Nordkirche

Diskussion: Wohin steuert unsere Demokratie?

| Lesedauer: 3 Minuten
Marcus Jürgensen
Die Wanderausstellung zum Umgang mit der NS-Vergangenheit der Kirche kommt ein Jahr nach dem Start in Hamburg jetzt auch nach Ratzeburg

Die Wanderausstellung zum Umgang mit der NS-Vergangenheit der Kirche kommt ein Jahr nach dem Start in Hamburg jetzt auch nach Ratzeburg

Foto: Steffi Niemann / BGZ

Schwarzenbek. Ein NPD-Aussteiger, eine Islamwissenschaftlerin und zwei Bischöfe diskutieren die Zukunft unserer Demokratie.

Schwarzenbek.  Wohin steuert unsere Demokratie? Nach der Wahl des umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump und im Vorfeld von Landtags- und Bundestagswahlen lädt die Nordkirche für Donnerstag, 9. März, zur Podiumsdiskussion ins Schwarzenbeker Rathaus ein. Die Auswahl der Teilnehmer zeigt, wo die Nordkirche die Gefahr für unsere Demokratie verortet: Neben Kirsten Fehrs, Bischöfin der evangelischen Nordkirche und ihrem katholischen Pendant, Ex-Bischof Hans-Jochen Jaschke, sitzen auch die Talkshow-erfahrene Islamwissenschaftlerin und Buchautorin Lamya Kaddor (38) und NPD-Aussteiger Andreas Molau auf dem Podium.

Islamwissenschaftlerin und NPD-Aussteiger

Kaddor, die für einen liberalen, weltoffenen Islam wirbt, wurde 2016 hart attackiert, als sie in ihrem Buch „Die Zerreißprobe: Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht“ nicht nur eine Bringschuld der Migranten einforderte, sondern die auch von den Deutschen verlangte – eine Begegnung auf Augenhöhe.

Andreas Molau war bis zum Jahr 2012 als Funktionär für rechtsextreme Parteien wie NPD, DVU oder die Bürgerbewegung Pro NRW aktiv sowie als Publizist für rechte Verlage. Dann kam es zur radikalen Kehrtwende: Molau gab seine Parteibücher zurück und nahm Kontakt zum Aussteigerprogramm „Aktion Neustart“ des niedersächsischen Verfassungsschutz auf. Seitdem engagiert sich der 48-Jährige in Integrations- und Inklusionsprojekten und warnt vor rechtsextremen Gruppierungen.

Die Podiumsdiskussion beginnt um 19 Uhr im Festsaal des Rathauses und wird von NDR-Journalist Stefan Schölermann moderiert.

Kirche arbeitet ihre Geschichte auf

Sie bildet den Schlusspunkt der Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“. Die heutige Nordkirche hatte 2008 dem Historiker Dr. Stephan Linck den Auftrag erteilt, die Spuren der NS-Vergangenheit bis zum Jahr 1985 aufzuarbeiten. Ein Fachbeirat unterstützte das bundesweit einmalige Projekt, in dem es um den Umgang der Kirche mit NS-Tätern und die Mitverantwortung am Holocaust ging. Die Wanderausstellung, die im Januar 2016 erstmals in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi zu sehen war, ist nun vom 14. Februar bis 21. März im Ratzeburger Dom, Domhof 35, zu Gast und wird am kommenden Dienstag um 19 Uhr durch Pröpstin Frauke Eiben und Linck eröffnet.

Führungen für Schüler und Konfirmanden

„Um selbstbewusst und wertschätzend mit der eigenen Geschichte umgehen zu können, ist ein realistischer Blick nötig. Und das nicht aus einer belehrenden und besserwisserischen Haltung, sondern aus dem ehrlichen Bemühen, aus der Geschichte zu lernen“, so Eiben. Als lokales Thema wurde für den Kirchenkreis der Umgang mit der Gedenkkultur ausgewählt. Die Ausstellung ist täglich außer montags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen, Konfirmandengruppen und Interessierte sowie weitere Infos gibt es bei Pastorin Maike Bendig unter (0 45 41) 88 93 26 sowie per E-Mail unter mbendig @kirche-ll.de.