Geesthacht

Neubaugebiet am Finkenweg-Nord kann bald starten

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Dirk Palapies
Noch wachsen die Sträucher auf der Fläche südlich der Wilhelm-Holert-Straße brusthoch. Bereits im Februar könnten die Arbeiten für das Neubaugebiet Finkenweg-Nord mit dem Abtragen des Mutterbodens beginnen.

Noch wachsen die Sträucher auf der Fläche südlich der Wilhelm-Holert-Straße brusthoch. Bereits im Februar könnten die Arbeiten für das Neubaugebiet Finkenweg-Nord mit dem Abtragen des Mutterbodens beginnen.

Foto: Dirk Palapies

Erschließungsarbeiten beginnen im Februar. Interessentenliste schon überzeichnet. Häuser sollen ohne fossile Brennstoffe beheizt werden.

Geesthacht. Brusthoch wachsen die Sträucher auf der Brachfläche südlich der Wilhelm-Holert-Straße. Noch, denn das wird sich zu Beginn des kommenden Jahres ändern. Hier soll ab dem 1. Quartal das Neubaugebiet Finkenweg-Nord entstehen, am Donnerstag wurden die Verträge beurkundet.

Der Ausschuss für Stadt- und Verkehrsplanung hatte dem Erschließungsvertrag mit der Gerner Projekt KG und der Grundstücksverkehrs- und -erschließungs-GmbH & Co. KG Geesthacht (GVE) – einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Geesthacht – am Dienstag mehrheitlich zugestimmt. Die FDP enthielt sich, die Linke war dagegen. Der Bebauungsplan war am 9. Oktober 2020 in Kraft getreten.

Finkenweg-Nord: Das letzte große Neubaugebiet am Stadtrand

Das Gebiet Finkenweg-Nord soll das letzte große Neubaugebiet am Stadtrand sein. Auf 11,9 Hektar entstehen rund 300 Wohnungen mit Einzel-, Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern sowie 75 geförderte Sozialwohnungen und eine Kita mit 75 Plätzen.

Die zum Verkauf stehenden Grundstücke der GVE befinden sich zwischen Wilhelm-Holert-Straße, Finkenweg, Hohenhorner Weg und Eichweg sowie nördlich der vorhandenen Häuser am Zöllnersweg und am Sophie-Scholl-Ring. Die Gerner Projekt KG veräußert 42 Grundstücke für Einfamilienhäuser, im Wesentlichen im langgezogenen Mittel- und Westteil des Baugebietes.

Erste Arbeiten könnten im Februar starten

Steven Gerner, zusammen mit seinem Bruder Glenn Vincent Gerner Geschäftsführer der Gerner Projekt KG mit Sitz an der Bergedorfer Straße in Geesthacht, rechnet mit einem Beginn der ersten Arbeiten im Februar. Zunächst wird der Mutterboden abgehoben, dann werden provisorische Baustraßen gelegt, dann „arbeitet man sich mit Kanälen durch das Gebiet“, so Gerner. Der Hochbau könnte gegen Ende des nächsten Jahres beginnen.

GVE wie auch die Gerner Projekt KG führen bereits Interessentenlisten (gve-geesthacht.jimdosite.com und gerner-projekt.de). „Es gibt eine erhebliche Überzeichnung“, sagt Steven Gerner. Der Grund: „Es gibt nur noch selten Grundstücke mit Möglichkeiten zur individuellen Bebauung für die Leute.“ Wer hier registriert ist, wird über den Beginn des Vertriebs informiert. Das ist dann, wenn absehbar ist, wann der Hochbau beginnen kann. „Das kann man erst sagen, wenn man durch den Winter ist“, erläutert Steven Gerner, der sich zu Preisen nicht äußern möchte, auch aufgrund der dynamischen Kostenentwicklung.

Die Arbeiten haben auch Auswirkungen auf das angrenzende Wohngebiet Finkenweg-Ost. Die einzige Zufahrt (nur am Carl-Bung-Weg gibt es noch einen mit einer Schranke versperrten Notweg) verläuft über die Wilhelm-Holert-Straße zum Kreisel beim Discounter Norma. Die Straße wird wegen des Baus der Entwässerungsleitung für etwa zwei bis drei Wochen voll gesperrt. Der Verkehr soll in dieser Zeit über den Zöllnersweg und den Querweg geleitet werden.

