Börnsen

Rotkehlchen erobern das Wohnzimmer eines Seniors

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Einer der Elternvögel der Rotkehlchen sitzt auf dem Lampenschirm im Wohnzimmer des Seniors aus Börnsen.

Einer der Elternvögel der Rotkehlchen sitzt auf dem Lampenschirm im Wohnzimmer des Seniors aus Börnsen.

Foto: Müller

Morgens wurde der Mann aus Börnsen mit Gezwitscher geweckt. Wie die Vögel zu ihm kamen und was er mit ihnen erlebte.

Börnsen. Joachim Müller hatte es gar nicht richtig mitbekommen, dass er seit ein paar Tagen Untermieter im Haus hatte. „Ich sehe nicht mehr so gut“ sagt der Börnsener. So hatte erst ein Gast den anderen Besuch bemerkt, weil immer wieder Vögel mit Futter im Schnabel eine bestimmte Stelle im Wohnzimmer anflogen. Vom Senior unbemerkt hat sich ein Rotkehlchen-Pärchen sein Bücherregal im Wohnzimmer als Nistplatz ausgesucht. Versteckt hinter der CD mit dem „Weihnachtszauber“ haben die Singvögel fünf Vögelchen aufgezogen.

Der Senior aus Börnsen ließ die Rotkehlchen im Wohnzimmer gewähren

Die zu der Familie der Fliegenschnäpper gehörende Vogelart brüten im Frühjahr und meist ein zweites Mal im Sommer, in Börnsen war es also die zweite Brut. Beim Rotkehlchen sehen Weibchen und Männchen gleich aus, sie führen eine brutbezogene, monogame Ehe. Die Brutdauer beträgt bis zu 15 Tage, die Nestlingszeit noch einmal zwei Wochen. Nachdem klar war, dass die Altvögel die Jungen versorgten, blieben die Fenster fortan dauerhaft auf. Die immer etwas rundlich wirkenden Rotkehlchen entpuppten sich als wahre Flugkünstler. „Sie flogen in einem Stück durch das Kippfenster im Schlafzimmer“, hat Joachim Müller beobachtet. Geweckt wurde er morgens mit Gezwitscher.

Über die Wochen rauften sich alle zusammen. Die beiden Elternvögel wurden so zutraulich, dass der Hausherr und die Rotkehlchen zusammen auf dem Sofa saßen. Die Vögel auf der Lehne, nur einen Meter entfernt. Von dort ging es dann weiter zum Nest. Sie ließen sich nicht vom Menschen stören.

Nun sind die Jungtiere flügge – und Joachim Müller vermisst sie schon ein wenig

Joachim Müller fragte schließlich beim Nabu um Rat. Die Experten rieten, die Vogelfamilie in Frieden zu lassen, die Altvögel würden schon dafür sorgen, dass der Nachwuchs rauskommt. Und so war es. Am vergangenen Sonntagmorgen saßen plötzlich zwei flügge Junge auf dem Fußboden vorm Regal, dann kamen die anderen, gelockt von den Eltern. „Da hatte ich auf einmal das ganze Wohnzimmer voller Rotkehlchen“, freut sich Joachim Müller noch immer. Alle fanden über das Schlafzimmerfenster den Weg ins Freie.

Eines der Jungen kehrte einen Tag später unvermittelt zurück. Es versuchte, das alte Nest anzufliegen, setzte sich dann oben aufs Regal – und flog wieder nach draußen. Wie, um noch einmal „Tschüs“ zu sagen. Die Vögel können im nächsten Jahr gern wiederkommen. „Ich bin ein bisschen traurig, das war eine schöne Abwechslung“, sagt Joachim Müller.

( pal )

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