Corona

Für das Land sind Luftfilter nur heiße Luft

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Dirk Palapies
Susanne Voges dachte, mit der Anschaffung  von vier Luftfiltern für insgesamt 14.000 Euro, hier ist eines der Filter zu sehen, einen Weg gefunden zu haben, mehr Gäste in das SmuX zu lassen und Tanz-Events organisieren zu können. Sie hatte die Rechnung ohne das Land gemacht.

Susanne Voges dachte, mit der Anschaffung von vier Luftfiltern für insgesamt 14.000 Euro, hier ist eines der Filter zu sehen, einen Weg gefunden zu haben, mehr Gäste in das SmuX zu lassen und Tanz-Events organisieren zu können. Sie hatte die Rechnung ohne das Land gemacht.

Foto: Dirk Palapies

Ärger um Anschaffung von Luftfiltern für eine Kultureinrichtung: 14.000 Euro investiert, aber null Rendite für das SmuX.

Geesthacht.  Susanne Voges ist sauer. Die Betreiberin der Geesthachter Kultureinrichtung SmuX an der Lichterfelder Straße dachte, sie hätte alles richtig gemacht. Mit Blick auf den nächsten Winter hat sie im April vier große Luftfilter angeschafft. Die Geräte reichen ihr bis zur Schuler. „Selbstreinigend mit Hapa H14 Filtertechnik, Stückpreis 3500 Euro. High-End“. Nur: Sie hat nichts davon. Weder darf sie mehr Gäste einlassen, noch Tanz-Events ausrichten.

„Nicht, solange es nicht in der Landesverordnung steht. Darauf warte ich jeden Monat. Aber Luftfilter und Luftreinigung kommen einfach nicht vor“, berichtet sie.

Luftfilter sollten die Gäste vor Corona-Infektion schützen

Finanziert wurden die leistungsfähigen Geräte über ein Förderprogramm des Bundes. Für die Anschaffung von Luftreinigern gibt Berlin eine finanzielle Förderung bis zu 100 Prozent im Rahmen der Überbrückungshilfen. Der Anteil ergibt sich aus dem Umsatzeinbruch vergangener Monate. Im Frühjahr dachte Susanne Voges: wenn sie eine Förderung erhält, dann macht es auch Sinn.

„Mir war klar, dass die Infektionen nach den Urlaubsreisen wieder Fahrt aufnehmen. Wenn solche Luftfilter mit Steuergeld gefördert werden, erwarte ich, dass die auch in der Landesverordnung berücksichtigt werden.“

Bund fördert Filter, in der Landesverordnung spielen sie keine Rolle

Für das SmuX geht es um bares Geld. Je mehr Menschen ein Konzert besuchen dürfen, desto höher der Umsatz. Denn Eintrittsgeld wird nicht erhoben, verdient wird am Essen- und Getränkeverkauf. Die Künstler werden über eine Hutumlage finanziert. Je weniger Zuhörer, desto schmaler ihr Salär.

„Tanzveranstaltungen sind im Etat eine wichtige Säule“, berichtet Susanne Voges. Bis zur Corona-Pause gab es alle zwei Monate einen Discoabend im SmuX. Susanne Voges steht in Kontakt mit der Aumühler CDU-Landtagsabgeordneten Andrea Tschacher. Diese hat ihre Anfragen weitergeleitet. Bisher ergebnislos.

Die Open-Air-Saison lief schlecht für das SmuX

Erlaubt sind Open-Air-Konzerte, für die man sich im Vorfeld anmelden muss. Doch die Saison lief schlecht. „Bei Regen müssen wir absagen. Von sieben geplanten Veranstaltungen fielen fünf wegen des Wetters aus. Auch die mit Abi Wallenstein und Kurt Buschmann mit 110 gebuchten Zuschauern“, sagt Susanne Voges. Um so wichtiger sei für sie, das Winterhalbjahr zuverlässig planen zu können.

