Geesthacht

Warum ein Torwart absichtlich ins eigene Tor schoss

Dünebergs Alt-Herren-Torhüter Achim Fresen (links) bei der Ehrung durch den Fair-Play-Beauftragten des Hamburger Fußball-Verbands Frank Behrmann (rechts). Außerdem dabei: DSV-Trainer Christian Scheel.

Dünebergs Alt-Herren-Torhüter Achim Fresen (links) bei der Ehrung durch den Fair-Play-Beauftragten des Hamburger Fußball-Verbands Frank Behrmann (rechts). Außerdem dabei: DSV-Trainer Christian Scheel.

Foto: Dirk Schulz

Nach einer irregulären Führung setzten die Fußballer des Düneberger SV auf Fair Play. Dafür wurden sie jetzt vom Verband geehrt.

Geesthacht. Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten, und der Schiedsrichter ist Luft. Wer mit diesen Fußballer-Weisheiten aufgewachsen ist, muss seit dieser Saison umlernen. Denn in Regel 9 des Deutschen Fußball-Bundes heißt es nun: „Wenn der Ball den Schiedsrichter (oder einen anderen Spieloffiziellen) berührt und danach ins Tor geht, der Ballbesitz wechselt oder ein Angriff gestartet wird, gibt es einen Schiedsrichterball.“

Bei Referee Laurent Fey (Escheburger SV) war diese Reform offenbar nicht angekommen. Jedenfalls ließ der Unparteiische am 25. Oktober im Alte-Herren-Spiel zwischen dem Düneberger SV und dem VfL Grünhof-Tesperhude das Spiel weiterlaufen, obwohl Fey einen weiten Ball aus der Düneberger Abwehr in die gegnerische Hälfte abgefälscht hatte. Während die Grünhofer in Erwartung eines sicheren Pfiffs stehen blieben, konnte ein Düneberger mühelos den Torwart umkurven und zum 1:0 einschieben. Trotz Protesten der Gäste zählte der Treffer.

Dünebergs Torwart schießt absichtlich ein Eigentor

Die Düneberger aber beschlossen, dass sie so im Lokalderby nicht in Führung gehen wollten. Beim folgenden Anstoß durfte Grünhofs Dennis Carl von der Mittellinie aufs Tor schießen. Und weil er zwar immerhin die Latte, aber nicht ins Tor traf, half Dünebergs Schlussmann Achim Fresen nach und schoss den Ball zum 1:1-Ausgleich absichtlich ins eigene Gehäuse.

Dafür wurde der 33-Jährige nun vom Hamburger Fußball-Verband (HFV) für „faires Verhalten auf dem Fußballplatz“ stellvertretend für seine Mannschaft geehrt. „Man liest so viel über negative Sachen, die beim Fußball passieren. Deswegen ist es wichtig, auch die fairen Aktionen publik zu machen“, erklärte Frank Behrmann, der Fair-Play-Beauftragte des HFV.

Auch wenn es mehr um die Geste ging, durfte sich der im Sauerland beim FC Hilletal 03 groß gewordene Torhüter über einen Gutschein für einen Einkauf im DFB-Shop sowie zwei VIP-Eintrittskarten für das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund freuen. „Dann komme ich als Gladbach-Fan auch mal zur anderen Borussia“, sagte Achim Fresen.

Schiri vermerkt Fair-Play-Aktion im Spielbericht

Dünebergs Trainer Christian Scheel hatte derweil am Seitenrand von der Absprache gar nichts mitbekommen und bestätigte bei der Ehrung: „Das mit dem Eigentor ist von der Mannschaft ausgegangen. Ich freue mich darüber sehr: Solche Gesten bringen den Fußball voran“, sagt Scheel.

Derweil endete die faire Partie, in der es keine gelbe Karte gab, nicht gut für die Düneberger. Die Nachbarn aus Grünhof gewannen am Ende mit 4:1. Immerhin sorgten sie dafür, dass Schiri Fey, der sich bei ihnen nach Spielschluss für seine falsche Regelauslegung entschuldigt hatte, die Fair-Play-Aktion im Spielbericht vermerkte. Frank Behrmann, der für die kurze Ehrung extra aus Wedel auf die andere Seite Hamburgs gefahren war („Dafür mache ich das gern“), hob diese Möglichkeit noch einmal ausdrücklich vorher.

Während als Fazit festgehalten werden kann, dass der Schiedsrichter keine Luft mehr ist, gilt eine andere (ungeschriebene) Fußball-Regel weiterhin. „Achim, du weißt!? Das kostet eine Kiste“, gab Trainer Scheel seinem Torhüter mit auf den Nachhauseweg. Die wird dann beim ersten Training nach der Coronapause fällig.