Geesthacht

Nach dem Verkehrschaos soll eine Ampel her

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Dirk Schulz
Die neue Regelung: Von der Trift (Ausnahme Lidl-Markt) ist die Einfahrt in die Berliner Straße (B 5) nicht mehr gestattet. Von der B 5 kommend dürfen nur noch Anlieger in die Trift fahren.

Die neue Regelung: Von der Trift (Ausnahme Lidl-Markt) ist die Einfahrt in die Berliner Straße (B 5) nicht mehr gestattet. Von der B 5 kommend dürfen nur noch Anlieger in die Trift fahren.

Foto: Dirk Schulz

Stadt will Einmündung von B 5 und Trift jetzt umgestalten. Wieder grüne Welle für Durchgangsverkehr.

Geesthacht. Das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint. Gut gemeint war auch der Versuch der Geesthachter Stadtverwaltung, den nächsten Punkt ihres Radwegekonzepts umzusetzen: die bessere Querungsmöglichkeit der vierspurigen Berliner Straße für Fahrradfahrer in Höhe der Einmündung zur Trift.

Dafür wurde die dortige Fußgängerampel im November in die Schaltung der grünen Welle für die Bundesstraße 5 integriert und die Trift für den Durchgangsverkehr gesperrt sowie zur Fahrradstraße deklariert. Das ging jedoch nach hinten los: Anschließend war die grüne Welle „kaputt“ (wir berichteten).

Vier rote Ampeln für Autofahrer auf nur einem Kilometer

Anstatt flüssig durch die Stadt zu gelangen, mussten Autofahrer auf dem einen Kilometer langen Abschnitt zwischen den Kreuzungen am Ziegenkrug und an der Post gleich an allen vier Ampeln halten. Die Verwaltung hat darauf jetzt reagiert und (fast) alle Maßnahmen zurückgenommen. „Als Übergangslösung“, wie Bauamtsleiter Peter Junge versichert.

Sein Fachdienst wird den Einmündungsbereich jetzt stattdessen komplett neu überplanen, wie unsere Redaktion erfahren hat. Diese Pläne sollen bei der kommenden Sitzung des Bauausschusses (voraussichtlicher Termin 7. Februar) detailliert vorgestellt werden.

Eine neue Ampel soll in grüne Welle integriert werden

Der wichtigste Aspekt: Die Zufahrt von der Trift in die Berliner Straße soll künftig mit einer eigenen Ampelanlage reguliert und – diesmal wirklich – in die Schaltung der grünen Welle integriert werden.

Damit wäre auch das größte Problem der derzeitigen Verkehrsführung behoben: das unerlaubte Linksabbiegen von Lidl-Kunden aus der Trift in die Berliner Straße.

Illegales Linksabbiegen: Motorroller-Fahrerin getötet

Die Vorschrift zum Rechtsabbiegen besteht dort zwar seit Jahren, doch besonders nach der Sperrung der Trift für den Autoverkehr hat das illegale Linksabbiegen stark zugenommen. Tragisch: Nur drei Tage nach der Sperrung kam es zu einem tödlichen Unfall einer 57 Jahre alten Fahrerin eines Motorrollers. Ein 42-Jähriger hatte sie beim unerlaubten Abbiegen übersehen.

„Das hätte auch passieren können, bevor wir die Trift zugemacht haben“, stellt Junge einen Zusammenhang infrage. Allerdings hat auch die Verwaltung das verstärkte Linksabbiegen beobachtet. „Wir haben jetzt erst mal Druck herausgenommen“, sagt Junge.

Auslöser des Hin und Her ist das Radwegekonzept

Der ursprünglich in die Fahrbahn der Trift eingelassene Poller wurde entfernt, die Fahrbahnverengung aber beibehalten. Fortan ist die Durchfahrt mit dem Zusatz „Anlieger frei“ wieder möglich. Auf diese Weise können Lidl-Kunden, die stadteinwärts fahren wollen, aber einen Umweg über den Ziegenkrug scheuen, wieder über die Trift ausweichen.

Auslöser des Hin und Her ist das Radwegekonzept der Stadt, die einen durchgängigen Radweg aus der Oberstadt bis zum Freibad einrichten will. Dafür wurden unter anderem in der Rathausstraße schon Schutzstreifen auf die Fahrbahn angebracht. Über die Trift sollen die Radler geleitet werden, weil die starke Steigung der Lauenburger Straße als ungeeignet gilt.

Radfahrer müssen auch mal zwei Minuten auf Grün warten

Neben dem Kreisverkehr an Rathausstraße und Trift ist die Querung der B 5 der Knackpunkt für Radfahrer. Die Fußgängerampel an der Trift ist nämlich keine Bedarfsampel. Sie springt nicht wenige Sekunden nach dem Drücken auf Grün. Vor der Verschlimmbesserung mussten Radfahrer schon mal 90 Sekunden warten.

„Uns wurde von einem Techniker gesagt, dass sich die Ampel in die grüne Welle integrieren lässt und wir mit der Grünphase für Radfahrer in Felder hereingehen können, in denen keine Autos kommen. Das war gut gedacht, hat aber nicht funktioniert“, sagt Peter Junge.

Bei der jetzigen Ampelschaltung können Radfahrer Glück haben und nach Sekunden Grün bekommen. „Es gibt eine Zeit, in der man rechnerisch kein Auto erwischt. Dann geht es schnell. Es gibt aber Zeiten, in denen man auch mal fast zwei Minuten warten“, sagt Junge. Die neue Ampel kommt nicht vor 2023.

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