Gezackte Marken sichern 120 Menschen Beschäftigung

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Schwarzenbek
(cus).
Im Zeitalter von Internet und E-Mail sind sie rar geworden: Briefmarken. Doch es gibt sie noch, und es gibt auch noch Briefmarkensammler: 2000 zählt der Verband der Philatelisten Norddeutschlands, der vom Schwarzenbeker Professor Rüdiger Martienß geleitet wird. 39 000 Sammler sind bundesweit im Bund deutscher Philatelisten organisiert.

Doch noch eine andere Institution sammelt Briefmarken: Bethel. Seit 127 Jahren werden in den "von Bodelschwinghschen Stiftungen" im Bielefelder Stadtteil Bethel Briefmarken gesammelt, bearbeitet, sortiert und an Sammler verkauft. Sammelboxen der zum Diakonischen Werk gehörenden Einrichtung stehen seit April auch in den Gebäuden der evangelischen Kirchengemeinde: Im Franziskushaus und dem Kirchenbüro am Markt 5 sowie im Familienzentrum St. Elisabeth am Verbrüderungsring 41 stehen seit Anfang April die weißen Pappboxen mit der Aufschrift "Briefmarken sammeln für Bethel!".

"Mit den Briefmarken wird vielen Menschen mit Behinderung eine sinnvolle und erfüllende Tätigkeit gesichert", sagt Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl. Mehr als 120 Menschen sind dort mit der Aufbereitung der gespendeten Postwertzeichen beschäftigt. Die Briefmarken werden vorsichtig von Briefumschlag oder Postkarte gelöst, gereinigt und sortiert. Jeden Werktag kommen mehr als 400 Pakete, Päckchen und Briefe mit Marken in der Briefmarkenstelle an. Jährlich sind es 29 Tonnen. "Wir bekommen heute mehr Briefmarken als früher", sagt Diakon Hans-Werner Mohrmann, der seit Anfang 2001 die Briefmarkenstelle leitet. "Die Briefmarken aus Bethel haben einen guten Ruf." Die Briefmarken werden an Sammler verkauft, aber nicht nur: Auch für Kunstprojekte werden Marken mit ähnlichen Motiven oder Farben geordert, etwa um Mosaike herzustellen.

Gegründet wurde Bethel im Jahr 1867 von der Inneren Mission der Evangelischen Kirche, dem Vorläufer des Diakonischen Werks, als Anstalt für Epilepsiekranke. 1872 übernahm der Theologe Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) die Anstalt und richtete die Briefmarkenstelle ein, die 1888 erstmals in den Akten erwähnt wird. Der Hauptsitz der Stiftung ist heute immer noch Bethel, doch deren Einrichtungen gibt es mittlerweile in vielen Bundesländern: 17 000 Mitarbeiter betreuen 200 000 Menschen.