Geesthacht

Neues Angebot: Wie Yoga Krebskranken helfen kann

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Isabella Sauer
Ab August wird im Johanniter Krankenhaus ein Yoga-Kursus für Menschen mit Krebserfahrungen angeboten. Trainerin Silke Ulmer und Dr. Klaus von Oertzen, Chefarzt der Frauenklinik, sind froh, dass es nun losgehen kann.

Ab August wird im Johanniter Krankenhaus ein Yoga-Kursus für Menschen mit Krebserfahrungen angeboten. Trainerin Silke Ulmer und Dr. Klaus von Oertzen, Chefarzt der Frauenklinik, sind froh, dass es nun losgehen kann.

Foto: Isabella Sauer

Im Johanniter Krankenhaus gibt es einen neuen Kursus für Krebspatienten. Sie sollen daraus wieder Kraft schöpfen.

Geesthacht. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum erkranken in Deutschland jedes Jahr knapp 500.000 Menschen an Krebs. Zu den drei häufigsten Tumoren bei Krebsneuerkrankungen bei Frauen gehören die Brustdrüse, der Darm und die Lunge. Bei Männern sind besonders häufig die Prostata, die Lunge und der Darm betroffen. Auch Silke Ulmer aus Curslack erhielt vor drei Jahren die Diagnose Krebs. Eine Nachricht, die sie „umhaute“ und „aus der Bahn geworfen hat“. Doch viel Kraft in dieser schwierigen Zeit gab ihr Yoga. Nun möchte sie anderen Menschen mit Krebserfahrung helfen, denn Studien zeigen, dass eine regelmäßige Yogapraxis Nutzen in verschiedenen Bereichen hervorbringen kann.

Yoga in Geesthacht für Krebskranke

Die 54-Jährige praktiziert seit mehr als 20 Jahren Yoga, seit 2017 unterrichtet sie selbst. Vor drei Jahren machte sie eine Weiterbildung zum Thema Yoga und Krebs bei Gaby Kammler, die als Kompetenz auf diesem Feld gilt. „Bevor ich selbst erkrankte, erhielt eine gute Freundin von mir die Diagnose Brustkrebs. Im Krankenhaus wurde ihr damals davon abgeraten, weiter Yoga auszuüben. Das wollte ich dann genauer wissen“, erinnert sich Silke Ulmer. Nach viel Recherche kam sie zu einem ganz anderen Ergebnis und entschloss sich zur Weiterbildung.

Im August ist es nun soweit: Silke Ulmer kann endlich einen ersten Yoga- und Krebs-Kursus im Johanniter Krankenhaus anbieten. Die Coronapandemie hatte den Start herausgezögert. „Ursprünglich wollten wir vergangenen März damit starten. Jetzt ist es endlich soweit“, sagt Silke Ulmer und schaut dabei zu Dr. Klaus von Oertzen, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. In einem persönlichen Gespräch werden noch einmal die Einzelheiten für das neue Angebot besprochen, das am Montag, 2. August, beginnt. „Jeden Montag von 18.15 Uhr bis 19.15 Uhr findet die Yoga-Stunde statt. Eine Schnupperstunde ist kostenlos“, sagt Silke Ulmer.

Krebspatienten brauchen weiteres Hilfsmittel

Ihre Idee, einen eigenen Kursus im Johanniter Krankenhaus anzubieten, hatte Dr. Klaus von Oertzen von Anfang an gut gefallen. Er ist sich sicher, Yoga hilft Krebspatienten. Schon häufig hätten Betroffene nach Yoga gefragt, da sie davon gehört hätten. „Es ist wichtig, dass wir unseren Patienten ein weiteres Hilfsmittel an die Seite stellen und sie nach der Behandlung nicht alleinlassen“, sagt der Mediziner. Durch Yoga könnten viele Patienten wieder mehr entspannen und einen besseren Umgang mit ihrer Krankheit erlernen.

Dr. von Oertzen verweist auf eine Abhandlung von Dr. Suzanne Danhauer und Kollegen von der Wake Forest School of Medicine in Winston-Salem (USA). Insgesamt werteten die Wissenschaftler 29 zufällig kontrollierte Studien zum Einfluss von Yoga auf das Befinden erwachsener Krebspatienten aus. In fünf von sechs Studien zeigten sich positive Effekte einer Yogapraxis während der Krebstherapie. Dies betraf hauptsächlich die Bereiche des körperlichen, emotionalen, sozialen und kognitiven Wohlbefindens. „Auch die Fatigue, ein Gefühl von anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit, soll bei den Krebspatienten in fünf von acht Untersuchungen signifikant abgenommen haben. Oft ergaben sich auch Verbesserungen beim Stressempfinden“, weiß Dr. von Oertzen.

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Silke Ulmer, die in den vergangenen Monaten auch Yoga-Einzelstunden gegeben hat, kann dies bestätigen. „Meine Teilnehmer wurden durch Yoga wieder ausgeglichener und das führte zum Beispiel zu besserem Schlaf.“ Häufig sei es so, dass Menschen mit der Diagnose Krebs in eine passive Rolle gedrängt und behandelt werden, sagt sie. Yoga könne dazu beitragen, wieder in das Handeln zu kommen.

Yoga-Unterricht wird individuell auf Behandlungsstand abgestimmt

Am Yoga-Unterricht kann jeder teilnehmen, unabhängig davon, ob jemand gerade erst die Diagnose Krebs erhalten hat, in Behandlung ist oder nach Abschluss der Behandlung wieder zu neuer Kraft zurückfinden möchte. Wichtig zu wissen: Bei diesem Kursus werden die unterschiedlichen Stadien der Therapie wie Chemotherapie, Bestrahlung oder Rehabilitation berücksichtig. „Nicht jede Übung kann jeder gleich ausüben, darauf wird individuell eingegangen“, so Silke Ulmer.

Wer sich für den Yoga- und Krebs-Kursus interessiert, kann sich bei Silke Ulmer per E-Mail an enjoYoga@SilkeUlmer.de oder unter Telefon 0177/491 42 91 melden. Weitere Infos auch unter www.SilkeUlmer.de. Eine vorherige Kontaktaufnahme ist wichtig, um über alle medizinisch wichtigen Informationen zur Krebserkrankung zu sprechen. Neben körperlichen Übungen, werden auch Atemübungen praktiziert. Hinzu kommen Meditationen und Entspannungsübungen.

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