Wasserstoff

Geesthacht bekommt einen Hafen für Zukunftstechnologien

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Dirk Palapies
Der Wasserstoffhafen (Kreis) soll in Nachbarschaft zum Mischwerk der Deutag entstehen. Er wird entwickelt vom Geesthachter Helmholtz-Zentrum Hereon, der Stadt und vom DLR-Institut für maritime Energiesysteme als möglichem Betreiber der Hafenanlage

Der Wasserstoffhafen (Kreis) soll in Nachbarschaft zum Mischwerk der Deutag entstehen. Er wird entwickelt vom Geesthachter Helmholtz-Zentrum Hereon, der Stadt und vom DLR-Institut für maritime Energiesysteme als möglichem Betreiber der Hafenanlage

Foto: Stadt Geesthacht

Das Ziel wird konkreter: Erstmals ist ein Zeitplan für den Bau eines Wasserstoffhafens in Geesthacht vorgestellt worden.

Geesthacht. Da haben die Beteiligten sich etwas vorgenommen: 2025 soll der Geesthachter Wasserstoffhafen eröffnet werden. „Man muss sich ja Ziele setzen“, meinte Geesthachts Wirtschaftsförderer Andreas Dreyer während der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Energie, dem der Stand der Planung vorgestellt wurde.

Der Fahrplan: 2021 fallen an Kosten- und Planungsstudie, Fördermittelbeantragung und Finanzierungsplan, Rechts- und Betriebsstrukturen. 2022 folgt die Bauplanung und die Bauanträge, 2023 wird die Bauphase eingeläutet, die 2025 abgeschlossen wird.

Geesthacht: Wasserstoff gilt als Antrieb der Zukunft

„Ich gebe zu, das ist sportlich gerechnet“, sagte Dreyer. „Im September wollen wir die Projektphase der Öffentlichkeitsarbeit abschließen und gehen in die zweite Stufe.“ Dann sollen Mittel akquiriert werden für die Machbarkeitsstudie.

„Wir wollen wissen: ,Worüber reden wir hier?’“, meint Dreyer bezüglich der benötigten Summen. „Das können wir bisher schlecht abschätzen. Wir haben sehr gute Chancen, dass wir nicht ins Portemonnaie greifen müssen, weil Fördermitteln fließen könnten.“

Wasserstofftankstelle, die für Schiffe und Straßenfahrzeuge nutzbar ist

Der Wasserstoffhafen soll genutzt werden für künftige Forschungsschiffe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Helmholtz-Zentrums Hereon. Die noch zu bauende „Ludwig Prandtl II“ soll hier einen Liegeplatz bekommen und das DLR will Schiffe entwickeln, die mit Wasserstoff fahren und auch Wasserstoff transportieren können. Als Forschungsplattform könnten Wissenschaftler im realen Betrieb testen, was im Labor erfunden wurde.

Außerdem soll in Geesthacht Deutschlands erste Wasserstofftankstelle für Schiffe entstehen, an der auch Lkw betankt werden können. In Antwerpen hat gerade die erste Wasserstofftankstelle der Welt für Straßenfahrzeuge und Schiffe, auch multimodale Wasserstofftankstelle genannt, ihren Betreib aufgenommen.

Gute Lage im Dreiländereck Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen

„Ich bin auch einer der Koordinatoren des Handlungsfeldes multimodale Wasserstofftankstelle. Wir sind dabei, besondere Orte zu identifizieren, und Geesthacht ist so ein besonderer Ort“, erläuterte Prof. Dr. Thomas Klassen vom Helmholtz-Zentrum Hereon die Vorzüge des Standortes.

Zur günstigen Lage im Dreiländereck Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen käme, dass es einige Firmen gäbe, die das neue Verfahrenausprobieren wollten, berichtete der Leiter im Institut für Werkstoffforschung dem Ausschuss.

Wasserstoff muss importiert werden

Eine gewichtige Bedeutung soll der Hafen bekommen als regionales Verteilungszentrum für Wasserstoff. Der Wasserstoff soll im Ausland aus Windkraft erzeugt werden, vor Ort transportfähig gemacht – flüssig oder als Gas – und mit autonom und grüner Energie fahrenden Transportschiffen im Hamburger Hafen angelandet und mit Binnenschiffen nach Geesthacht gebracht werden.

Der Idee, den nötigen Wasserstoff gleich selbst in Geesthacht und Umgebung mittels Windkraft und Photovoltaik zu produzieren, erteilte Prof. Dr. Klassen eine Absage. „Wir werden nicht ohne Importe auskommen. Wir werden es in Deutschland nicht hinbekommen, unseren Bedarf zu decken.“

Standort ist als Binnenhafen im Flächennutzungsplan vorgesehen

Auch über die weiteren am Projekt beteiligten Unternehmen und Organisationen gibt es Klarheit. Es sind die Hamburg Port Authority, Shell, Vattenfall, hySolutions, B.Dettmer Reederei, ECap Marine, H-tec Systems aus Braak, Clean Logistics aus Winsen, die Metropolregion Hamburg, aus Geesthacht die Stadtwerke, Stühff Maschinen- und Anlagenbau von der Mercatorstraße und die Deutag Nord, bei deren Mischwerk am Schleusenkanal die Hafenanlage entsteht. Der Standort ist als Binnenhafen im Flächennutzungsplan vorgesehen.

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