Kriminalität

Geesthacht: Ladenbesitzerin im eigenen Geschäft bestohlen

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Dirk Palapies
Heidi Bergholz ist konsterniert: Eine Frau raubte die Tasche mit den Tageseinnahmen ihres Schuhgeschäftes in der Berliner Straße. Die Tasche wurde zwei Tage später ohne Geld in Hohenhorn gefunden.

Heidi Bergholz ist konsterniert: Eine Frau raubte die Tasche mit den Tageseinnahmen ihres Schuhgeschäftes in der Berliner Straße. Die Tasche wurde zwei Tage später ohne Geld in Hohenhorn gefunden.

Foto: Dirk Palapies

Eine vermeintliche Kundin stiehlt der Betreiberin eines Schuhgeschäfts die Tageseinnahmen und flieht. Später wird die Tasche gefunden.

Geesthacht. „Im Grunde ist das hier eine heiße Ecke“, sagt Heidi Bergholz. Sie wirkt immer noch konsterniert, wenn sie über das Erlebnis vom vergangenen Mittwoch spricht. 500 Euro sind der Ladenbesitzerin geraubt worden. Die gesamten Tageseinnahmen.

Heidi Bergholz betreibt ein Schuhgeschäft an der Berliner Straße 1 in Geesthacht. Es ist dunkel, sie ist allein, als vor einer Woche um 17 Uhr eine Frau ihren Laden betritt. Etwa 40 bis 45 Jahre alt, schwarzes Kopftuch mit silbernen Fäden, dunkler Wintermantel, dunkle Hose, etwa 1,60 Meter groß und vollschlank, wird Heidi Bergholz von ihr im Gedächtnis behalten.

Diebin greift die Tasche und lenkt die Ladenbesitzerin ab

Die Frau murmelt in holprigem Deutsch, etwas für ihre Mutter zu suchen Sie steuert schnurstracks auf das Schuhregal links an der Wand zu und greift sich ein Paar silberne Ballerinas aus dem untersten Regal für 80 Euro. Die Unbekannte gibt Heidi Bergholz einen Hundert-Euro-Schein. Die Ladenbesitzerin geht zu ihrer Tasche mit der Geldbörse. Die hängt über der Lehne eines Stuhls hinter dem Tresen.

Als die Frau das Wechselgeld bekommen hat, stellt Heidi Bergholz die Tasche auf den Tresen – die Chance für die Unbekannte. Sie deutet auf ein Kleid vorn im Schaufenster neben dem Eingang. Bergholz geht vor. Die Frau schnappt sich die Tasche, versteckt sie hinter ihrem Körper, als sie mit nach vorn geht. Dann reißt sie das Kleid vom Bügel. Ein Ablenkungsmanöver, die Frau drängt sich an der verdutzten Heidi Bergholz vorbei aus dem Geschäft. Der dämmert, was passiert ist. „Meine Tasche“, schießt es ihr in den Kopf. Zu spät, sie ist weg. Mit allem Geld und vielen Papieren. Zwei Tage später bekommt die Geesthachter Polizei einen Anruf aus Hohenhorn. Die Tasche lag an der Hauptstraße. Keine Spur mehr vom Geld. Aber immerhin: Alle Papiere sind da, sogar die EC-Karte.

Polizei beobachtet vermehrt Taschendiebstähle

Dass Ladenbesitzer beraubt werden, sei in Geesthacht ungewöhnlich, teilt Timo Roth vom örtlichen Polizeirevier mit. Allerdings wird ein starker Anstieg von Taschendiebstählen mit bis zu drei Taten pro Woche beobachtet. „Die Täter bilden meist Zweier-Teams und sind sehr gut angezogen“, sagt der Polizist. Aufgelauert werde bevorzugt älteren Menschen, viele seien in Bankfilialen gewesen. Eine Verfolgung könne sich lang hinziehen. „Die gehen über Stunden hinterher“, weiß Timo Roth.

Beliebt sind bei Kriminellen Läden, in denen keine Videokameras installiert sind, Aldi und Lidl etwa. Wenn die Täter bei Lidl am Trift Erfolg hatten bei Einkaufenden, werde schnell weitergefahren zu Lidl an der Spandauer Straße, um dort erneut zuzuschlagen. Die Polizei kenne diese Muster, könne aber nur eingreifen, wenn ein neuer Vorfall schnellstmöglich unter 110 gemeldet werde. Nicht erst ein bis zwei Tage später, wie es immer wieder vorkomme, so Timo Roth.

Der Rat der Polizei: Eine Kontosperrung nur über die Bank reicht nicht, wenn es passiert ist. Über die Polizei sollte auch die sogenannte „Kuno-Sperrung“ vorgenommen werden, um vor einem Betrug im elektronischen Lastschriftverfahren mit Unterschrift zu schützen. Zudem sollten Opfer bei der Bank unbedingt die Kartenfolgenummer erfragen und der Polizei mitteilen.

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