Population gestiegen

Dem „Osterhasen“ geht es besser

Die Feldhasen blicken optimistisch in die Zukunft: In Schleswig-Holstein ist ihre Population gegenüber 2019 um sechs Prozent gewachsen.

Die Feldhasen blicken optimistisch in die Zukunft: In Schleswig-Holstein ist ihre Population gegenüber 2019 um sechs Prozent gewachsen.

Foto: dpa Picture-Alliance / P. Wegner / picture alliance / Arco Images G

Feldhasen gelten als Sinnbild der Fruchtbarkeit: Bis zu 20 Junge kann eine Häsin binnen eines Jahres gebären.

Schwarzenbek/Müssen. Hasen gelten seit der Antike als Sinnbild der Fruchtbarkeit. Rechtzeitig zu Ostern kommt nun die gute Nachricht: Nach Jahren des Rückgangs hat sich die Zahl der Feldhasen (2001 und 2015 zum „Tier des Jahres“ gekürt) in Schleswig-Holstein erholt. Sechs Prozent mehr Tiere haben die Jägerinnen und Jäger landesweit gezählt.

Die Zählaktion ist ein Gemeinschaftsprojekt des Jagdverbands mit der Uni Kiel. Die Daten münden in das Wildtierkataster ein. Dabei werden in Referenzrevieren in regelmäßigen Abständen im Frühjahr und im Herbst mit Hilfe von großen Scheinwerfern nachts einzelne Felder abgeleuchtet und dann die Zahl der Hasen ermittelt. „Dazu gehört natürlich eine ganze Menge Erfahrung – es sollen ja auch keine Tiere doppelt erfasst werden“, sagt Wolfgang Heins, Präsident des Landesjagdverbandes.

Milde Frühjahre sind wichtigster Grund

Dank der trockenen Frühlingsmonate der vergangenen Jahre konnte die Hasenpopulation in einigen Regionen bis zu 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Weil die ersten jungen Hasen bereits im Februar auf die Welt kommen, ist das Wetter in den Monaten März bis Mai besonders wichtig. Ute Olsson-Wollner, stellvertretende Kreisjägermeisterin aus Müssen, hat das auch in ihrem Revier beobachtet. „Es gibt auf jeden Fall mehr Feldhasen als noch vor zehn Jahren.“ Für die wachsende Population sind jedoch nicht nur die milden Frühjahre ausschlaggebend. „Auch wir Jäger haben durch die Bejagung auf den Fuchs oder Marder und das Anlegen von Blühflächen unseren Anteil an dem Erfolg“, so Heins.

Denn der Feldhase lebt, wie der Name schon sagt, auf Feldern und Wiesen, an Waldrändern und Knicks. Vor wenigen Jahren stand er noch auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten: Zwar bringt eine Häsin drei bis vier Mal im Jahr bis zu vier Junge zur Welt, doch die haben es in einer ausgeräumten Landschaft nicht leicht. Um zu Überleben, braucht der Junghase Deckung, die es als Folge der intensiven Landwirtschaft nicht gibt.

Geholfen haben könnte den Feldhasen auch das Anlegen von Blühstreifen durch Landwirte, die als Folge des Insektensterbens in den vergangenen Jahren entstanden sind und von denen nun auch der Feldhase profitiert. Entsprechende Förderprogramme der EU gibt es allerdings bereits seit dem Jahr 2013.

Was unterscheidet Feldhase und Wildkaninchen

Während der Feldhase (lat. Lepus Europaeus) ein Nestflüchter und Einzelgänger ist und auf dem freien Feld, Wiese oder im Bereich der Waldkante lebt, gehört das Wildkaninchen(Oryctolagus cuniculus) zu den Nesthockern, lebt gesellig mit anderen Kaninchen in Kolonien und bewohnt Erdbauten. Ein Kaninchen wiegt ein bis zwei Kilogramm und kann maximal 50 Zentimeter lang werden, ein Feldhase wiegt zwischen vier und sechs Kilogramm und wird 53 Zentimeter lang. Er hat lange Ohren (Löffel) mit schwarzen Spitzen, das Kaninchen kurze, einfarbige Ohren.

Unterschiedlich sind auch die Augen: Hasen habe bernsteinfarbene Augen mit einer großen, dunklen Pupille, Kaninchen komplett dunkelbraune Knopfaugen. Obwohl beide zur Familie der Hasen gehören, gibt es aufgrund ihrer unterschiedlichen Chromosomenzahl keine Kreuzungen. Während der Hase seine Jungen überirdisch in einem Nest (Sasse) in einer Feldmulde gebiert, kommen junge Kaninchen im Bau zur Welt. Neugeborene Kaninchen sind nackt und blind, erhalten bis zur vierten Woche noch Muttermilch.

Da sind die jungen Hasen bereits auf sich allein gestellt: Sie werden zwar auch bis zur vierten Woche gesäugt, können aber bereits nach zwei bis drei Tagen die Sasse verlassen, kehren jedoch immer wieder zurück. „Damit die kleinen Feldhasen ungestört aufwachsen können, bitten wir alle Hundehalter ihre Hunde jetzt in der Brut- und Setzzeit immer an der Leine zu führen“, so Heins.

Wie der Feldhase zum Ostereier-Austräger wurde

Wegen ihrer Fortpflanzungsfähigkeit gelten Hasen seit der Antike als Sinnbild der Fruchtbarkeit – wie das Ei, das in der christlichen Ikonographie zudem als eines der Symbole für die Auferstehung Jesu Christi gilt. Wie beide zueinander fanden, dazu gibt es unterschiedliche Geschichten: Eine besagt, dass Kinder beim Suchen der Eier auf der Wiese eher Hasen aufscheucht haben, als Hühner.

Schonzeit für Feldhasen und Kaninchen

Für die Hasen und viele weitere Tiere gilt aktuell die Schonzeit, so Olsson-Wollner: „Aktuell ist nur Schwarzwild zur Jagd freigegeben.“ Junge Wildschweine (Frischlinge und Überläufer) dürfen ganzjährig gejagt werden, für Bachen (weibliche Tiere) und Keiler gilt von Februar bis Mitte Mai eine Schonzeit. Feldhasen und Wildkaninchen dürfen sogar nur vom 1. Oktober bis 31. Dezember geschossen werden. Neben Wildschweinen dürfen Jäger zudem das ganze Jahr über Jungfüchse, Marderhunde, Mink (Amerikanischer Nerz) und Waschbären bejagen.

Die Ausübung der Jagd fällt laut Olsson-Wollner nicht unter die in Coronazeiten verbotenen Freizeitaktivitäten: „In der Regel sind wir ja auch allein unterwegs.“ Widersprüchliche Aussagen gibt es allerdings zu den Reisebeschränkungen: So ist es derzeit unklar, ob ein Jäger aus Hamburg sein Revier in Schleswig-Holstein besuchen darf oder ob dies als touristischer Besuch gilt.