Opferhilfe

Weißer Ring hilft bei Missbrauch

Rainer Kaefert, Vorsitzender der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Rainer Kaefert, Vorsitzender der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Die Opferhilfeorganisation hilft Missbrauchsopfern auch Jahrzehnte nach der Tat.

Schwarzenbek.  Bei den 77 Opferfällen, denen sich die ehrenamtlichen Helfer des Weißen Rings im vergangenen Jahr widmeten, ging es in der Mehrzahl der Fälle um Körperverletzungen (20 Beratungen) oder Sexualdelikte (18). Dazu kommen Bedrohung, Stalking, Mobbing (5), Raub, Diebstahl und Wohnungseinbrüche (9), Betrug (5) sowie 20 weitere Delikte. Das sind weniger Fälle als im Jahr 2017, sagt Rainer Kaefert, Vorsitzender der Opferhilfe-Organisation im Kreis: „Aber auch die Kriminalitätsentwicklung ist rückläufig.“

Hilfe auch Jahrzehnte nach der Tat

Und nicht jeder Hilfesuchende, der sich an den Weißen Ring wendet, ist aktuell Opfer einer Straftat geworden. Missbrauchsopfer melden sich oft erst Jahrzehnte nach dem Vorfall, so Kaefert: „Vor allem die Fälle aus der ehemaligen DDR sind schwierig. Weil es im Sozialismus Sexualstraftaten nicht geben durfte, wurden oft auch keine Akten angelegt.“

Die wären aber wichtig, um im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes Ansprüche anzumelden. „Es betrifft aber nicht nur ehemalige DDR-Bürger“, sagt Kaefert: „In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Missbrauchsfälle, die sich zu 90 Prozent im familiären Umfeld ereignen, auch im Westen totgeschwiegen.“ Beim Ausfüllen der entsprechenden Anträge helfen sowohl der Weiße Ring als auch die Frauenberatungsstelle. Sie vermitteln die Opfer auch an Psychologen und Traumatologen.

Beratungsschecks und Soforthilfe

Der Weiße Ring hilft aber auch finanziell: Neben Beratungsschecks für eine erste kostenfreie Beratung bei Anwälten und Ärzten hilft der Verein Opfern auch mit einer Soforthilfe bis maximal 300 Euro: „Etwa, wenn einer Seniorin die Handtasche mit der Monatsrente gestohlen wurde“, so Kaefert. Mit dem Bundesverband abgestimmt ist die deutliche höhere Opferhilfe, die etwa bei Kuraufenthalten einspringt oder wenn Familien durch eine Brandstiftung Hab und Gut verloren haben. Insgesamt 21.713 Euro schüttete der Weiße Ring 2018 so aus.

Die aktuell acht ehrenamtlichen Berater im Kreisgebiet leisteten 380 Stunden für die Arbeit mit den Opfern, weitere 1010 Stunden investierten sie in Fortbildungen und Präventionsarbeit. Insgesamt hat der Verein im Kreis 224 Mitglieder.

Premiere bei Prävention

Am heutigen Dienstag laden die Kreisverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn erstmals zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein: Um 18.30 Uhr geht es im katholischen Gemeindezentrum, Niels-Stensen-Weg 3, in Reinbek unter den Motto „Abzocke – nicht mit mir!“ um Telefonbetrüger, die sich als Enkel oder Polizisten ausgeben. Eine weitere gemeinsame Veranstaltung ist für dieses Jahr im Bereich Mölln/Ratzeburg geplant.