Geesthacht

Wie Hausmeister Rudi plötzlich zum Lehrer wurde

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Rüdiger Felker hat den Schlüsselbund fürs Geesthachter OHG abgegeben. abgegeben.

Rüdiger Felker hat den Schlüsselbund fürs Geesthachter OHG abgegeben. abgegeben.

Foto: Dirk Schulz

21 Jahre hatte Rüdiger Felker die Schlüsselgewalt am Otto-Hahn-Gymnasium in Geesthacht. Warum er doch kein Lehrer bleiben wollte.

Geesthacht. Um das Verhältnis von Schülern und Hausmeistern ist es gemeinhin nicht zum Besten bestellt. Aus Schüler-Sicht gilt: Immer wenn der Hausmeister kommt, ist Ärger im Anmarsch! Da wird schon mal der Ball auf dem Schulhof einkassiert, aus Angst eine Scheibe könnte zu Bruch gehen, oder scheinbar grundlos geschimpft.

Bei Rüdiger Felker, dem Hausmeister am Geesthachter Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), war das anders. „Er war uns gegenüber immer freundlich und aufgeschlossen. Bei ihm haben wir uns wertgeschätzt gefühlt. Das kennt man ja von anderen Schulen ganz anders“, bestätigt der stellvertretende Schülersprecher Gabriel Horstmann.

Herr Felker – für die älteren Schüler schlicht Rudi

Als Herr Felker – oder Rudi, wie einige ältere Schüler und die Lehrer sagen – nun nach über 21 Jahren am OHG zum Jahresanfang in den Ruhestand verabschiedet wurde, gab es von der Schülervertretung sogar eine persönlich überreichte Packung Merci-Schokolade als Abschiedsgeschenk.

„Herr Felker hat vor allem mit den Jungs von der Technik-AG, die unsere Veranstaltungen betreut, eng und gut zusammengearbeitet. Da ist er auch schon mal extra von zu Hause gekommen, wenn es ein Problem gab“, berichtet Schulleiterin Kirsa Siegemund.

Felker spielte als Fußballer in der zweithöchsten Liga der DDR

Besonders zu den Sportlehrern hatte der sportbegeisterte 65-Jährige einen guten Draht. Das liegt wohl an der eigenen Vergangenheit. Der gelernte Meister für Maschinenbau und Anlagentechnik war ein passionierter Fußballer. In seiner sächsisch-anhaltinischen Heimat spielte er von 1977 bis 1984 bei der BSG Chemie Wolfen in der zweithöchsten Spielklasse der ehemaligen DDR, der DDR-Liga.

Was aber die wenigsten Schüler am Otto-Hahn-Gymnasium wissen dürften: Felker avancierte nach der Wende sogar selbst für kurze Zeit zum Lehrer. „Das ist aus der Lamäng passiert. Im Nachbarort gab es Lehrermangel, und so wurde ich ein halbes Jahr lang Sportlehrer“, erinnert er sich. Vielleicht hätte er damit sogar weitermachen können, doch seine Frau und er wollten weg aus der Region mit ihrer durch die Chemiefabriken zerstörten Umwelt.

Stadt Geesthacht beschäftigt insgesamt elf Hausmeister

So landeten sie schließlich in Geesthacht, wo Felker am 28. August 2000 in den Dienst der Stadt trat und sie heimisch wurden. Über 21 Jahre, drei Schulleiter und viele Tausend Schüler später wird jetzt der eigene Garten sein neues Betätigungsfeld. Zudem will er sich im Fitnessstudio fit halten.

Einen Nachfolger für die unbesetzte Hausmeisterstelle am OHG gibt es übrigens noch nicht. „Die Stelle wird aber ausgeschrieben, und wir freuen uns immer über Bewerbungen“, sagt Sylvia Funke vom zuständigen Fachdienst Immobilien. Inklusive der zu besetzenden Stelle arbeiten elf Hausmeister im Dienst der Stadtverwaltung. Neun an den Schulen, einer im Rathaus, und dazu kommt ein Springer.

( dsc )

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