„Ich habe die ersten Anfragen für eine Silvesterparty.“ Die Luftfilter sollen bisherige Maßnahmen nicht ersetzen, sondern ergänzen. „Alles bringt was“, meint Susanne Voges. „Es ist wie bei den Käsescheiben eines Emmentalers. Jede einzelne hat Löcher. Aber wenn du fünf davon versetzt übereinanderlegst, kannst Du nicht mehr durchgucken. Da geht irgendwann auch in Sachen Ansteckung nichts mehr.“

Geräte filtern die Raumluft des Saals in einer Stunde bis zu zwölfmal

Teilnehmen etwa darf, wer geimpft oder genesen ist (2G-Regel). „Da mache ich mir bei unserem Publikum keine Sorgen“, sagt sie. „Alle Gäste, die sich für die bisherigen Veranstaltungen angemeldet hatten, waren bis auf drei geimpft.“ Bei Konzerten könnten die großen „Superfilter“ auf voller Leistung laufen, bei der Geräuschkulisse wäre das kein Problem. Wenn alle vier laufen, filtern sie die gesamte Raumluft des Saals in einer Stunde bis zu zwölfmal.

Bei Goldschmiedeworkshops hat Voges sie zum Geräuschtest auf halber Kraft mitlaufen lassen. Obwohl leise und konzentriert gearbeitet wurde, störte sich niemand am Rauschen im Hintergrund.

Berliner Verwaltungsgericht hat Verbote von Tanzveranstaltungen gekippt

In Berlin hat das Verwaltungsgericht generelle Verbote von Tanzveranstaltungen gekippt. Das Verbot gewerblicher Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen auch für geimpfte und genesene Personen wurde per Eilbeschluss als unverhältnismäßig beanstandet.

Die wichtigsten Varianten des Coronavirus im Überblick

Nach Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO werden die Varianten des Coronavirus nicht mehr nach den Staaten benannt, in denen sie zuerst nachgewiesen wurden, sondern nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. So soll eine Stigmatisierung beispielsweise von Ländern wie Großbritannien oder Indien verhindert werden, in denen besonders ansteckende Virusmutationen zuerst nachgewiesen wurden.

Derzeit gelten vier Formen des Coronavirus als besorgniserregend ("Variants of Concern"):

  • Alpha: Die im September 2020 zuerst in Großbritannien nachgewiesene Variante B.1.1.7, die das ursprüngliche Coronavirus fast vollständig verdrängt hat.
  • Beta: Eine Form des Coronavirus, die im Mai 2020 in Südafrika entdeckt wurde, wissenschaftliche Bezeichung: B.1.351, B.1.351.2, B.1.351.3
  • Gamma: Die zunächst in Brasilien im November 2020 nachgewiesene Mutation P.1 und ihre Subformen P.1.1 und P.1.2
  • Delta: Die Corona-Variante B.1.617.2 (und ihre Subformen AY.1, AY.2, AY.3), zuerst im Oktober 2020 in Indien gefunden

Außerdem beobachtet die WHO weitere vier Mutationen als bedeutsame "Variants of Interest" :

  • Eta: Wissenschaftliche Bezeichung B.1.525, im Dezember 2020 in diversen Staaten nachgewiesen
  • Iota: B.1.526, im November 2020 in den USA entdeckt
  • Kappa: B.1.617.1, im Oktober 2020 erstmals in Indien nachgewiesen
  • Lambda: C.37, im Dezember 2020 in Peru entdeckt

Geklagt hatte eine Diskotheken-Betreiberin. Die Infektionen von Geimpften und Genesenen auf das gesamte Infektionsgeschehen hätten sehr überschaubare Auswirkungen, so die Richter. Susanne Voges fühlt sich durch das Urteil bestätigt. „Es gibt keine Grund mehr, Geimpften Rechte vorzuenthalten“, sagt sie.

Das Gesundheitsministerium in Kiel bleibt hart

Den Klageweg will sie nicht beschreiten. „Ich habe die schleswig-holsteinische Mentalität: erst mal abwarten. Man reibt sich ja sonst auf. Die Frustration ist groß. Es kommt die dritte Welle, es kommt die vierte Welle und nichts passiert. Da raufst du dir die Haare.“

Dabei wird es vorerst wohl auch bleiben: Auf Anfrage der Redaktion verweist das zuständige Gesundheitsministerium in Kiel auf Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz. Die sähen 3G und ein Hygienekonzept einschließlich regelmäßiges Lüften von Innenräumen vor. Vorkehrungen, die über die Forderungen ans Hygienekonzept hinausgehen, könne der Veranstalter im „Rahmen des Hausrechts festlegen. Diese verschaffen aber keine Erleichterungen von den Vorgaben der Verordnung“.

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