Obstbaumpflege

So noch nie gehörte Tipps auf der Streuobstwiese in Kollow

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Marcus Jürgensen
Baumschulinhaber Johannes Boysen, Gartenbotschafter John Langley und Petra Schweim, Besitzerin der Streuobstwiese beim Obstbaumseminar.

Baumschulinhaber Johannes Boysen, Gartenbotschafter John Langley und Petra Schweim, Besitzerin der Streuobstwiese beim Obstbaumseminar.

Foto: Marcus Jürgensen / BGZ

Kollow. Gartenbotschafter John Langley und Gärtnermeister Johannes Boysen geben Tipps zur richtigen Obstbaumpflege.

Kollow. Für die 20 Männer und Frauen in Overall, Latzhose, Gummi- oder Wanderstiefeln hatte sich der Tag gelohnt: Im „Appelbarg“, der Streuobstwiese der Familie Schweim in Kollow, erhielten sie von Profis Tipps für den Obstbaumschnitt. Petra Schweim hatte gemeinsam mit Gartenbotschafter John Langley zum Obstbaumschnitt-Kursus eingeladen. Als Experten hatte sie noch den Gärtnermeister Johannes Boysen gewinnen können, der in Niebüll in seiner Baum- und Rosenschule auch alte Sorten züchtet.

Mit zwei Mikrofonen ausgestattet spielten sich der medienerfahrene Langley und der Gärtnermeister auf der Streuobstwiese die Bälle zu und gaben den Hobbygärtnern Tipps, die diese so noch nicht gehört haben. Statt einen Stamm, der unter der Last seiner Äste auseinanderzubrechen droht, mit Seilen zu fixieren, empfiehlt Boysen den Bohrer anzusetzen: „Ein Metallbolzen mit Unterlegscheiben hält den Stamm zusammen.“ „Nein“, erklärt der Gärtnermeister den verwunderten Seminarteilnehmern, das schade dem Baum nicht: „Nichts zu tun, das schadet dem Baum.“

Zum Seminar gehören auch Tipps zum richtigen Werkzeug und dessen Gebrauch: Mit einer kurzen Handbewegung drehte Boysen seine Gartenschere um und schnitt einen Zweig ab: „Es gibt immer eine Quetschstelle, aber so ist sie am abgeschnittenen Holz.“

Weitere Tipps vom Profi

Unterschieden wird zwischen Winter- und Sommerschnitt: Der Winterschnitt zwischen November und März fördert das Triebwachstum und sorgt für guten Ertrag im Folgejahr. Der Sommerschnitt hingegen begrenzt das Wachstum und ist eine gute Maßnahme bei schnell wachsenden Baumsorten.

Sägen und Scheren sollten nach dem Schnitt mit Spiritus gereinigt werden, bevor sie an einem anderen Baum angesetzt werden. Ohne Reinigung können Bakterien und Pilzerkrankungen so ungewollt von Baum zu Baum übertragen werden.

Wenn Sonnenstrahlen den gefrorenen Stamm im Winter kurzfristig antauen, beginnen die Zellen zu arbeiten - und frieren kurz darauf wieder ein. Dadurch kommt es zu Rissen im Stamm, vor allem bei jungen Bäumen. Weiße Farbe reflektiert die Sonnenstrahlen und schützt so vor Stammrissen.

Cola nutzt der Gärtner nicht nur gegen den Durst, sondern auch als Reinigungsmittel: Die Federn in den Baumscheren werden im Cola-Bad wieder sauber. Danach braucht die Feder noch einen Tropfen Öl und die Schere funktioniert wieder.

90 Prozent der Böden sind zu sauer: Gartenbesitzer sollten regelmäßig den pH-Wert ihres Gartenlandes überprüfen (Sets gibt es im Gartenmarkt) und Kalk einbringen. Ein pH-Wert von 6 bis 6,5 ist okay.

Für die Lagerung von Äpfeln sind moderne Häuser zu warm: Um den Reifeprozess zu unterbrechen, müssen die Früchte bei sechs Grad gelagert werden. Verschiedene Lagen sollten durch Zeitungspapier getrennt werden, um die Reifegase (Äthylen), die die Äpfel absondern, zur Seite abzuleiten.