Sanierungsobjekt

Bestatter übernimmt die alte Kapelle auf dem neuem Friedhof

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Marcus Jürgensen
Die Auferstehungskapelle auf dem neuen Friedhof steht auch weiterhin für Trauerfeiern zur Verfügung.

Die Auferstehungskapelle auf dem neuen Friedhof steht auch weiterhin für Trauerfeiern zur Verfügung.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Trauerfeiern erhalten einen würdigeren Rahmen und für Gottesdienste steht die Kapelle weiterhin zur Verfügung.

Schwarzenbek.  Schon lange wollte Axel Möller sein Unternehmen modernisieren. Aktuell gibt es ein Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans, damit der Bestatter auf der Rückseite seines Hauses an der Möllner Straße 33 erweitern kann.

„Das muss ich nun nicht mehr“, freut sich der 47-Jährige, denn er hat von der evangelischen Kirchengemeinde die Auferstehungskapelle auf dem neuen Friedhof übernommen – für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro.

Eine Kapelle für einen Euro

Pastor Andreas Schöer und Kirchengemeinderatsmitglied Bernd Münchow sprechen dennoch von einer „Win-win-Situation“ für beide Seiten: „Rund 70 000 Euro würde allein die Grundsanierung der Kapelle kosten“, sagt Münchow. Geld, das die Kirchengemeinde, die sich in den vergangenen Jahren auf die Sanierung der St.-Franziskus-Kirche und das Familienzentrum St. Elisabeth konzentriert hat, nicht hat.

Erwerber investiert sechsstellig

Möller will hingegen einen sechsstelligen Betrag investieren. Er zahlt zudem eine jährliche Pacht, denn das Grundstück bleibt im Besitz der Kirchengemeinde.

Schon bisher nutzte Möller die Kapelle für Trauerfeiern, kennt daher auch den Zustand des Mitte der 1960er-Jahre errichteten Gebäudes. „Wir müssen eine komplette energetische Sanierung vornehmen, teilweise gibt es nur eine Einfachverglasung“, sagt der Bestatter. Auch die Toiletten (Möller: „Da ist noch eine Kette am Spülkasten“) werden saniert und behindertengerecht umgebaut.

Sanierungsstau ist groß

Regenrinnen, Elektrik, Heizung, Brandschutz und die Kühlung für die Verstorbenen müssen erneuert werden. Darüber hinaus will Möller den Eingangsbereich um ein Foyer erweitern. Dafür muss aber der 2010 eingerichtete „Friedensraum“ weichen: Hier wird an die Opfer der Kriege erinnert. Die teils historischen Tafeln sollen jetzt einen neuen Platz in der St.-Franziskus-Kirche finden.

Auch der bisher durch zwei Stufen erhöhte Altarbereich wird zugunsten eines ebenerdigen Trauerraums verschwinden, ebenso die Bänke, die derzeit noch im Boden verankert sind. „Es gibt noch einen großen Anteil konservativer Kunden, aber auch einen immer größer werdenden Anteil mit dem Wunsch nach individuelleren Trauerfeiern, bei denen der Sarg auch mal in der Mitte stehen kann“, sagt Möller.

Individuelle Trauerfeiern

Dem will er mit einem variablen Bestuhlungskonzept für bis zu 110 Trauergäste nachkommen. Dazu wird es eine neue Orgel und eine Musikanlage geben sowie einen knapp 70 Quadratmeter großen Anbau mit Lager-, Klima- und Hygieneraum. „Ich kann dadurch meine Arbeitsabläufe effektiver gestalten“, so Möller.

Auch andere Bestatter können die Kapelle weiterhin für Trauerfeiern buchen und auch für die Kirchengemeinde ändert sich durch den Verkauf nichts: Möller stellt die Kapelle für Gottesdienste kostenfrei zur Verfügung, kann sich in den sanierten Räumen auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Lesungen vorstellen.

Langwierige Kaufverhandlungen

Bis Kirchengemeinde und Bestattungsunternehmer den Vertrag unterzeichnen konnten, verging fast ein Jahr: Neben dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg war auch die Nordkirche eingeschaltet, um wichtige Fragen zu klären: So ist die Nutzung der Kapelle für Trauerfeiern festgeschrieben und bei einer Insolvenz des Unternehmens würde sie wieder an die Kirche zurückfallen.

Die erhofft sich durch die Sanierung der Kapelle, Baustart soll im Frühjahr 2019 sein, auch eine Aufwertung des gesamten Friedhofs. „Der ist für uns derzeit ein Zusatzgeschäft“, gibt Münchow zu.

Baustart für 2019 geplant

Schuld sei eine veränderte Bestattungskultur: Zwei Drittel aller Gräber seien mittlerweile preiswerte Urnengräber, dazu komme die Konkurrenz durch Waldbestattungen.