Schwarzenbek

Diese Lehrer haben die Lizenz zum „Wandern“

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Isabella Sauer
Silke Schultz (l.) und Dagmar Köhn sind Wandersportlehrerinnen und unter anderem beim TSV Schwarzenbek aktiv.

Silke Schultz (l.) und Dagmar Köhn sind Wandersportlehrerinnen und unter anderem beim TSV Schwarzenbek aktiv.

Foto: Stefan Huhndorf

Vier Vollzeittrainer des Vereins für Jugendpflege und Sport unterstützen die Vereine im Kreis. Warum? Und was sind ihre Aufgaben?

Schwarzenbek/Ratzeburg.  Mit dem Wandersport haben sie nichts zu tun: Ihren Namen haben die Wandersportlehrer des Vereins für Jugendpflege und Sport erhalten, weil sie von Sportverein zu Sportverein „wandern“. Der Verein wurde 1959 als Kooperation zwischen dem Kreissportverband (KSV) und dem Kreisjugendring (KJR) im Herzogtum Lauenburg gegründet – bis heute einmalig in Schleswig-Holstein.

Ziel des Vereins ist, Sport und Jugend im Kreis zu fördern. Mit der Beschäftigung von Sportlehrern und Erziehern wird den Sportvereinen und Jugendgruppen im Kreis Hilfe bei der Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu günstigen Preisen ermöglicht, wenn im eigenen Verein kein ehrenamtlicher Betreuer zur Verfügung steht. Die fehlenden Gehaltsanteile der Wanderlehrer werden vom Kreis Herzogtum Lauenburg übernommen.

Angebot besonders gefragt in ländlichen Regionen

Vorsitzender ist Horst Diestel aus Alt-Mölln: „Aktuell beschäftigen wir vier Sportlehrer, die für fast 20 Vereine und Verbände im gesamten Kreisgebiet in den verschiedensten Sportarten Übungsstunden leisten.“ Dabei seien die Wandersportlehrer besonders in ländlichen Regionen gefragt, wo es häufig tagsüber nur wenige ehrenamtliche Übungsleiter gibt. „Pro Übungsstunde nimmt der Verein für Jugendpflege und Sport 16 Euro“, sagt Diestel. Das sei eine faire und bezahlbare Summe. Außerdem vermietet der Verein einen Kleinbus. „So können Vereine bequemer und leichter zu Turnieren und Wettkämpfen fahren“, sagt Horst Diestel.

Die vier Wandersportlehrer sind Silke Schultz, Dagmar Köhn, Stefano Mari und Andrea Wolansky. Sie sind im gesamten Kreis unterwegs. So zum Beispiel beim SV Lütau, dem VfL Grünhof-Tesperhude in Geesthacht oder beim TSV Schwarzenbek. Geschäftsführerin Mareike Busch schätzt dieses Angebot: „Die Wandersportlehrer sind besonders gut ausgebildet, das merkt man.“ Während viele Sportarten beim TSV von Ehrenamtlichen in Teilzeit geleitet werden, arbeiten die Wandersportlehrer in Vollzeit. „Aktuell sind zwei Wandertrainer acht bis neun Stunden in der Woche bei uns im Einsatz“, sagt Busch.

Dabei decken die Wandersportlehrer verschiedenste Sportarten ab. „Unser Angebot ändert sich regelmäßig. Die Wandersportlehrer werden Querbeet eingesetzt, vom Eltern-Kind-Kursus bis hin zur Seniorengymnastik ist alles mit dabei“, erklärt Busch die Zusammenarbeit mit dem kreisweit agierenden Verein. Wenn es möglich wäre, würde der TSV Schwarzenbek gern noch mehr Stunden mit den Wandersportlehrern besetzen. „Die sind super flexibel und auch morgens einsetzbar, wenn die Ehrenamtler oftmals noch auf der Arbeit sind“, lobt die TSV-Geschäftsführerin.

Sportangebote auch für die offene Ganztagsschule

Nun soll die Arbeit der Wandersportlehrer auf Offene Ganztagsschulen im Kreis ausgeweitet werden. Das haben die Mitglieder des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses des Kreises entschieden. Michael Blanke, Leiter des Fachdienstes Kindertagesbetreuung, Jugendförderung und Schulen in der Ratzeburger Kreisverwaltung, hält dies für sinnvoll: „Durch den Einsatz der hochqualifizierten Sportlehrer kann das Angebot im Offenen Ganztag qualitativ gesteigert werden.“ Außerdem biete eine Kooperation zwischen Schule und Verein ein erhebliches Potenzial, Schüler an die Angebote des ortsansässigen Sportvereins heranzuführen.

„Den Kindern kann in der Schule ein gutes Sportprogramm angeboten werden, denn da befinden sie sich sowieso am Nachmittag“, sagt Blanke. Dabei gilt aber zu beachten: Die örtlichen Sportvereine sollen dabei unterstützt werden, an den Offenen Ganztagsschulen präsent zu sein. Von außen soll eindeutig erkennbar sein, dass es sich um ein Angebot des örtlichen Sportvereins und nicht des kreisweiten Vereins Jugendpflege und Sport handelt. Der Grund: Der Verein erhält jährlich einen Zuschuss von 90.000 Euro vom Kreis, um sich um die allgemeine Sportpflege und Sportförderung zu kümmern, nicht um Angebote in den Offenen Ganztagsschulen zu unterstützen.

Der Trick: Nicht der Verein für Jugendpflege und Sport, sondern die örtlichen Sportvereine bieten die Sportangebote am Nachmittagsunterricht an, auch wenn sie keinen eigenen Trainer stellen können. Stattdessen springt ein Wandersportlehrer ein – vorausgesetzt, die vier Übungsleiter sind nicht schon anderswo im Einsatz.