In Corona-Zeiten

Liegt es am ersten Lockdown? Babyboom in Geesthacht

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Dirk Schulz
Waren im ersten Lockdown viel zu Hause: Dennis Clausen und Lisa-Marie Lüdemann aus Lauenburg mit Tochter Liliana Valentina.

Waren im ersten Lockdown viel zu Hause: Dennis Clausen und Lisa-Marie Lüdemann aus Lauenburg mit Tochter Liliana Valentina.

Foto: Miriam Jens / BGZ

Die Zahl der Anmeldungen im Johanniter-Krankenhaus Geesthacht steigen um 40 Prozent. Kein genereller Trend auszumachen.

Geesthacht. Die 15 Hebammen und 17 Kinderkrankenschwestern der Geburtsstation des Geesthachter Johanniter-Krankenhaus haben derzeit alle Hände voll zu tun. In einer Sechs-Stunden-Schicht im Februar erblickten vier Kinder das Licht der Welt, an einem anderen Tag des Monats waren es acht Kinder in 24 Stunden – beides rekordverdächtige Werte. „Es ist derzeit ganz schön viel los auf der Wochenstation“, sagt die Leitende Hebamme Miriam Jens. Mit ihren drei Kreißsälen und zwei Wehenzimmern ist dann die Station mitunter voll ausgelastet. „Logistisch ist das eine Herausforderung“, ergänzt Jens.

Ob das die Auswirkungen des ersten Corona-Lockdowns vom vergangenen Frühjahr sind? Zeitlich käme es jedenfalls hin. Die Anmeldezahlen für Februar und März liegen in der Abteilung jedenfalls um 40 Prozent über den Durchschnittswerten. Anstatt 50 haben sich je 70 werdende Mütter angekündigt.

Vergangenes Jahr 760 Geburten im Johanniter-Krankenhaus Geestacht

„Dass der Anstieg jetzt coronabedingt ist und wir einen kleinen Lockdown-Babyboom haben, kann ich nicht sagen. Bei uns boomt es ja sowieso“, betont Miriam Jens und verweist auf 2020. Mit 760 Geburten verzeichnete die Geesthachter Klinik das stärkste Jahr seit 1997. Allerdings hat die Leitende Hebamme beobachtet: „Wenn man mit den Menschen ins Gespräch kommt und auf den Lockdown anspricht, müssen einige schon schmunzeln“, ergänzt Miriam Jens.

So räumt Dennis Clausen ein, dass er und seine Freundin Lisa-Marie Lüdemann Nachwuchs eigentlich noch nicht geplant hatten. „Im ersten Lockdown waren wir aber viel zu Hause“, sagt der Lauenburger. Das Ergebnis kam am 7. Februar auf die Welt und hört auf den Namen Liliana Valentina.

Dass viele werdende Eltern, sich für die Klinik in Geesthacht entscheiden, liegt aber auch an dem besonders familienfreundlichen Ambiente. Auf ihrer Station hat Miriam Jens 14 Familienzimmer, von denen in diesem Jahr zehn bis zwölf durchgängig belegt sind.

"Wir hatten schon länger Nachwuchs geplant"

Sandy und Sebastian Koch aus Geesthacht wollten eigentlich, dass ihr zweites Kind Luuk wie bereits Sohn Piet in Wandsbek zur Welt kommt. „Aber dort hätte mein Mann nur eine Stunde zu Besuch kommen dürfen“, erzählt Sandy Koch. In Geesthacht konnte sie ihn die ganze Zeit um sich haben. „Dass es jetzt ein Lockdown-Baby wurde, ist aber Zufall. Wir hatten Nachwuchs schon länger geplant, nur hat das etwas gedauert“, betont Sandy Koch.

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Auch Sandra Schulz hat sich für die Geburt ihres ersten Kindes bewusst für das Johanniter-Krankenhaus entschieden. „Unabhängig von ihrem Wohnort haben mir viele Frauen Geesthacht empfohlen“, sagt die junge Mutter. Dafür ist sie sogar vorab extra aus dem rund 80 Kilometer entfernten Dömitz (Mecklenburg/Vorpommern) elbabwärts gekommen und hat bei ihrer Schwester übernachtet. „Bei uns ist das nächste Krankenhaus schon weit weg. Ich wollte nicht, wenn es in der Nacht los geht, erst noch 30 bis 45 Minuten fahren müssen“, sagt Schulz.

Im Januar ebenfalls ein Anstieg im Bergedorfer Bethesda-Krankenhaus

Bei der Geburt von Sohn Louis war übrigens ihre Schwester Nancy Riedel mit im Kreißsaal. Mit dem Vater war die Mutter während des Lockdowns zusammen, als viele andere Aktivitäten nicht möglich waren. Inzwischen ist sie Single.

Bei den Geburtskliniken in der Geesthachter Umgebung ist kein genereller Trend herzuleiten, der auf einen Lockdown-Babyboom hindeuten würde. Allerdings hatte das Bergedorfer Bethesda-Krankenhaus im Januar ebenfalls einen Anstieg der Geburten um 40 Prozent. Sprecherin Conny Gudert hat zudem ein großes Interesse an den Info-Abenden registriert und berichtet von „einer großen Welle an Anmeldungen“.

Im St.Adolf-Stift in Reinbek kein aktueller Anstieg der Anmeldezahlen

Dagegen gibt es im Reinbeker St.-Adolf-Stift keinen aktuellen Anstieg der Anmeldezahlen. „Man kann bei uns keine Corona-Steigerung seit Ende 2020 erkennen“, sagt Sprecherin Andrea Schulz-Colberg. Die Zahl der Geburten lag 2020 mit 781 leicht über dem Vorjahreswert (771), aber deutlich unter den Zahlen von 2018 (859 Geburten).

Im Klinikum Lüneburg wiederum kamen im vergangenen Jahr 1901 Kinder zur Welt – ein Höchstwert der seit 15 Jahren in Lüneburg kontinuierlich steigenden Geburtenzahlen. Bis Mitte Februar 2021 lag die Zahl dagegen rund sechs Prozent unter dem Vorjahreszeitraum (231 zu 245).

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