Umweltfrevel

Hat Geesthacht ein Müllproblem? Grüne wollen Kampagne

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Dirk Schulz
Obwohl der Mülleimer in direkter Nähe ist, haben es unbekannte Umweltfrevler am Feldherrenhügel nicht geschafft, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

Obwohl der Mülleimer in direkter Nähe ist, haben es unbekannte Umweltfrevler am Feldherrenhügel nicht geschafft, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

Foto: Dirk Schulz

Im gesamten Stadtgebiet wimmelt es von Plastik und Einwegverpackungen. Die Politik will jetzt zunächst das Umweltbewusstsein schärfen.

Geesthacht. Geschenkpapier, Luftschlangen und Happy-Meals-Behälter von McDonald’s – es war offensichtlich ein Kindergeburtstag, der am Sonnabend zwischen 15.30 und 17.30 Uhr am Feldherrenhügel bei Geesthacht gefeiert wurde. Mit Umweltbewusstsein hatten die Anwesenden nicht viel am Hut. Jedenfalls ließen sich ihren Müll einfach an Ort und Stelle liegen – wohlgemerkt in unmittelbarer Nähe eines Abfalleimers.

Kein Bewusstsein für die Umwelt und die eigenen Hinterlassenschaften – das ist den Grünen ein Dorn im Auge. „Wer mit offenen Augen durch das Stadtgebiet geht, entdeckt leider an jeder Ecke herumliegenden Müll, Zigarettenkippen und Hundekot oder Hundebeutel.“ Mit diesen Worten leiteten die Grünen ihren Antrag für ein „Sauberhaftes Geesthacht“ ein, den die Partei auf der vergangenen Ratsversammlung gestellt hat.

„Sauberhaftes Geesthacht“: Grünen-Fraktion will gegen Müllproblem vorgehen

Unter dem gleichen Motto stand bereits eine Müllsammelaktion im Frühjahr 2020, die die Grünen jetzt als Kampagne für eine saubere Stadt wieder aufleben lassen wollen: mit Plakaten, Schildern, Aufklärungsarbeit und einem Werbespot für das KTS-Kino.

„Wir haben eine Hochjunktur durch Vermüllung“, pflichtete Rüdiger Tonn von der FDP bei und berichtete von eigenen Beobachtungen am Heuweg. „Wenn ein Mieter aus den Vonovia-Wohnungen auszieht, wird oft der Sperrmüll an der Straße zurückgelassen“, sagte der Ratsherr.

85 Tonnen Müll sind allein im vergangenen Jahr zusammengekommen

Mit dem Thema „Müll“ sind in Geesthacht mehrere Partner beschäftigt: Der Städtische Betriebshof entleert die Papierkörbe – im Stadtgebiet sind das immerhin 410, dazu kommen 58 Hunde-Stationen – und sammelt den umliegenden Müll mit ein. Das händische Müllsammeln im Stadtgebiet übernimmt die Beschäftigungsförderungsgesellschaft (BfG). Für Aktionstage ist der Fachdienst Umwelt der Stadtverwaltung zuständig.

Die Städtischen Betriebe haben im vergangenen Jahr allein für die Entsorgung von Papierkorb-Abfällen rund 18.800 Euro ausgegeben. Dabei sind 85 Tonnen Müll zusammengekommen.

Häufig findet sich der achtlos weggeworfene Müll an Hauptverkehrswegen

Darüber hinaus sammelt die BfG seit mehr als 20 Jahren Müll im Stadtgebiet. Die Mengen schwanken zwischen 20 und 25 Tonnen, deren Entsorgung rund 4000 Euro kostet.

Die Haupteinsatzgebiete liegen im Umfeld der Recyclingplätze für Altglas und Altpapier, am Menzer-Werft-Platz, Am Schleusenkanal, Richtweg, Hansastraße, Elbuferstraße sowie Fahrendorfer Weg und an der Elbe. „Das sind häufig die Hauptverkehrswege und verdeutlicht, dass der Müll gern im Vorbeifahren hinterlassen wird, oder von Fußgängern ,verloren’ wird“, gibt Stadtsprecherin Wiebke Jürgensen zu bedenken.

Schäden für Umwelt, Tierwelt und den Menschen durch Mikroplastik

Die Schäden für die Umwelt, die Tierwelt und auch für uns Menschen durch Mikroplastik sind verheerend“, ergänzt Grünen-Ratsherr Timo Kohnert. Laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) belief sich das Aufkommen an Einwegverpackungen im Jahr 2017 auf 350.000 Tonnen. Das ist ein Anstieg um 44 Prozent seit 1994.

Von den Zahlen aus dem Jahr 2017 entfallen 19 Prozent auf Privathaushalte, der meiste Teil stammt jedoch aus der sogenannten Systemgastronomie wie den Fast-Food-Ketten. Eine einzige McDonald’s-Filiale fabriziert pro Jahr allein 52 Tonnen Abfall.

Müll vom Kindergeburtstag am Feldherrenhügel noch am Sonntag entfernt

Den Grünen-Antrag in der Ratsversammlung entgegneten die übrigen Fraktionen im Prinzip mit Zustimmung. „Einige Punkte greifen aber zu kurz“, fand Rüdiger Tonn. Wie die Politiker den Bürgern zu einem besseren Umweltverständnis verhelfen können, wollen sie zunächst ausführlich im Umwelt- und Energieausschuss besprechen.

Der Müll am Feldherrenhügel wurde übrigens bereits am Sonntag von einem Mitarbeiter des Betriebshofs auf seiner üblichen Tour entlang der touristischen Hotspots entfern.

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