Kultursommer am Kanal

In der alten Teppichfabrik werden Konzerte zu einem Erlebnis

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Susanne Bornhold und Karen Haardt (r.) beim Konzert in der ehemaligen Geesthachter Teppichfabrik.

Susanne Bornhold und Karen Haardt (r.) beim Konzert in der ehemaligen Geesthachter Teppichfabrik.

Foto: Ariaane Funke

Graffiti an den Wänden, sitzen auf Pappkartons, es zieht durch offene Fensterhöhlen. Macht nichts: Die Besucher sind begeistert.

Geesthacht. Ein laues Lüftchen wehte durch den ehemaligen Schauraum der Norddeutschen Teppichfabrik in Geesthacht. Die leichte Brise, die bei den rund 170 Konzertbesuchern aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen gut ankam, sorgte bei den beiden Kirchenmusikerinnen Susanne Bornholdt aus Aumühle und Karen Haardt aus Wentorf für leichte Aufregung. „Hoffentlich wehen die Noten nicht weg. Bei den Proben sind sie ständig davon geweht“, berichteten die Künstlerinnen.

Dank einer provisorischen „Halterung“, die schlicht aus gegen die Noten gelehnten Handys bestand, blieben die dann aber beim Konzert an Ort und Stelle, und das Konzertereignis im Rahmen des Kultursommers am Kanal in der alten Teppichfabrik wurde zum großen Erfolg.

Kultursommer: 170 Konzertbesucher in ehemaliger Teppichfabrik

100 Sitzgelegenheiten aus gefalteten Kartons standen in der kargen, seit Langem ungenutzten Halle bereit. Doch das Musikerlebnis an ungewohntem Ort zog viel mehr Menschen an. „Ich bin überwältigt von der Resonanz. Wir hatten vorsorglich 20 weitere Sitze gefaltet. Zum Schluss mussten wir noch 50 Sitze spontan zusammenbauen, da so viele Besucher gekommen sind“, sagt Anja Nitz, die die Konzertreihe mit Kirchenmusikern organisiert.

Die Atmosphäre war einzigartig: Ein schwarzer Flügel, der eine Leihgabe von Musik von Merkl aus Bergedorf war, stand in dem ehemaligen Ausstellungsraum. Die überwiegend kargen Wände trugen an einigen Stellen Graffiti als illegale Hinterlassenschaft des einen oder anderen Sprayers. Die bodentiefen Fenster haben keine Scheiben mehr, und an der einen oder anderen Stelle ranken Gräser- und Blätterwerk in den Raum hinein.

Die Klavierklänge ließen die Szenerie fast schon märchenhaft erscheinen, das war am Ende auch der Eindruck vieler Zuhörer, die sich bei Anja Nitz bedankten. Das Konzert war aufgrund der fehlenden WC-Möglichkeiten nur 50 Minuten kurz. Das Programm, das über Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Franz Schubert (1797-1828) bis zu Stücken aus der Gegenwart des 1942 geborenen Komponisten Friedemann Schiebe reichte, bot dennoch einen abwechslungsreichen Musikgenuss an einem zauberhaften Abend.

( daf )

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