Geesthacht

Öffnung schon am 8. März? Jugendherbergen sind skeptisch

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Dirk Palapies
Das Team der Jugendherberge Geesthacht ist in Kurzarbeit (Archivbild). Nur Leiterin Claudia Kopitzke (vorne) hält täglich die Stellung.

Das Team der Jugendherberge Geesthacht ist in Kurzarbeit (Archivbild). Nur Leiterin Claudia Kopitzke (vorne) hält täglich die Stellung.

Foto: Dirk Palapies

In Geesthacht liegen erste Buchungen vor. Auch Schulgruppen wollen kommen – ein Hoffnungsschimmer für Leiterin Claudia Kopitzke.

Geesthacht. Seit fast einem Jahr ist die Jugendherberge in Geesthacht geschlossen. Aktuell ist das Datum für die Wiedereröffnung der Jugendherbergen in Schleswig-Holstein auf den 8. März verschoben. Doch auch das wird wohl nichts, die Erwartungen sind gering.

„Die Inzidenz müsste drei Wochen lang unter 35 liegen“, sagt Claudia Kopitzke, die Einrichtungsleiterin aus Geesthacht. „Damit rechnet keiner hier. Wir hoffen auf die Zeit nach Ostern.“ Das Fest fällt auf Anfang April.

Jugendherbergen hoffen auf guten Sommer und rechnen mit Öffnung ab Ostern

Auch wenn geschlossen ist, Buchungen unter 04152/23 56 (E-Mail an geesthacht@jugendherberge.de) werden angenommen. Für den Frühling gibt es sogar schon Einträge für Gruppen im Terminkalender. Im Mai will eine Klasse aus einer Schule in Lübeck zu Besuch kommen, über den Sommer liegen Anmeldungen von Seminar- und Kirchengruppen vor, einem Teamleiterunterricht für Sport mit Jugendlichen, und im August sind für drei Wochen Buchungen eingepreist.

„Bisher kommen insgesamt 42 Leute“, sagt Claudia Kopitzke, „der Monat August würde sich rechnen.“ Sie hofft, das Klassenreisen von den Bundesländern nicht doch noch geschlossen abgesagt werden.

Im Vorrat lagern Konserven, das Bier ist bereits weggeschüttet

Auch wenn keine Gäste kommen dürfen, Arbeit fällt trotzdem an. Aber nicht für alle. „Die Mitarbeiter sind zu 100 Prozent in Kurzarbeit“, sagt Claudia Kopitzke. Sie arbeitet etwa 20 Stunden in der Woche, macht Büro, ein bisschen Buchhaltung. Alle 72 Stunden müssen Wasserleitungen gespült werden, einmal in der Woche werden der Ofen in der Küche laufengelassen und die Spülmaschine.

Der Kühlraum indes ist nicht abgeschaltet. „Das traue ich mich nicht, ein Kollege hat mir mal erzählt, er habe seinen danach nicht mehr anbekommen“, erklärt Claudia Kopitzke. Viel darin lagert nicht zur Zeit. Bei fast allem ist das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Vom tiefgekühlten Gemüse sind wenige Packungen übrig, zudem lagern im Vorrat Konserven. Das Bier ist bereits weggeschüttet.

Stadt soll mit 3000 Euro für neue Fenstern in Duschräumen helfen

Auf Betreiben der Geesthachter Grünen sollen 3000 Euro aus Haushaltsmitteln der Stadt an die Jugendherberge fließen, die Summe steht noch aus. Unter anderem, weil die Kieler Landesregierung den Geesthachter Haushalt noch nicht abgesegnet hat. Ali Demirhan, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, rechnet in Kürze damit, der Sozialausschuss am 2. März könnte das Geld fließen lassen.

„Die Summe soll ein Zeichen der Stadt sein, dass wir den Standort behalten wollen“, sagt Demirhan. „Wir benötigen neue Fenster in den Duschen“, weiß Claudia Kopitzke. Eine Kostenermittlung ergab: Das Geld wäre ungefähr die benötigte Summe.

Storno-Bedingungen für Gäste sind „super-flexibel“ gehalten

Ansonsten hat die Stadt nichts mit der finanziellen Situation der Jugendherberge zu tun. Dafür ist das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Nordmark e. V. zuständig. Zahlen, die zeigen, wie angespannt die Lage wegen der Corona-Situation ist, werden gerade zusammengestellt. Ende kommender Woche wird die Bilanz veröffentlicht. „Wichtig wäre eine konkrete Öffnungsperspektive“, sagt Sprecherin Katharina Pauly. „Wir hoffen weiterhin auf Ostern.“

Der Landesverband hat wegen der sich häufig veränderten Lage reagiert und die Storno-Bedingungen für Gäste „super-flexibel“ erweitert, so Katharina Pauly. Hilfsgelder zu bekommen beschreibt sie als „sehr kompliziertes Geflecht“ aus Fördertöpfen aus unterschiedlichsten Quellen. In jedem Bundesland sei es anders, und dann müssten Anträge für einzelne Häuser zum Teil auch noch einzeln gestellt werden. „Es lässt sich noch nicht absehen, ob alle Häuser bestehen bleiben können“, sagt Katharina Pauly.

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