Corona-Pandemie

Prominenter Besuch zum Impfstart in Geesthacht

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Dirk Palapies
Impfstart in Geesthacht mit Besuch aus dem Bundestag, von links: Impfarzt Dr. Gert Schwiethal mit Professor Claudia Schmidtke (CDU), Dr. Monika Schliffke (KVSH) und Norbert Brackmann (CDU).

Impfstart in Geesthacht mit Besuch aus dem Bundestag, von links: Impfarzt Dr. Gert Schwiethal mit Professor Claudia Schmidtke (CDU), Dr. Monika Schliffke (KVSH) und Norbert Brackmann (CDU).

Foto: Dirk Palapies

Im ehemaligen Berufsschulzentrum verlief der Auftakt reibungslos. Der Kreis will die Zahl der Impfungen jetzt deutlich erhöhen.

Geesthacht. Im Geesthachter Impfzentrum wird vier Monate nach der Fertigstellungseit Montag nun auch geimpft. Doch Professor Claudia Schmidtke war bereits einen Schritt weiter. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung rechnete kurzerhand vor, was passiert, sollten demnächst auch die Arztpraxen ins Impfgeschehen eingreifen. Schöne Aussichten wären das.

„Allein an Hausarztpraxen gibt es an die 50.000 in Deutschland“, erläuterte die Lübecker Herzspezialistin. „Dann könnten wir eine Million Impfungen pro Woche schaffen und rein theoretisch bis August durch sein. Das wäre eine Zielmarke.“

Geesthachter Impfstart unter den Augen der Bundespolitik

Die Medizinerin, die für die CDU Mitglied des Bundestages ist, hatte sich zum Start des Geesthachter Impfzentrums zusammen mit Parteikollege Norbert Brackmann, Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Herzogtum Lauenburg-Stormarn-Süd, und Dr. Monika Schliffke, der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), angesagt.

Sie konnten sich von einem reibungslosen Ablauf überzeugen. Warteschlangen gab es nicht. Nach einer ersten Lagebesprechung am Ende des Tages lautete das Fazit: Nichts zu verbessern, so kann es weitergehen.

Im 15-Minuten-Takt gewähren Bundeswehrsoldaten Einlass

Die Angemeldeten werden im 15 Minutentakt bestellt. Sobald sie an der Tür des ehemaligen Berufsschulzentrums am Dialogweg stehen, werden sie von den Bundeswehrsoldaten aus Hagenow auch schon hereingebeten. Die sechs Panzergrenadiere sind für den Dienst in Geesthacht in der Jugendherberge untergebracht.

Bis zum optimistisch errechneten Ende der Massenimpfungen im Spätsommer ist es zwar noch ein wenig hin. Aber der Kreis will nach dem Spätstart in Geesthacht gleich das Tempo anziehen.

Ziel sind zeitnah 3500 Impfungen pro Woche

„Ab der 3. Märzwoche soll die Frequenz auf 3500 Impfungen in der Woche gesteigert werden“, sagte Landrat Dr. Christoph Mager, der sich den Auftakt ebenfalls nicht entgehen ließ. Geimpft werden soll die ganze Woche durch, auch an Sonn- und Feiertagen.

Zum Start in Geesthacht wurden 96 Menschen in der Zeit von 9 bis 12 Uhr geimpft. Derzeit gehen die Organisatoren davon aus, dass es in Zukunft nicht mehr an Impfstoff mangeln werde.

Impfstoff von Biontech/Pfizer wird erst später verimpft

Angeliefert wurde das Vakzin von AstraZeneca und nicht, wie ursprünglich geplant, das Serum von Biontech/Pfizer. Grund ist eine Entscheidung des Kieler Sozialministeriums von Mitte Februar.

Weil der gelieferte Impfstoff bislang in Deutschland als für Senioren nicht ausreichend getestet gilt, waren am Montag zunächst Personen bis zum vollendeten 64. Lebensjahr zum Impfen eingeladen. So kamen Mitarbeiter aus Arzt-, Zahnarztpraxen und Krankenhäusern, aus Rettungsdienst oder Pflegeberufen zum Zuge.

Irrtümlich kamen auch sechs ältere Personen

Wer älter ist, wird in Geesthacht vom 15. März an nachmittags geimpft, dazu wird das Vakzin von Biontech/Pfizer geliefert. Zur Sicherheit wurden zum Impfstart trotzdem bereits zwei Ampullen von Biontech/Pfizer eingelagert – und sie wurden auch benötigt.

Irrtümlich waren sechs ältere Menschen angemeldet worden. „Die Anweisung ist, dass wir in so einem Fall niemanden abweisen sollen“, sagt Karsten Steffen von der Kreisverwaltung.

Werden Impfstoffe vermischt, verringert sich der Impfschutz

Dass in zwei Wochen zwei Impfstoffe vor Ort verabreicht werden sollen, sieht Dr. Gert Schwiethal kritisch. Der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Ratzeburg versah zum Auftakt mit der Urologin Dr. Gabriele Simson den Impfdienst. „Mit zwei Impfstoffen zu arbeiten sehe ich als Fehler“, sagt er. „Man muss sehr konzentriert sein. Es ist eine politische Entscheidung.“

Das Konzept sieht vor, Ablenkungen zu reduzieren. Daher soll beim Aufziehen der Spritzen die Tür geschlossen bleiben. Und der Transport zum Impfraum erfolgt in verschiedenfarbigen Nierenschalen. Eine Vermischung der Impfstoffe wäre zwar nicht gefährlich – doch der Impfschutz würde sich nicht im gewünschten Maß aufbauen.

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