Impfmarathon

600 Dosen Biontech an einem Tag gespritzt

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Denise Ariaane Funke
Die Warteschlange reichte von An der Post  in den Neuen Krug, bis hin in die Bahnstraße. Diese Wartenden sind schon kurz vor dem Praxiseingang.

Die Warteschlange reichte von An der Post  in den Neuen Krug, bis hin in die Bahnstraße. Diese Wartenden sind schon kurz vor dem Praxiseingang.

Foto: Denise Aariane Funcke / BGZ

Der Andrang war am Sonnabend gewaltig. Was Initiator Dr. Klaus Bibow besonders freut: 40 Prozent kamen zu einer Erstimpfung.

Geesthacht.  Mit diesem Ansturm hat selbst Dr. Klaus Bibow nicht gerechnet. Als der Geesthachter Mediziner Samstagmorgen gegen 6.15 Uhr seine Praxistür aufschloss, warteten die ersten Impfwilligen bereits vor dem Praxisgebäude – einige im Schlafsack. Grund für den Andrang: Dr. Klaus Bibow, seine Tochter Christine, die Anästhesistin im Johanniter Krankenhaus ist, sowie Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, hatten zum Impfmarathon gerufen.

Der Plan der drei Mediziner: Sie wollten 600 Dosen Biontech verimpfen. Die Nachfrage war gewaltig. Um 9

Uhr, zu Beginn der für zehn Stunden geplanten Impfkampagne, warteten bereits etwa 450 Menschen. Die Warteschlange reichte rund um den Gebäudekomplex und erstreckte sich von der Praxis An der Post 1–5 über die Bahnstraße bis zum Neuen Krug.

Geesthachts Bürgermeister Olaf Schulze musste sich zwar keinen Piks abholen, war aber vor Ort, um mit den Menschen zu sprechen. Hier und da sorgte er für Sicherheit. Wenn kleine Grüppchen auf der Straße standen, achtete er darauf, dass sich die Wartenden wieder auf den Gehsteig stellten. In der Praxis arbeiteten die drei Ärzte und sieben Helfer derweil auf Hochtouren.

Riesenandrang: Nach acht Stunden war der Impfstoff verbraucht

„Die Vergabe einer Dosis vom Aufziehen in die Spritze, über das Impfen bis zum Eintragen in den Impfpass und die Meldung an das Robert Koch Institut dauert rund 30 Minuten. Das sind Schritte, die die Patienten gar nicht mitbekommen“, erläuterte Bibow. „Ich bin froh, dass wir heute viele Menschen impfen können. Mit so einem Riesenansturm haben wir nicht gerechnet.“

Etwa 40 Prozent der Impflinge wollten eine Erstimpfung. Darunter viele ausländische Mitbürger. „Weitere 40 Prozent ließen sich die dritte Impfung verabreichen und 20 Prozent die Zweite“, berichtet Bibow unserer Zeitung. „Das ist ein Riesenerfolg. Besonders freut es uns, dass so viele Erstimpflinge zu uns gekommen sind“, sagt der Arzt, der auch während seiner regulären Praxiszeiten Impfungen vornimmt.

Wer macht noch mit, bei „Geesthacht impft“: Bis Montag, 16 Uhr, bitte melden

Da der Ansturm so groß war, waren die 600 Dosen bereits nach acht Stunden verimpft – geplant war die Aktion für zehn Stunden. „Etwa 20 Wartende mussten ohne Impfung nach Hause geschickt werden. Nach 17 Uhr kamen sogar immer noch Menschen, die wir leider ebenfalls nach Hause schicken mussten. Einige kamen ganz aus Harburg.“ Die Aktion hatte sich sogar bei den Mitarbeitern der Metro herumgesprochen, einige von ihnen sind nach Geesthacht gekommen. Doch es soll noch mehr Impfaktionen geben, etwa „Geesthacht impft“ an den Wochenenden 11./12. Dezember und 18./19. Dezember. Helfer, die mitmachen möchten, können sich bis Montag, 29. November, 16 Uhr, per E-Mail unter aktion@geesthachtimpft.de melden.

Ralf Kuchenbecker hatte Glück. Der 62-jährige hielt sich an das Sprichwort „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Bereits um 6.30 Uhr stand der Lauenburger vor der Geesthachter Praxistür. „Ich war heute Morgen der Vierte, der geimpft wurde“, so der Justizbeamte. Auch wenn es teilweise Stunden dauerte, bis die Menschen das ersehnte Serum erhielten, war die Stimmung gut. Viele hatten sich auf ein längeres Warten eingestellt.

Wartende rücken mit Schlafsäcken, Stühlen und heißem Tee an

Jens Korte (43) aus Lauenburg war gut gerüstet und hatte heißen Tee, einen Apfel und einen Stuhl mitgebracht. „Ich bin zum Boostern hier. Ich habe mich seinerzeit zwei Mal mit Astrazeneca impfen lassen.“

In Lauenburg beim Familienzentrum und auch mit einem Termin in Niedersachsen habe es nicht geklappt, berichtet er. „Ich bin froh, dass ich nun endlich die dritte Impfung bekomme.“.

„Wir freuen uns wie kleine Kinder, jetzt gleich unsere Booster-Impfung zu erhalten“, jubelten wiederum Sabine Susczyk (55) sowie Beate Griese (55) und ihr Bruder Markus Griese (58). Das Trio hatte sich um 7.30 Uhr in die Warteschlange eingereiht und war schon fast bis an den Praxiseingang aufgerückt.

Marcus Klaus gehörte zu den 20 Prozent, die ihre zweite Impfung erhielten. „Das Warten ist kein Problem, es geht zügig voran. Ich bin froh, dass es das Angebot hier gibt, bei meinem Hausarzt hätte ich erst in sieben Wochen einen Termin bekommen, da der Run auf das Boostern so groß ist“, so der 48-Jährige.

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