Umweltschutz

Grüne fordern: Keine Fremdstoffe mehr im Bauschutt

| Lesedauer: 3 Minuten
Dirk Palapies
Jens Kalke und Laura Schwabe wollen ändern, dass Bauschutt auf Waldwegen auch Müllreste enthalten darf.

Jens Kalke und Laura Schwabe wollen ändern, dass Bauschutt auf Waldwegen auch Müllreste enthalten darf.

Foto: Dirk Palapies

Grüne machen mobil gegen Fremdstoffe wie Scherben und Dämmmaterial im Bauschutt. Kleine Mengen sind derzeit erlaubt.

Kröppelshagen. Müll, wohin sie schauen. Laura Schwabe und Jens Kalke haben keine Mühe, eine ansehnliche Menge an Unrat im Sammeleimer zusammenzuklauben. Eine alte Taschenlampenbatterie, ein Stück rissiges Kabel mit Drähten, Teile einer Dämmschicht, die verrostete Fassung einer Glühbirne – und jede Menge Glasscherben.

Die Grünen-Politiker stehen nicht auf einer Deponie, sie stehen mitten im Wald. Genauer: im Forst zwischen Kröppelshagen und Hohenhorn. Der Müll befindet sich zwischen den Steinen einer Schicht, die zur Befestigung der Wege aufgebracht wurde. Wie viele solcher Stellen es im Wald gibt, wissen die Zwei nicht genau. Sie schätzen: einige. Und nicht nur hier, sondern im ganzen Land.

Grüne Initiative für den Umweltschutz

Denn das Vorgehen von Waldbesitzern und Gemeinden ist völlig legal, so der Stoßseufzer der beiden. Diese Art von recyceltem Schutt – offiziell RC-Bauschuttgemisch genannt – ist im Preis günstig, und die behördlichen Bestimmungen erlauben die Verunreinigung mit nicht mineralischen Fremdstoffen bis zu einem gewissen Prozentsatz. Bei einem gütegeprüften RC-Gemisch der Klasse 1 sind bis zu zwei Kilo Fremdstoffe auf eine Tonne Gemisch zulässig.

Das sehen die beiden Grünen als großes Umweltproblem. Gerade durch die vielen Scherben drohen Tieren Schnittwunden. Laura Schwabe befürchtet wegen der Lichtbündelung durch das Glas eine Waldbrandgefahr. Das Problem hat bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren.

Die Vorschriften sollen geändert werden

„Sogar Burkhard Peters war überrascht“, erzählt Jens Kalke, der nun auf politischer Ebene Verbündete sucht. Der Kieler Landtagsabgeordnete der Grünen wolle sich weiter informieren lassen und unterstütze die Initiative, so Kalke. Angedacht sei, das Thema auch in der Landespolitik voranzubringen.

Denn der Geesthachter Ratsherr Jens Kalke und die Vorsitzende der Kreis-Grünen Laura Schwabe wollen erreichen, dass die Vorschriften geändert werden, so dass im Wald auf natürliches Material zurückgegriffen werden muss, wie es bei den Kreisforsten bereits gehandhabt wird. „Dort wird mittlerweile solcher Schutt nicht mehr angewendet“, berichtet Laura Schwabe.

Asphaltreste von Straßenbauarbeiten als Auslöser

Auf die Situation aufmerksam geworden ist Kalke, als er im vergangenen Jahr mit dem Rad durch den Kröppelshagener Wald nach Escheburg fuhr. Damals sprangen ihm die Asphaltreste von Straßenbauarbeiten auf den Wegen ins Auge. Eine Anwältin reichte später auf eigene Faust Klage ein. Vor kurzem wurde die Sache entschieden. Asphalt und Schutt zur Ertüchtigung der Waldwege sind legal, die Zwischenlagerung auf Halden im Wald nicht. Sie müssen bis Ende September entfernt werden.

Der Müll im Schutt war dann so etwas wie ein Themen-Beifang für die Grünen. „Es ist doch ein absurder Kreislauf“, meint Jens Kalke. „Wir bringen den Kindern bei, Müll zu sammeln, und dann wird er so wieder ausgebracht.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Geesthacht