Jubiläum

Seit 150 Jahren für Sie, liebe Leser, unterwegs

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Marcus Jürgensen
Ein Stück Zeitungsgeschichte: Die Titelseite der Lauenburgischen Landeszeitung vom 1. Oktober 1870.

Ein Stück Zeitungsgeschichte: Die Titelseite der Lauenburgischen Landeszeitung vom 1. Oktober 1870.

Foto: BGZ

Am 1. Oktober 1870 erschien die erste Lauenburgische Landeszeitung. Großes Thema der Erstausgabe: die Siege der deutschen Truppen.

Lauenburg/Geesthacht/Schwarzenbek. Deutschland befindet sich im Krieg mit Frankreich, als in Lauenburg am 1. Oktober 1870 eine neue Zeitung erstmals den Weg zu ihren Lesern findet. Großes Thema der Erstausgabe an einem Sonnabend sind natürlich die Siege der deutschen Truppen, doch mit der Spitzenmeldung auf der ersten Seite richtet sich Verleger Rudolf Deminé direkt an seine Leser. „Diejenigen geehrten Reflectanten auf diese Zeitung, welchen etwa unsere Abonnementsliste behuf Unterzeichnung nicht vorgelegt sein sollte, trotzdem wir unseren Boten angewiesen, in jedem Hause zum Abonnement einzuladen, bitten wir freundlichst, ihre Bestellung nachträglich bei uns machen zu wollen“, hieß es da, waren doch zuvor bereits einige Probeausgaben verteilt worden.

Einer so freundlichen Einladung konnten sich die wenigsten Menschen entziehen: Es war die Geburtsstunde für die „Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung. Anzeiger für Stadt und Land.“ Damals eine Zeitung, wie es viele in den deutschen Landen gab, und ganz anders als wir Zeitungen heute kennen. So gab es anfangs keine Bilder oder Illustrationen, vier Seiten, eng mit Texten bedruckt, die mit kleinen Schlagzeilen überschrieben waren. Berichtet wurde vor allem über die deutsche und europäische Politik, doch Mitteilungen aus der Heimat fanden natürlich auch schon damals ihren Weg in die Lauenburgische Landeszeitung.

Zeitung erschien zunächst dreimal in der Woche

Viel hat sich seitdem verändert. Während vor 150 Jahren die Zeitung dreimal wöchentlich zu ihren Lesern kam, können Sie uns heute rund um die Uhr lesen. Während die gedruckte Ausgabe an sechs Tagen in der Woche ausgetragen wird, werden die Nachrichten auf unserer Online-Seite laufend aktualisiert. Vor allem die vergangenen 25 Jahre brachten eine deutliche Wandlung. Heute nehmen Reporter mit ihren Smartphones Videos auf, posten erste Meldungen im Internet, und die E-Paper-Ausgabe erreicht die Abonnenten bereits am Abend kurz nach Redaktionsschluss – lange bevor die Zusteller am nächsten Morgen die gedruckte Zeitung an die Haushalte verteilen.

Nicht die erste Zeitung im Lauenburgischen

150 Jahre – für eine Tageszeitung in Deutschland ist das ein ganz besonderes Jubiläum, auch wenn die Lauenburgische Landeszeitung bei Weitem nicht die älteste im Lande ist. Älteste noch erscheinende Tageszeitung Deutschlands ist die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“, die bereits 1705 gegründet wurde. Die „Allgemeine Lauenburgische Landeszeitung. Anzeiger für Stadt und Land“ war trotz ihres Alters auch nicht die erste Zeitung im Kreis: Bereits im Jahr 1818 erschien in Ratzeburg erstmals der „Privilegierte Lauenburgische Anzeiger“ – ein monatliches Blatt. Dieses gab es immerhin mehr als 40 Jahre, es wurde dann als „Lauenburgische Zeitung“ neu gegründet. Sie blieb bis zum Zweiten Weltkrieg das wichtigste Mitteilungsblatt im Nordkreis neben der 1882 gegründeten „Möllner Zeitung“.

Im Süden verkaufte Rudolf Deminé 1885 seine Zeitung an die Lübecker Firma Gebrüder Borchers. Doch erst mit dem Eintritt der Brüder Ernst und Wilhelm Freystatzky um die Jahrhundertwende wurde die Lauenburgische Landeszeitung zur dominierenden Zeitung im Südkreis. Vier Jahre nach Deminé hatte der aus Leipzig stammende Druckermeister Eduard Wagner die Bergedorfer Zeitung gegründet, die auch in Geesthacht gelesen wurde. Das Konkurrenzblatt „Geesthachter Zeitung“ wurde in den 1930er-Jahren von der Lauenburgischen Landeszeitung übernommen.

Zweiter Weltkrieg: Papiermangel und Gleichschaltung

Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) markierte eine Zäsur in der lokalen Zeitungsgeschichte. Die kleinen Zeitungen, längst gleichgeschaltet, stellten aus Papiermangel nach und nach ihren Betrieb ein. Im Südkreis übernahm die Bergedorfer Zeitung die Nachrichtenversorgung – und das blieb auch nach Kriegsende so.

Nach englischem und amerikanischem Vorbild erschien 1949 die Bergedorfer Zeitung mit dem Untertitel „Lauenburgische Nachrichten“ und dem neuen Grundsatz „überparteilich und unabhängig“.

Seit 1957 verschwistert mit der Bergedorfer Zeitung

Als 1956 die Bergedorfer Zeitung die erste Ausgabe des „Schwarzenbeker Tageblatts“ herausgab, bedeutete dies das Ende der seit 1896 von Hermann Lorenz herausgegebenen „Schwarzenbeker Nachrichten“. Ein Jahr später wurde auch die Lauenburgische Landeszeitung Teil der Bergedorfer Zeitung und ist es bis heute.

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In den 1970er-Jahren kaufte der Hamburger Verleger Axel Cäsar Springer die Zeitung, bei der er Anfang der 1930er-Jahre selbst sein Volontariat absolviert hatte. 2014 folgte der nächste Verkauf: Seither gehören Lauenburgische Landeszeitung und Bergedorfer Zeitung zur Funke-Mediengruppe und sind gemeinsam mit dem 1948 gegründeten „Hamburger Abendblatt“ in der Funke Medien Hamburg GmbH vereint.

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