Geesthacht

Alles dicht: Schwere Zeiten für Bewohner der Oberstadt

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Schulz
Ralf Eggert und seine Mutter Margarete Eggert sind verärgert über das abgespeckte Angebot der Kreissparkasse in der Oberstadt von Geesthacht. Selbst am Montagmittag bildete sich vor dem einzigen Geldautomaten am Standort eine Warteschlange.

Ralf Eggert und seine Mutter Margarete Eggert sind verärgert über das abgespeckte Angebot der Kreissparkasse in der Oberstadt von Geesthacht. Selbst am Montagmittag bildete sich vor dem einzigen Geldautomaten am Standort eine Warteschlange.

Foto: Dirk Schulz

Supermarkt, Post, Bäcker, Bank – geschlossen. Auf 10.000 Geesthachter warten künftig weite Wege. Viele Anwohner sind verärgert.

Geesthacht. Der Rewe-Supermarkt ist ab Montag, 23. Oktober, für ein Jahr geschlossen, Bäcker Zimmer und die DHL-Paketstation sind bereits weg. Als wäre dies für die knapp 10.000 Bewohner der Geesthachter Oberstadt – das sind fast so viele wie ganz Lauenburg Einwohner hat – nicht schon schlimm genug, hat nun auch die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg ihr Selbstbedienungsangebot eingestellt.

Die persönliche Beratung vor Ort an der Hausnummer 30 beendete das Bankinstitut bereits mit dem Corona-Lockdown. Jetzt haben die Oberstädter nicht einmal mehr die Möglichkeit, Überweisungen zu tätigen, Kontoauszüge zu drucken, Bargeld einzuzahlen oder Überweisungen in den Briefkasten zu werfen. Diese Terminals fehlen am neuen Standort neben dem Lotto-Laden (jeweils Hausnummer 38).

Oberstadt in Geesthacht: 89-Jährige bekommt keine Kontoauszüge

Anstatt drei Bargeldautomaten, davon einer mit Einzahlfunktion, gibt es zudem nur noch einen Geldautomaten für Auszahlungen. Vor diesem, der sich im ehemaligen Automaten-Raum der Hamburger Volksbank befindet, die sich komplett aus dem größten Geesthachter Stadtteil zurückgezogen hat, bildeten sich seit dem vergangenen Dienstag teilweise lange Schlangen.

Auch wenn Mitarbeiter am Dienstag und Sonnabend vor Ort waren und auf neue Wege für Bankgeschäfte unter dem Stichwort Online-Banking hinwiesen, laufen die Kunden gegen die Einsparungen Sturm. Seit Tagen häufen sich im Sparkassen-Center in der Fußgängerzone die Beschwerden, wie aus Mitarbeiterkreisen zu hören ist.

Zahl der Überweisungen ist seit 2018 rückläufig

„Ich finde das gerade für die vielen alten Leute skandalös“, sagt der Geesthachter Ralf Eggert, der sich um die Bankgeschäfte seiner Mutter Margarete kümmert. Auch die 89-Jährige ist erbost. „Ich finde das ungezogen. Hier wohnen die meisten Menschen in Geesthacht, darunter viele Alleinstehende wie ich. Und jetzt kriege ich hier nicht mal mehr meine Kontoauszüge“, sagt Margarete Eggert.

Der Pressesprecher der Kreissparkasse, Marc Euler, rechtfertigt das „aktualisierte Leistungsangebot“ mit dem veränderten Kundenverhalten hin zur App oder ins Internet. So sei die Zahl der eingegebenen Überweisungen seit 2018 rückläufig. Wohlgemerkt: Die Zahl sank in der Oberstadt jeweils um nur rund fünf Prozent pro Jahr.

Viele Beschwerden sind bei der Bank eingegangen

Dass es nur noch einen Automaten für Aus- oder nicht mehr für Einzahlungen gebe, erklärt Torben Det­hof, der Filialleiter des Sparkassen-Centers, mit der größeren Störanfälligkeit der Automaten – etwa weil Kunden häufig Büroklammern oder andere Gegenstände einwerfen. „Wichtig war es uns, dass die Bargeldversorgung gesichert ist und unsere erweiterten Leistungen einfach mit dem Bus erreichbar sind“, sagt Dethof.

Er bot an, Vortragsabende zum Online-Banking abzuhalten, um Ängste davor abzubauen. Ihr Interesse könnten die Kunden am Schalter kundtun. „Wer trotzdem kein Online-Banking machen will, kann auch telefonische Überweisungen aufgeben. Das wussten viele Kunden bisher gar nicht“, sagt Det­hof. Dafür stehe von 8 bis 20 Uhr die Nummer 04541/88 10 10 10 zur Verfügung.

„Wir haben uns bewusst vor Ort der Situation gestellt, um die Kritik bewerten zu können, und unseren Kunden neue Möglichkeiten aufgezeigt“, sagt Dethof. Aufgrund der Fülle an Beschwerden ist womöglich das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Hamburger Volksbank hatte in dem kleinen Raum einen Kontoausdrucker stehen.

Geesthacht: Rewe ermöglicht Abholung im benachbarten Getränkemarkt

Auch beim Thema Rewe-Markt hatte es Protest seitens der Bürger und Politiker gegeben. Als Alternative hat die Einzelhandelskette eine Abholstation in seinem benachbarten Getränkemarkt eingerichtet (Öffnungszeiten Montag bis Sonnabend, 7 bis 20 Uhr). Kunden können online ihren Einkauf aus dem Sortiment zusammenstellen – auch Tiefkühlprodukte und frisches Obst – und diesen dann in einem zuvor ausgewählten Zeitfenster abholen.

Wer nicht die Möglichkeit hat online zu bestellen, kann seinen Einkauf mit Hilfe der Mitarbeiter vor Ort direkt aufgeben. Die Bezahlung erfolgt allerdings ausschließlich online per Kreditkarte, Lastschrift oder Paypal. Der Mindestbestellwert liegt bei 20 Euro. Für übliche Servicegebühr von zwei Euro erhalten die Kunden der Oberstadt Gutscheine.

Brot gibt's in der Oberstadt nur vormittags

Mit der Schließung des Rewe-Markts fallen weitere Dienstleistungen weg. Die DHL-Paketstation und der Post-Briefkasten auf dem Rewe-Grundstück sind bereits abgebaut. Auch die im Markt ansässige Filiale der Bäckerei Zimmer hat ihre Zelte schon abgebrochen. Wollen Oberstädter Brot kaufen, müssen sie das fortan vormittags erledigen. Denn der Konkurrent, die Bäckerei Eggers, hat unter der Woche lediglich in der für Arbeitnehmer unfreundlichen Zeit von 7 bis 11 Uhr geöffnet.

Zimmer-Brötchen gibt es zwar auch beim Lotto-Laden Fries, aber nur in einer geringen Stückzahl. „Bei uns sind aber auch Bestellungen möglich“, sagt Mitarbeiterin Melanie Buhk. Auch der Zimmer-Brötchenwagen am Sonntag kann aus Platzgründen während der Arbeiten am Rewe-Neubau nicht mehr kommen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Geesthacht