Kein Gasanschluss für die Häuser

Zu Gast im Ausschuss war Kai Kienast vom Ingenieurbüro Sweco aus Winsen, der zuvor den aktuellen Stand der Planung vorgestellt hatte. Zur Überraschung des Ausschusses gibt es keinen Gasanschluss für die Häuser. „Gas- oder Fernwärme ist in diesem Gebiet nicht vorgesehen“, bestätigte Kai Kienast, „nur Strom“.

Ein Novum. „Es ist ein Wohngebiet der Zukunft“, erklärte Markus Prang, Geschäftsführer der Geesthachter Stadtwerke und der GVE, das Vorhaben. „Wir haben uns schon vor einem Jahr dazu entschieden, auf eine Wärmeversorgung zu verzichten. Sie wäre auch mit Erdgas befeuert gewesen.“ Hintergrund ist die aktuelle Klimaschutzgesetzgebung. „Wir müssen lernen, ohne fossile Brennstoffe klarzukommen. Ich glaube, dass sich dieses Gebiet dafür hervorragend eignet“, meinte Prang.

Geheizt wird mit Luft-Wärme-Tauschern und Wärmepumpen

„Auch Fernwärme wäre unter der jetzigen Situation nur mit Gas zu betreiben“, erläutert Stephan Wollschläger auf Anfrage die Hintergründe. Er ist bei den Stadtwerken in der Projektleitung für Technik und Netze. „Geheizt wird mit Luft-Wärme-Tauschern und Wärmepumpen. Die Häuser werden alle sehr effizient gebaut, sie benötigen nicht viel heutzutage.“ Für die Umwandlung in Wärme benötigt ein solches Heizsystem nur einen geringen Anteil an Strom. Zusätzlich soll auf privater Basis Fotovoltaik ins Spiel kommen. „Die Stadtwerke werden die Hausbauer hierbei bei Bedarf unterstützen“, verspricht Wollschläger.

Der Ausschussvorsitzende Gerhard Boll (Grüne) zeigte sich sehr angetan von diesen Plänen. „Es ist schon eine kleine Sensation, dass da keine Gasleitungen reinkommen. Gegenüber anderen Gemeinden sind wir deutlich vorn.“

Baugebiet Finkenweg-Nord: Großer Diskussionsbedarf beim Thema Verkehr

Die Ausschussmitglieder waren aber längst nicht von allen Punkten der Planung überzeugt, die Kai Kienast vorstellte. Vor allem in Sachen Autoverkehr gab erheblichen Diskussionsbedarf. So soll Finkenweg-Nord als Tempo-30-Gebiet ausgewiesen werden. Ein Problem, das der Ausschuss dabei sah: Die Straßen in der Siedlung sind lang und gerade und verführen deshalb zum Schnellfahren, so die Befürchtung. „Es ist utopisch, anzunehmen, dass alle 30 fahren“, meinte etwa Dagmara Strauer von der FDP.

Wie ließe sich also im Vorfeld Abhilfe schaffen? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit Verschränkungen glücklicher werden“, fand Daniel Malorny (CDU). Die Idee von Aufpflasterungen, die Andreas Schwandt (CDU) ins Spiel brachte, kam auch nicht gut an. „Es klappert, es klötert. Erst bremsen sie, danach wird wieder Gas gegeben“, meinte Kai Kienast. Gerhard Boll plädierte dafür, „dass zumindest in der längsten Straße „zwei bis drei Pflasterschwellen eine Beruhigung hereinbringen könnten.“ Aber die wären auch ein Hindernis für Rettungswagen. Einengungen schließlich sind schwierig wegen der vielen Zufahrten und Spielstraßen (hier gilt Schrittgeschwindigkeit, 6 km/h). „Wie brauchen hier einen Verkehrsplaner am Tisch“ forderte schließlich Karl Hermann Rosell (CDU).

So blieb das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Herr Kienast, sie werden sicher noch Gehirnschmalz da reinstecken können“, gab Gerhard Boll ihm mit auf den Weg.

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