Einmal pro Woche

Schüler im Norden können sich jetzt selbst testen

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Dirk Schulz
Szene aus dem Erklärvideo der Firma Roche, das die Ausführung des Selbsttest erläutert.

Szene aus dem Erklärvideo der Firma Roche, das die Ausführung des Selbsttest erläutert.

Foto: Fa. Roche S

Da die Teilnahme an dem einmal pro Woche kostenlosen Angebot freiwillig ist, bleibt die Wirksamkeit der Maßnahme fraglich.

Geesthacht. Um Schulen auch bei höheren Inzidenzen offen halten zu können, spielen Selbsttests eine entscheidende Rolle. Ab dem heutigen Montag können sich Schüler in Schleswig-Holstein deshalb einmal pro Woche selbst unter Aufsicht der Lehrer auf Corona testen. Eine gute Idee, die allerdings wie so manche Entscheidung in der Pandemie nicht zu Ende durchdacht wirkt. Es hakt an mehreren Punkten.

Die Durchführung

Lehrer dürfen bei den Tests nicht helfen. Für die korrekte Anwendung steht ein Erklärvideo des Herstellers zur Verfügung. Allerdings gibt es Schritte, die gleichzeitig durchgeführt werden müssen: Den Tupfer viermal in jedem Nasenloch kreiseln lassen, mit einer Hand das Röhrchen mit der Extraktionslösung öffnen, dieses vorsichtig zusammendrücken, den Tupfer dabei darin zehnmal drehen und später genau vier Tropfen auf das Testfeld träufeln. „Ich frage mich, ob das alle Erstklässler hinbekommen“, sagt Nicole Voss, die Vorsitzende des Schulelternbeirats der Grundschule in der Oberstadt (GidO).

„Es kommt immer darauf an, wie ich es meinem Kind verkaufe“, findet Carolin Kreutzer. Beide haben an der GidO Kinder in der vierten Klasse, die selbst gesagt haben, dass sie den Test machen wollen. „Nur so können wir uns helfen, hat meine Tochter Mathea gesagt“, berichtet Nicole Voss.

Die Freiwilligkeit

Bei den Testungen handelt es sich jedoch um ein freiwilliges Angebot. Eltern müssen zwingend eine eng beschriebene, in Behördendeutsch verfasste, vierseitige Einverständniserklärung unterschreiben. „Wer Deutsch nicht als Muttersprache hat, für den könnte das ein Hindernis sein“, vermutet GidO-Schulleiterin Ulrike Wulff.

Nicole Voss hat bereits von einigen Eltern Bedenken gegen die Tests vernommen. Vor allem gegen eine möglicherweise fehlerhafte Durchführung und wegen Vorbehalten gegen des Datenschutzes. So müssen sich Schüler unmittelbar nach dem Test in Quarantäne begeben. Die Schüler werden also wissen, wenn ein Klassenkamerad einen positiven Selbsttest hatte.

Voss teilt diese Bedenken nicht. „Es geht doch darum, die symptomlosen Positivfälle zu entdecken und dass diese nicht unbewusst Corona weiter verbreiten“, sagt Voss. Und Carolin Kreutzer ergänzt: „Es ist besser, als nichts zu tun. So könnten sie auch endlich die Klassen 7, 8, 11 und 12 in die Schule zurückholen, die derzeit noch weniger Homeschooling haben, weil die Lehrer im Wechselunterricht keine Zeit für Online-Konferenzen haben.“

In Österreich, wo die Selbsttests für die 1,1 Millionen Schüler einmal pro Woche verpflichtend sind, wurden in den ersten drei Wochen nach der Schulöffnung (8. bis 26 Februar, die Red.) 1500 Schüler positiv auf das Virus getestet. In 80 Prozent der Fälle bestätigte ein PCR-Test das Resultat. Auch in Deutschland müssen sich Schüler nach einem positiven Selbsttest sofort in Quarantäne begeben und das Resultat mittels PCR-Labortest überprüfen lassen.

Die Praktikabilität

„Wir Schulen sind mit der Sache wieder relativ allein gelassen worden“, betont Jan Kunze, stellvertretender Schulleiter am Otto-Hahn-Gymnasium. Da das OHG keine Erfahrung hat, wie lange ein Selbsttest in einer Klasse dauert und laut Ministeriumsanweisung auch der Unterricht nicht beeinträchtigt werden soll, erfolgt der Test nun nach der letzten Unterrichtsstunde im Klassenverband. „Für die vorgeschlagenen Teststraßen bräuchte man Personal, das wir dafür nicht haben“, sagt Kunze.

Sowohl Otto-Hahn-Gymnasium als auch Grundschule in der Oberstadt beginnen frühestens erst zur Wochenmitte mit den Selbsttests. Die Eltern sollen Zeit haben, mit ihren Kinder das Erklärvideo zu sehen und die erst am Donnerstag versendeten Einverständniserklärungen in der Schule abzugeben.

Die Bertha-von-Suttner-Schule bietet vor dem Beginn der schleswig-holsteinischen Osterferien am 1. April Selbsttests nur für die Abschlussklassen an, also die Jahrgänge 9, 10 und 13. Die Klassenstufen 5 und 6 haben wegen der Abschlussarbeiten vor den Ferien ohnehin nur noch zweimal Unterricht. „Für unseren Abiturjahrgang ist das Testangebot am Freitag, damit sie sich nach einem möglicherweise falsch positiven Test noch bis zur Abi-Klausur am Dienstag über einen PCR-Test frei testen können“, sagt Jan Kunze.

Fazit

Das Angebot für Selbsttests gilt bis zu den Osterferien. Bis dahin sind es eineinhalb Wochen. Danach könnte wieder alles anders sein. Der Philologenverband will erfahren haben, dass die Tests dann von den Schülern zu Hause durchgeführt werden sollen. Vielleicht auch mittels kindgerechterer Lutschtests. „Dann hätte man aber wieder keinen Überblick über das Infektionsgeschehen“, findet Nicole Voss.

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