Literatur

Buchmesse light - Motto: „Schwarzenbek liest“

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Evers und Andrea Anders-Koch präsentieren eine Buchmesse light in der Lesezeit Schwarzenbek.

Thomas Evers und Andrea Anders-Koch präsentieren eine Buchmesse light in der Lesezeit Schwarzenbek.

Foto: Stefan Huhndorf

In Leipzig fällt die Buchmesse wegen Corona aus. Zwei Schwarzenbeker Buchhändler springen in die Bresche und präsentieren Neuerscheinungen.

Schwarzenbek. In Leipzig fällt die Buchmesse wegen des Corona-Virus aus, dafür gibt es eine Mini-Version unter dem Motto „Schwarzenbek liest“ in der Buchhandlung „LeseZeit“ am Markt 3. „Als wir gehört haben, dass es keine Buchmesse gibt, haben wir uns spontan zu dieser Aktion entschlossen und werden Neuerscheinungen präsentieren, die teilweise noch gar nicht auf dem Markt sind“, sagt Buchhändlerin Andrea Anders-Koch.

Desinfektionsmittel statt Getränk

„Sonst gibt es bei unseren Lesungen immer ein Getränk. Diesmal werden wir Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung stellen“, ergänzt ihr Geschäftspartner Thomas Evers scherzhaft. Für die einzige Buchhandlung in der Stadt sind Lesungen und Aktionen wie die jetzt spontan geplante „Buchmesse light“ überlebenswichtig. Konkurrenz durch online-Anbieter wie Amazon, aber auch durch E-Books machen der Branche schwer zu schaffen. Das spüren auch die Betreiber der LeseZeit, die ihr Geschäft 2009 eröffneten.

„Wir verdienen mit den Autorenlesungen kein Geld, machen damit aber Werbung für das Buch an sich und auf unser Geschäft aufmerksam. Nur so können wir im Wettbewerb bestehen“, sagt Andrea Anders-Koch. Mit Büchern alleine können kleine Anbieter nicht überleben. Bei der „LeseZeit“ gibt es seit Langem Geschenkartikel, Kalender und neuerdings auch kunstvoll gestaltete Lampen.

Veranstaltungen sichern das Überleben

„Unser Vorteil ist, dass wir schnell auf Trends reagieren können. Sobald wir merken, dass bestimmte Genres wie bei uns beispielsweise Krimis und historische Romane gut laufen, richten wir das Sortiment darauf aus. So flexibel können große Ketten nicht reagieren“, erläutert Andrea Anders-Koch.

Ein wichtiger Baustein sind aber auch Veranstaltungen wie die beliebten Whiskey-Tastings mit Literatur und eben die Lesungen. Erfolgsautor Boris Meyn aus Roseburg war schon mehrfach in der „LeseZeit“. Als die Buchhändler vor einigen Jahren Literaturkritiker Helmuth Karasek nach Schwarzenbek holten, mussten sie aus Platzgründen sogar auf den Festsaal des Rathauses ausweichen.

„Schwarzenbek liest“

Am kommenden Dienstag um 19.30 Uhr bei „Schwarzenbek liest“ sitzen Andrea Anders-Koch und Thomas Evers selbst auf der Bühne in ihrem Laden am Markt 3. Die Auswahl für den Abend steht noch nicht fest, aber Evers weiß bereits, dass er in jedem Fall den gerade erschienenen historischen Roman „Vardo – nach dem Sturm“ vorstellen will. Eine Geschichte von Kiran Millwood Hargrave aus dem Norwegen des Jahres 1617: Eine 40-köpfige Gruppe Fischer stirbt im Sturm auf See und hinterlässt ein Dorf ohne Männer.

Andrea Anders-Koch hat in jedem Fall „Rote Kreuze“ von Sasha Filipenko im Gepäck, das im Februar neu auf den Markt gekommen ist. Der zeitgeschichtliche Roman dreht sich um den jungen Alexander, der nach einem Schicksalsschlag in eine neue Wohnung zieht. Seine neue Nachbarin Tatjana Alexejewna ist über 90 und wird immer vergesslicher. Die alte Dame erzählt ihm ihre Lebensgeschichte, die das ganze russische 20. Jahrhundert mit all seinen Schrecken umspannt.

Der Eintritt zu der improvisierten Miniatur-Buchmesse in der „LeseZeit“ am Markt 3 ist kostenfrei.