Politik

Geesthacht: Schulterschluss soll Bahnanbindung fördern

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Kai Vogel ist verkehrspolitischer Sprecher der SPD im schleswig-holsteinischen Landtag und Vorsitzender der Metropolregion.

Kai Vogel ist verkehrspolitischer Sprecher der SPD im schleswig-holsteinischen Landtag und Vorsitzender der Metropolregion.

Foto: Privat / Philip Haeniche

99 weitere Projekte konkurrieren mit der Reaktivierung der Strecke Geesthacht-Bergedorf. Kiel will höchsten Kosten/Nutzen-Effekt.

Geesthacht/Kiel. Ohne anhaltenden politischen Druck hat die geforderte Reaktivierung der Bahnstrecke Geesthacht–Bergedorf (plus eine Direktanbindung bis zum Hamburger Hauptbahnhof) nur überschaubare Chancen. So groß die Unterstützung in Geesthacht ist, die Trasse steht in Konkurrenz zu 99 weiteren Projekten, die in Schleswig-Holstein untersucht wurden. Das erläuterte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Kai Vogel, in einer Online-Konferenz mit rund 30 Teilnehmern.

Vogel übte zugleich Kritik an Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Der Landesminister habe bislang „allein Fahrgastzuwächse als wichtigstes Kriterium“ definiert. „Die Frage, ob eine wichtige Stadt wie Geesthacht mit der größten Forschungseinrichtung des Landes und der Südosten Schleswig-Holsteins durch Bahnanbindung besser an Hamburg angeschlossen werden, interessiert bisher eher nicht. Meines Erachtens greift dies zu kurz“, so Vogel.

Bahnanbindung Geesthacht-Bergedorf: Mehr politischer Druck notwendig

Geesthachts Bürgermeister sowie Kommunalpolitiker von SPD und Grünen machten sich erneut für den gewünschten Bahnanschluss stark: Die vergangenes Jahr abgeschlossene Machbarkeitsstudie zeige, „dass zwei Varianten richtig gute Kosten-/Nutzenergebnisse versprechen“, so Geesthachts Rathauschef Olaf Schulze (SPD). Die konkreten Zahlen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung stehen allerdings noch aus. Bislang wurden die Fahrgastzahlen zweier Varianten prognostiziert sowie die Kosten für die Wiederinbetriebnahme der Bahntrasse und für den laufen Betrieb. Anders als für den von den Kreisen zu verantwortenden Busverkehr müsste das Land in die Kasse greifen.

„Wir brauchen nach der Prüfung der 100 Projekte zunächst eine Priorisierung“, fordert die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Bockey. Erst danach folgten die Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die als vordringlich ausgewählten Vorhaben. „Diese Berechnungen für alle denkbaren Vorhaben anzustellen, wäre einfach zu teuer.“

Viele Menschen zum Umsteigen vom Auto in den ÖPNV bewegen

Das Verfahren stehe erst am Anfang, betont die Geesthachter Politikerin, „es sollte niemand glauben, dass wir in den nächsten fünf Jahren den ersten Spatenstich erleben.“ Und der sei auch kein Selbstgänger: Im Vergleich zur Strecke Geesthacht–Bergedorf erreiche etwa der Ausbau der S 21 nach Kaltenkichen wesentlich mehr Fahrgäste.

Die beauftragte Gesellschaft solle klären, welche Projekte das Ziel erreichen, möglichst viele Menschen zum Umsteigen vom Auto in den ÖPNV zu bewegen, heißt es dazu aus dem Kieler Wirtschaftsministerium. „Welche Projekte erzielen je eingesetzten Euro die meisten zusätzlichen Personenkilometer“, so Staatssekretär Thilo Rohlffs.

„Wir werden nur gemeinsam etwas werden, brauchen den politischen Schulterschluss in der Region“, sagt Petra Burmeister, SPD-Fraktionschefin in Geesthacht: „Dass es in Hamburg jetzt einen Grünen-Verkehrssenator gibt, ist sicherlich nicht hinderlich.“

( he/dsc )

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