bei ihm gemeldet, die bei Bedarf für Hilfsaktionen zur Verfügung stünden, sagt er. Aber da die meisten älteren Menschen bei ihren Kindern wohnen und gut versorgt seien, gebe es bisher keine Anfragen.

Ähnlich sieht es in Kuddewörde aus. „Ich stehe parat und würde Hilfe organisieren“, sagt Bürgermeister Wolfgang Gerlach. Bisher habe sich noch niemand bei ihm gemeldet. Gut angenommen werde das Seniorentaxi, das es seit 25 Jahren in der Gemeinde gibt und Senioren jeweils dienstags und donnerstags zum Einkaufen nach Trittau bringt – finanziell gefördert von der Gemeinde. Einziger Unterschied: Während der Coronakrise nutzt das Taxiunternehmen einen großräumigen VW-Bus statt eines Pkw und nimmt pro Fahrt nur zwei Fahrgäste mit, damit der notwendige Abstand eingehalten werden kann. „Alles andere wie Einkaufen regelt sich bei uns über normale gute Nachbarschaft“, sagt Gerlach.

Basthorst: Über WhatsApp-Gruppe Hilfe anfordern

Etwas mehr Aufwand hat Petra Meibohm in Basthorst betrieben: Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin hat eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der Hilfe angefordert und vermittelt werden kann. „Die Gruppe hat bereits 60 Mitglieder, das ist bei einer Einwohnerzahl von 420 eine gute Quote“, sagt sie. Für diejenigen, die kein WhatsApp haben, wie die meisten älteren Einwohner, hat Meibohm ein Notruftelefon installiert, über das sie erreichbar ist.

Über ein Faltblatt wurden alle Einwohner über die Angebote informiert, die über den üblichen Einkaufsservice hinausgehen. „Auch wer mit der Situation psychisch nicht zurechtkommt, kann sich gern melden“, sagt Meibohm. Es gebe Kontakt zu einer Psychologin, die sich um den Hilfesuchenden kümmern würde.

Nachbarschaftshilfe gehört zum Alltag

Aktiv geworden ist auch Bürgermeister Wolfgang Schmahl in Gülzow. Wer Unterstützung benötigt, kann sich über das Gemeindetelefon direkt an ihn wenden. „Ich leite dann alles Weitere in die Wege“, sagt er. Informiert über das Angebot hat er mit dem sogenannten „gelben Zettel“, der jeden Monat in der Gemeinde verteilt wird und über Neuigkeiten und Veranstaltungen Auskunft gibt. „Wer das Haus nicht verlassen kann oder aus anderen Gründen keine Einkäufe erledigen kann, dem wird auf jeden Fall geholfen“, sagt er. Bisher gab bei ihm noch keine Anfragen.

Also alles im Lot auf dem Land? Im Grunde ja, bestätigt Katja Zornig, Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde in Sahms. Zwar habe auch sie allen Einwohnern angeboten, Hilfe zu organisieren, aber „es gibt keinen Bedarf. Nachbarschaftshilfe gehört hier zum Alltag!“