Johanniter-Krankenhaus

Kaum Chancen für eigene Kinderstation in Geesthacht

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Dirk Palapies
Hebamme Edyta Raasch mit Darius und Jasmin. Alle Neugeborenen werden im Johanniter von einem Pädiater des Kinderkrankenhauses Lüneburg in Augenschein genommen, der mehrmals in der Woche anreist.

Hebamme Edyta Raasch mit Darius und Jasmin. Alle Neugeborenen werden im Johanniter von einem Pädiater des Kinderkrankenhauses Lüneburg in Augenschein genommen, der mehrmals in der Woche anreist.

Foto: Dirk Schulz

Ärztemangel, Spezialisierung, Landesvorgaben: Die Klinikexperten halten den Vorstoß der CDU-Fraktion für nicht umsetzbar.

Geesthacht. Der Traum von einer eigenen Kinderstation im Johanniter-Krankenhaus in Geesthacht – ist er nun geplatzt? Eingeladen im Sozialausschuss waren von der Klinik Geschäftsführer Carsten Schwab und der Ärztliche Direktor Dr. Timo Rath. „Wir finden die Anregung interessant“, sagte Rath höflich zur Einleitung. Dann aber führten die beiden aus, dass das Anliegen äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich werden dürfte.

Die Erörterung zum Wunsch der Kinderstation geht auf einen Antrag der CDU-Fraktion vom März vergangenen Jahres zurück. Mittlerweile – das wurde im Sozialausschuss deutlich – hat er es geschafft, auch die anderen Fraktionen zu interessieren. Das Johanniter kooperiert seit fast 20 Jahren mit der Kinderklinik Lüneburg. Mehrmals wöchentlich kommt von 9 bis 12 Uhr ein Pädiater angefahren, um die Neugeborenen unter die Lupe zu nehmen. Im Bedarfsfall werden die kleinen Patienten verlegt, nach der Schätzung im Ausschuss etwa 15 bis 25 Kinder jährlich. Vielen Eltern seien die Wege zu weit, klagte die CDU damals.

Johanniter-Krankenhaus: Allein sechs Ärzte müssten neu eingestellt und bezahlt werden

Aber Wunsch und Wirklichkeit prallen hart aufeinander, das wurde durch die Angaben von Carsten Schwab und Dr. Timo Rath mehr als deutlich.

Erstes Problem demnach: Laut einem gemeinsamen Bundesausschuss müssten Pädiater – Kinder- und Jugendmediziner – dann Tag und Nacht zur Verfügung stehen. „Da bräuchten Sie schon mal 5,5 oder sechs Pädiater, um die Versorgung rund um die Uhr aufrecht zu halten. Und das Ganze für 600 mögliche Patienten, wenn es hochkommt. Das wären statistisch zwei Patienten pro Tag“, rechnete Timo Rath vor. Zu wenig, um Mediziner zu begeistern. „Die müssen ja auch nachweisen, dass sie Kinder behandelt haben“, meinte Carsten Schwab. Denn Ärzte, die Däumchen drehen, kämen beruflich nicht voran.

In der Pädiatrie gibt es bereits 17 Fachdisziplinen

Zudem gibt es personelle Engpässe – bundesweit. „Pädiater sind die mit am geringsten auf dem Markt befindlichen Ärzte“, sagte Rath. Er hält es für fast unmöglich, Ärzte in entsprechender Anzahl zu gewinnen, um so eine Kinderstation aus dem Nichts aufzubauen.

Zweites Problem: Die stark entwickelte Spezialisierung in der Pädiatrie. 17 Fachdisziplinen gibt es mittlerweile, und keine Klinik kann alle abdecken. Das bedeutet, dass Kinder trotz vorhandener Kinderstation vor Ort weiterhin verlegt würden, wenn ihnen woanders gezielter geholfen werden kann, weil dort die Spezialisten – und medizinischen Geräte – für die jeweilige Diagnose vorhanden sind.

Die Krankenhausplanung macht das Land

Drittes Problem: Das Johanniter ist der falsche Adressat für den Wunsch nach einer Kinderstation. „Wir unterliegen einer ganzen Reihe von Regelungen wie gesetzlichen und planerischen Vorgaben“, sagt Carsten Schwab. „Selbst wenn wir das Personal hätten, könnten wir nicht einfach so hingehen und eine aufmachen Es gibt eine Krankenhausplanung für das Land, ein entsprechender Bedarf wird ermittelt. Und die Krankenhausplanung wird nicht davon ausgehen, dass sie hier einen Bedarf sieht.“ In der Umgebung sind neben dem Krankenhaus in Lüneburg das Wilhelmstift in Hamburg und die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Lübeck. Zudem gelten 30 Minuten Autofahrt nach Lüneburg von Geesthacht aus als zumutbare Wegstrecke

Fazit von Dr. Timo Rath: „Aus Sicht des Einzelnen kann ich den Wunsch verstehen, aber die Realität ist etwas anderes.“

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