Geesthacht

In Hamwarde gibt’s Kartoffeln und Eier aus dem Automaten

Johannes, Heike und Christian Knoop vor ihrem Verkaufsautomaten in Hamwarde.

Johannes, Heike und Christian Knoop vor ihrem Verkaufsautomaten in Hamwarde.

Foto: Dirk Schulz

Geld einwerfen, Nummer eingeben und frische Erzeugnisse vom Bauernhof aus dem Schubfach ziehen. Neues Angebot der Familie Knoop.

Hamwarde. Während einer Fahrradtour durch das Geesthachter Umland ist Kirsten Schamidatus in Hamwarde auf den Verkaufsautomaten der Familie Knoop aufmerksam geworden. Jetzt kommt die Geesthachterin regelmäßig vorbei, um sich frische Eier von glücklichen Hühnern zu holen. „Die haben auch coole Öffnungszeiten – also wenn mal ein Eierchen oder so fehlt, komme ich jetzt hierher“, sagt Schamidatus.

In der Woche ist der nicht mal neun Quadratmeter große Selbstbedienungsladen von 6 bis 22 geöffnet, am Wochenende von 8 bis 22 Uhr. „Das hat für alle nur Vorteile. Wir sind flexibel, und unsere Kunden sind flexibel“, sagt Heike Knoop. Denn Landwirtschaft betreibt die Familie – dazu gehören Ehemann Heiko, die Söhne Johannes, Christian und Andre sowie deren Freundinnen Liesa und Telse – nur im Nebenerwerb.

Das Häuschen steht direkt an der Bushaltestelle

Rund 30 Jahre verkauften sie an der Haustür, bis Sohn Christian über einen Bekannten auf die weniger zeitintensive Idee mit dem Verkaufsautomaten kam. Bei der Firma Roesler aus Sande bei Wilhelmshaven bestellten sie die Fächer für den Frischwarenautomaten. Insgesamt sind es bei den Knoops 32 Stück. Das Häuschen drumherum, das in Hamwarde direkt an der Bushaltestelle „Dorfstraße“ steht, ist Marke Eigenbau.

Und so einfach geht der Einkauf: Geld einwerfen (auch Scheine), Nummer eingeben und je nach Jahreszeit frische Erzeugnisse vom Bauernhof aus dem gläsernen Schubfach ziehen – egal ob nun verschiedene Sorten Kartoffeln, helle und rote Zwiebeln, Eier, Knoblauch, Karotten oder Rote Beete.

Dreimal täglich wird frische Ware nachgefüllt

Und obwohl sich ihr Verkaufsautomat bisher nur per Mundpropaganda herumgesprochen hat, sind die Knoops begeistert, wie er angenommen wird. Dreimal täglich füllen sie Ware nach, holen frische Eier aus dem Stall mit den 130 Hühnern oder die Ernte von ihrem 20 Hektar großen Acker. Die Familie hält dazu neun Rinder, zwei Schweine und zwei Pferde.

Zum Kartoffel-Sortiment gehören auch Sorten, die es nicht in jedem Supermarkt gibt. Etwa Bamberger Hörnchen, die es seit 1870 gibt und die sich besonders gut für Pellkartoffeln eignen. Aber auch von außen und innen rote Kartoffeln der Marke „Heiderot“.

Leergut wird ebenfalls zurückgenommen

Eine Beschreibung der Eigenschaften ihrer Kartoffeln sowie eine Preisliste und Bedienungsanleitung sind natürlich vorhanden. Auch zwei Behältnisse für Leergut wie Eierschalenverpackungen. Damit die Ware zudem immer frisch ist, haben die Knoops auch eine Klimaanlage und eine Heizung für den Verkaufsautomaten installiert.

Seit rund 20 Jahren stellt die Firma Roesler Verkaufsautomaten her, nachdem ein Kartoffelbauer dafür den Anstoß gegeben hatte. Heute verkauft „Roesler Automaten“ knapp 1000 Stück im Jahr. Das Basismodell gibt es ab circa 5000 Euro. Dass der Trend hin zur Direktvermarktung geht, gleichzeitig das Modell der Vertrauenskasse rückläufig ist, haben auch die Knoops beobachtet. „Bei unserem Nachbarn klappt das mit der Vertrauenskasse mal gut, dann ist mal das ganze Geld weg“, sagt Heike Knoop.

Kunden ließen Süßigkeiten im Tausch zurück

Sie haben dagegen bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Im vergangenen Jahr haben sie zu Weihnachten etwa von Kunden im Tausch zurückgelassene Süßigkeiten als Dankeschön gefunden. Die Bedienung bereitete anfangs aber Probleme. So kann Heike Knoop von zwei kleinen Kindern aus dem Dorf berichten, die aus Unwissenheit ihren Geldschein solange gefaltet hatten, bis er ins Kleingeldfach passte, sich dann aber wunderten, dass sie keine Ware erhielten.

Apropos: Sollte mal ein Artikel vergriffen sein, kommt wieder der alte Haustürverkauf ins Spiel. Die Kunden bekommen – sofern jemand zu Hause ist – ihren Wunsch direkt aus dem Stall. So wie neulich Kirsten Schamidatus. „Die haben mich mit in ihren Stall genommen und ich habe nur glückliche Hühner angeguckt“, erzählt sie.