Zuglärm

Bahn stellt Lärmsanierung in Aussicht

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Barbara Moszczynski

Foto: Barbara Moszczynski

Schwarzenbek. Seit Jahren leiden Anwohner an der Bahnstrecke unter der Lärmbelastung vorbeifahrender Züge. Nun soll das Verkehrsministerium über die Aufnahme Schwarzenbeks in ein Förderprogramm für Lärmsanierung entscheiden.

Die Deutsche Bahn AG (DB) will dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vorschlagen, die Schwarzenbeker Ortsdurchfahrt in das Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufzunehmen. Diese Nachricht brachte der Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann am Dienstag mit nach Schwarzenbek.

Bürgerinitiative: 700 Unterschriften gegen Bahnlärm

Bürgervorsteher Konrad Freiberg (SPD) hatte außer Brackmann auch die Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan (FDP) und Konstantin von Notz (Grüne) sowie Bundestagskandidatin Nina Scheer (SPD) zum Ortstermin auf die Terrasse von Gerda Matzat eingeladen. Die Schwarzenbekerin, die nur 100 Meter von den Bahngleisen entfernt wohnt, hat eine Bürgerinitiative gegen den Bahnlärm in der Europastadt gegründet und bisher 700 Unterschriften gesammelt (wir berichteten). Sie erhält fast täglich Briefe oder Anrufe von Bürgern der Stadt, denn auch jene, die nicht direkt an der Trasse wohnen, leiden unter dem Bahnlärm. Nach dem Ausbau der Strecke im Jahr 2002 hat sich das noch verschlechtert. Der Lärm bricht sich an der Waldgrenze im Süden der Europastadt und ist deshalb auch weit von den Gleisen entfernt zu hören.

Laut Auskunft der DB fahren 170 Züge in 24 Stunden diese Strecke von Hamburg nach Berlin. Gerda und Horst Matzat bezogen ihr Einfamilienhaus 1974, es gilt als Altbau. „Wir bekommen keine Förderung für Lärmschutzmaßnahmen am Haus“, sagte sie auf die Frage von Christel Happach-Kasan.

Bahn: bisher nur wenige Waggons umgerüstet

Nun gibt es Hoffnung, denn die Situation in Schwarzenbek würde im Fall einer Aufnahme in das Bundesprogramm neu bewertet. Dann könnte geklärt werden ob Schutzmaßnahmen auf Basis der freiwilligen Förderrichtline zur Lärmsanierung möglich sind. Während bei Neu- oder Ausbauten von Schienenwegen eine Lärmvorsorge durchgeführt wird, greift die Lärmsanierung bei schon bestehenden Schienenwegen.

Bisher vertröstete die Bahn die Schwarzenbeker mit der Lösung „glattes Rad auf glatter Schiene“. Neue „Flüsterbremsen“ sollen den Bahnlärm um rund 10 Dezibel senken, was gefühlt einer Halbierung des Lärms entspricht. Die DB will ihre Umrüstung bis 2020 abschließen, aktuell sind über 7000 leise Güterwagen im Einsatz. Bundesweit sind jedoch insgesamt 180.000 Waggons unterwegs, nur 25.000 haben leise Bremsen. „Wir haben keine gesetzliche Möglichkeit, auf die Umrüstung ausländischer Waggons hinzuwirken“, sagte Norbert Brackmann. Deshalb gibt es zusätzlich das lärmabhängige Trassenpreissystem, das im Dezember 2012 eingeführt wurde und über den Kostendruck auf die Bahntransportunternehmen die Umrüstung beschleunigen soll.

Auf diese beiden Mittel setzt auch die SPD-Bundestagskandidatin Nina Scheer. „Wir sollten nicht bei den Nutzungsentgelten stehen bleiben, sondern den Stand der Technik zur Auflage machen“, sagte sie. Christel Happach-Kasan sah das anders: Wer öfter wie ich auf dem Bahnhof von Büchen steht, weiß, das es trotz der Bremsen noch extrem laut ist.“