Kinderbetreuung

Grüne wollen vierte städtische Kita in Geesthacht

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Dirk Palapies
Kita-Plätze sind begehrt. Hier beschäftigen sich Kinder in der Lauenburger Kita Wabe als kleine Tüftler.

Kita-Plätze sind begehrt. Hier beschäftigen sich Kinder in der Lauenburger Kita Wabe als kleine Tüftler.

Foto: Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

Die bisherigen Anstrengungen reichen der Fraktion nicht aus. Eltern aus Geesthacht fordern mehr Planungssicherheit.

Geesthacht. Das Thema müsse Priorität eins bekommen, forderte der Fraktionsvorsitzende Ali Demirhan bereits vor dem von seinen Geesthachter Grünen organisierten Kita-Gipfel Anfang März Mindestens 500 Betreuungsplätze fehlen in der Stadt Geesthacht, hatte eine Anfrage an die Verwaltung ergeben. Die Grünen bleiben weiter hartnäckig.

Die Fraktion schlägt nun eine neue städtische Kindertagesstätte in Geesthacht vor. Zur nächsten Ratsversammlung am 7. Mai wird ein Antrag eingebracht, in dem ein Grundsatzbeschluss dafür gefasst werden soll. Die Stadt betreibt bislang das Familienzentrum Regenbogen, die Kita am Heuweg und den Waldkindergarten „Die Trolle“ in Grünhof-Tesperhude.

Geesthachts Grüne wollen eine neue städtische Kita

„Es ist eine falsche Annahme, dass ein städtischer Kindergarten die Bürger automatisch mehr Geld kostet als die anderen“, sagt Ratsmitglied Jens Kalke von den Grünen. Er verweist auf Zahlen aus dem jüngsten Haushalt. Als Abgleich für die nicht-städtischen Kitas wird die Summe von 7,51 Millionen Euro aufgeführt, für das Familienzentrum Regenbogen 1,018 Millionen, für die Kita Heuweg 242.000 Euro. Die Ausgaben können sich je nach Investitionsbedarf jährlich ändern.

„Die bisherigen Planungen reichen nicht aus. Eine neue städtische Kita kann einen wichtigen Beitrag leisten. Ihr Vorteil ist der direkte Einfluss der Kommunalpolitik auf ihre Realisierbarkeit“, so Jens Kalke. Zudem gebe es einen großen Nachbesserungsbedarf bei Integrationsplätzen.

Viele Kinder stehen auf der Kita-Warteliste

Svitlana Ejne und Tobias Bock gehören zu den Eltern, die als Teilnehmer des Kita-Gipfels sehr genau zugehört haben. Die beiden werden mit ihren Familien in diesem Frühjahr und Sommer aus Neuallermöhe und Reinbek ins Besenhorster Neubaugebiet ziehen. Einen Kita-Platz haben sie nicht, die Kinder stehen beide erst auf der Warteliste.

Was es für Familien, die nach Geesthacht ziehen, besonders schwer macht: Sie müssen Plätze suchen, obwohl sie noch nicht in Geesthacht gemeldet sind. „Ich habe bereits im fünften Schwangerschaftsmonat Kitas angeschrieben, sagt Svitlana Ejne. „Mir haben Kita-Leiterinnen gesagt, dass es nicht leicht wird. Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass es so schwer ist. Es gibt keinen Tag, an dem man das nicht im Kopf hat. Ich habe eine Excel-Tabelle angelegt, um den Überblick zu behalten, wo ich schon überall angerufen haben.“

Anspruch auf Kita-Platz – 13 Klagen von Eltern

Die Tochter ist 15 Monate alt, sollte zum 1. Februar in eine Kita gehen. Svitlana Ejnes Mann arbeitet in Geesthacht, hätte die Kleine gebracht und abgeholt. Beide Eltern sind voll berufstätig. Die Zeitspanne, bis es vielleicht einen Platz gibt, wird familiär überbrückt. Eine der Omas nimmt für ein Jahr Sonderurlaub. Aber dann?

Eine Klage gegen den verantwortlichen Kreis will Svitlana Ejne nicht anstreben, obwohl ein Anspruch auf einen Kita-Platz besteht. Kreissprecher Tobias Frohnert weiß von 13 Verfahren, die Eltern angestrengt haben. Meistens bekommen diese Recht – aber trotzdem keinen Platz. „Kita-Plätze entstehen nicht durch ein Urteil“, sagt Frohnert. In einigen Fällen musste der Kreis Schadensersatz zahlen, wenn Eltern finanzielle Einbußen nachweisen konnten.

"Den Eltern wird keinerlei Sicherheit gegeben"

Der Sohn von Tobias Bock ist acht Monate alt, soll im August nächsten Jahres in die Kita, so die Planung der Eltern. Immer im Februar werden die Benachrichtigungen versendet, ob es mit einem Platz geklappt hat. Svitlana Ejne und Tobias Bock wünschen sich mehr Transparenz, dass es für Eltern ersichtlich werde, auf welchem Platz auf der Warteliste man sich befinde.

Tobias Bock findet zudem die Zeitspanne von der Benachrichtigung über die Zuteilung eines Platzes bis zur Aufnahme oder eben Nicht-Aufnahme im August knapp, um einen Plan B im Falle einer Absage zu entwickeln. „Ich arbeite in der Logistik“, sagt er. „Ich finde, es ist nicht zu viel verlangt, wenn es eine frühere Planbarkeit gibt. Den Eltern wird hier keinerlei Sicherheit gegeben.“

Jens Kalke nimmt die Anregungen auf, er will diese im Sozialausschuss diskutieren.

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